Wenn die Klassenfahrt wegen des Bahntickets wackelt

Mobilität / 03.03.2024 • 17:30 Uhr
Wenn die Klassenfahrt wegen des Bahntickets wackelt
In der MS Baumgarten bangt man um die Klassenfahrten am Ende des Schuljahres. Nicht ganz zu Unrecht. ÖBB, VN/Rauch

Die ÖBB sind gefragt. Dies stellt Schulen wie die MS Baumgarten vor unerwarteten Herausforderungen.

Dornbirn Die Wien- oder Salzburgwoche ist ein Höhepunkt für viele Schülerinnen und Schüler jedes Jahr. Derzeit müssen jedoch viele Familien und Lehrkräfte fürchten, dass diese ins Wasser fallen könnte. Denn es gibt keinen Platz im Zug. An der Mittelschule Baumgarten zittert man inzwischen, ob alle Schulwochen überhaupt zustande kommen.

“Es geht ja nicht darum, ob man einen Zug früher oder später nimmt, sondern dass man überhaupt einen bekommt”, betont Schuldirektorin Ulrike Mersnik. Für eine Wienwoche hat man inzwischen die Bestätigung, dies ist jedoch heuer die Ausnahme. “Wir fahren am 2. Juni bis 7. Juni mit zwei Klassen nach Wien. Und man kann sechs Monate davor die Zugfahrt reservieren”, erklärt Markus Taucher. Also meldete der Mittelschullehrer am 11. Dezember die 45 Personen als Gruppe an. Ob er am 2. Juni fahren kann, weiß er aber bis heute nicht.

Schülerfahrten ÖBB
Markus Taucher wartet seit drei Monaten auf eine Zu- oder Absage. VN/Rauch

Am 11. Dezember bekam er eine Mail, dass man sich in Bälde bei ihm melden werde. Aus Dezember wurde Jänner, ohne dass eine Antwort kam. Im Jänner und Februar konnte ihm das Callcenter nur sagen, der Antrag sei noch in Bearbeitung. Die Planung solcher Klassenfahrten ist aufwendig und zeitraubend: Parallel wurde jedoch die gesamte Woche schon organisiert, die Planungen standen mit den Herbstferien. Die Unterkunft ist seit bald einem Jahr gebucht, Musicaltickets auch gekauft. Und ab März drohen Stornogebühren.

Schülerfahrten ÖBB
Nicole Stabler hofft, die Schüler mit Begleitpersonen auf mehrere Züge aufteilen zu dürfen. VN/Rauch

Eine schnelle Antwort für ihre Salzburgwoche bekam seine Kollegin Nicole Stabler, jedoch eine negative. “Ich bekam retour, dass es an keinem der beiden Reisetage Platz in einem Zug gibt”, wurde die 28-Jährige vor vollendete Tatsachen gestellt. Auf das Angebot, die Klassen auf mehrere Züge aufzuteilen, steht die Antwort noch aus. Parallel gibt es von den ÖBB die Warnung, dass es von Mai bis zu den Sommerferien kaum einen Platz für Schulfahrten gibt. “Natürlich finden alle Klassenfahrten im Mai und Juni statt”, weiß auch Mersnik. “Wir hatten das in dieser Form noch nie.”

Schülerfahrten ÖBB
Direktorin Ulrike Mersnik hofft, dass sich Lösungen finden lassen. VN/Rauch

ÖBB: Absage ist letztes Mittel

Ähnliche Situationen sind von anderen Schulen auch bekannt. Denn auch wenn der gewünschte Zug online derzeit bisher nicht ausgebucht erscheint, sind Kontingente für Reisende mit Klimaticket oder eben Kurzentschlossene vorgesehen. “Im ÖBB-Fernverkehr verzeichnen wir im Vergleich zum Jahr 2019 insgesamt über 20 Prozent mehr Reisende”, betont ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Gerade Gruppenreisen wurden gefragter: “Aktuell liegen wir bei rund 45.000 Anfragen im Jahr, die sich größtenteils auf wenige Wochen und auf wenige beliebte Strecken und Reisetage konzentrieren, was für die ÖBB eine zusätzliche Herausforderung bedeutet.” Man sei bemüht, an Großreisetagen mehr Wagen auf die Gleise zu bekommen und kauft neue Züge.

Aber: “Um die Sicherheit unserer Fahrgäste zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten und um überfüllten Zügen und Zugräumungen vorzubeugen, richtet sich die Größe des verfügbaren Gruppenkontingents nach der prognostizierten Gesamtauslastung des Zuges, die mithilfe unserer Prognosesysteme für künftige Fahrgastströme und bereits eingetroffener Reservierungen ermittelt wird.” Es könne so auch schon weit im Voraus feststehen, dass ein Zug voraussichtlich ausgelastet sein wird. “Eine generelle Absage als letztes Mittel findet jedoch nur statt, wenn auch für zeitnahe Alternativverbindungen kein Gruppenkontingent mehr verfügbar ist.” Sprich, es wird zum Kapazitätenthema, trotz der halbjährigen Vorlauffrist. Bei den modernen Zügen kann man auch nicht einfach einen Waggon hinzuhängen.

Bangen um Schulwochen

Mersnik und ihre Lehrer fürchten nun um die Schulwochen. “Die Schüler freuen sich sehr”, betont die Direktorin. “Und es hat ja einen Grund, wieso wir mit den ÖBB fahren: Weil sie wirklich das attraktivste Angebot für Schülerfahrten haben.” Die Westbahn fährt nur einmal täglich und ist für die Schüler teurer, jetzt noch einen Bus zu mieten, kostet noch mehr Geld und ist nicht gerade klimaschonend. Sprich, die Alternativen sind rar und kosten weit mehr Geld, als es die ÖBB tun. Hinzu kommen die besagten Stornogebühren.

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“Wir achten bei der Planung darauf, dass es für die Eltern leistbar bleibt”, betont Mersnik. Hier gibt es auch Unterstützung vom Land, aber alles wurde nun einmal teurer. Daher würde man gern auch zukünftig mit den ÖBB als Bestanbietern fahren. “Wir würden uns eine Ansprechperson wünschen und zeitnah eine Rückmeldung bekommen”, fasst die Direktorin zusammen. “Damit, wenn wirklich nichts geht, wir noch die Zeit haben, umzubuchen.”