Die Reife-Prüfung

Der Cupra Raval tritt an, um zu beweisen, wie dynamisch ein elektrischer Kleinwagen wirklich sein kann.
Cupra Der Raval präsentiert sich in umfassend eigenständigem Design ohne Ähnlichkeiten zu seinen engen Verwandten VW ID.Polo. Mit aggressivem Look, steil ansteigender Flankenlinie und keckem Heckbürzel überträgt er die sportliche Identität der Marke maßstabsgerecht ins Kleinwagen-Segment. Das fahrerorientierte Cockpit-Layout macht Laune, die gar intensiven Ambiente-Lichtspiele fallen aber unter Geschmackssache. Mit 10,25 Zoll Instrumenten-Schirm und 12,9 Zoll Touchscreen ist der Raval digital gut bestückt, dazu verwendet Cupra eigene Grafik-Lösungen und packt die Instrumentenanzeige stilgerecht in einen Sechskant-Rahmen.
Der Raval-Fahrer sitzt serienmäßig auf Sportgestühl, in der stärksten Variante VZ sogar auf elektrisch verstell- und beheizbaren Schalensitzen. Bei den praktischen Tugenden lässt sich der Katalane ebenfalls nicht lumpen – wie auch sein Wolfsburger Konzern-Bruder hat er optional eine Lösung für das ewige Kofferraum-Manko in dieser Klasse parat: Dank eines geräumigen Unterflur-Stauraums schluckt der Raval im Heck dann insgesamt 441 Liter Basis-Volumen – fast 100 Liter mehr, als der wesentlich größere VW Golf schafft. Bei den Motorleistungen wurde trotz des Sport-Anspruchs der Marke offenbar kein Ausreißer gestattet, sie sind bei allen jetzt anlaufenden Modellen von VW, Skoda oder eben Cupra identisch.

Für den offiziellen Markstart des Raval im Juni stehen die beiden Top-Varianten Endurance mit 211 und VZ mit 226 PS zu Wahl, beide in Kombination mit dem Nickel-Mangan-Kobalt-Akku zu 52 kWh. Im Herbst werden die beiden schwächeren Modelle mit 116 sowie 135 PS und der kleineren 37 kWh Lithium-Eisenphosphat-Batterie nachrücken. Eingreifen durften die Cupra-Ingenieure allerdings bei für die Fahrdynamik relevanten Details. Als hauseigene Extras sind serienmäßig Progressiv-Lenkung und Sportfahrwerk mit an Bord, in der Top-Variante VZ außerdem exklusiv ein elektronisches Vorderachs-Sperrdifferential und adaptive Dämpferregelung. Einzufangen gilt es damit rund 1,6 Tonnen Gewicht, womit sich der Hüftspeck hier zumindest für ein E-Auto in Grenzen hält.
Ein sportlicher Kleinwagen mit tadellosen Dynamik-Talenten und ansprechendem Design. Bisher vielleicht die beste Umsetzung des Elektro-Themas bei Cupra.
Im ersten Test bestätigt der kleine Elektro-Heizer seine angekündigten Dynamik-Talente tadellos, gibt sich im Handling agil und bietet dennoch eine ausgewogene Sattheit. Untersteuerungs- und Wank-Tendenzen sind ihm weitgehend fremd, vor allem der VZ beherrscht Lenk- und Antriebskräfte souverän. Die reale Agilität fühlt sich flotter an, als die Werte für null auf hundert km/h von 6,8 und 7,1 Sekunden vermitteln. Es macht Spaß, den Raval auszureizen und er fällt in die Kategorie Autos, mit denen das auch im Alltag bedenkenlos möglich ist. Im Cupra-Programm wird der Raval allerdings dermaßen bissig, dass es besonders im Stadtverkehr in Arbeit ausartet, ihn im Zaum zu halten. Wer beim Treten des rechten Pedals dennoch halbwegs zurückhaltend verfährt, wird auch mit adäquatem Verbrauch belohnt.

Im ersten Test bei durchwegs moderater Fahrweise unter für E-Autos idealen Temperaturbedingungen und ohne Autobahn-Passagen betrug das Verhältnis zwischen tatsächlich zurückgelegter Strecke und angezeigtem Reichweiten-Verlust im VZ dennoch etwa 1:1,2, woraus sich eine erreichbare Real-Distanz von maximal 325 Kilometern ergibt, gut 100 weniger als der WLTP-Wert. Außer an der Ladesäule haben die sportlichen Qualitäten auch in der Anschaffung ihren Preis: Als Endurance ist der Raval ab 30.900 Euro gelistet, für den VZ werden weitere 4.500 mehr fällig, womit beide doch recht deutlich über dem üblichen Kleinwagen-Rahmen liegen. PAB
Fakten und Daten
Cupra Raval
Motor/Antrieb: Elektromotor mit 211 und 226 PS; NMC-Akku mit 52 kWh netto Vorderradantrieb; 1-Gang Direktübersetzung L/B/H 4046/1784/1514 mm; ab 1610 kg
Fahrleistungen/Verbrauch: 0-100 km/h 7,1/6,8 sek.,
Höchstgeschwindigkeit: 160/175 km/h,
Verbrauch: 13,6-14,8/13,8-16,2 kWh/100 km;
Reichweite: 413-446/395-426 km,
Ladedauer: 130 kW DC 10 auf 80% ca. 23 min
Preis: ab 30.900 Euro