Schöner heizen

Mobilität / 12.06.2026 • 09:00 Uhr
Audi-Vorstandschef Gernot Döllner hat Anlass, Stolz zu sein: Der Super-Sportwagen Nuvolari macht mit aufregendem Design und technischen Leckerbissen dort weiter, wo der R8 seinerzeit aufgehört hat
Audi-Vorstandschef Gernot Döllner hat Anlass, Stolz zu sein: Der Super-Sportwagen Nuvolari macht mit aufregendem Design und technischen Leckerbissen dort weiter, wo der R8 seinerzeit aufgehört hat. Audi AG

Mit dem Super-Sportwagen Nuvolari landet Audi einen rasanten Überraschungs-Hit.

Audi Rechtzeitig vor dem Sommerloch haben Sportwagen-Präsentationen in den letzten Wochen für Diskussionsstoff gesorgt. Ferrari Luce und AMG GT 4-Türer waren selbst für gestandene Marken-Fans eine Herausforderung – sowohl die Strapazierbarkeit des Begriffs Design als auch die Sinnhaftigkeit von batterieelektrischen Antrieben in der Hochleistungs-Liga stießen da wie dort ihre Grenzen. Wie es auch gehen kann, zeigt nun Audi mit dem völlig überraschend vor den Vorhang gerollten Novolari, einem Super-Sportwagen mit V8-Biturbo Hybrid-Antrieb in minimalistischem Monolith-Look. Bestückt ist er dazu mit technischer Feinkost, die klassisches Engineering mit digitaler Raffinesse vereint. Der Clou dabei: Es handelt sich um kein Show-Car, sondern bereits um das Produktions-Modell – die Fertigung beginnt noch in diesem Jahr. Benannt ist der neue Bolide nach dem Ausnahme-Rennfahrer Tazio Nuvolari, der ab 1937 auch als Pilot für die Audi-Vorgängermarke Autounion siegte.

In nur einem Jahr wurde die Entwicklung des Ingolstädter Renners unter strikter Geheimhaltung bewerkstelligt. Die technische Basis liefert der Konzern-Verwandte Lamborghini Temerario mit gleichem Hybrid-System: Zwei E-Motoren an der Vorderachse plus einem direkt am V8-Aggregat mit direkter Wirkung auf die Kurbelwelle. Audi hat sich selbst ein Upgrade auf 1.001 PS statt der 820 Pferde des italienischen Verwandten gegönnt und ergänzt die Leistungsspritze mit Predictive Ride, einer neuen Evolutionsstufe des Quattro-Antriebs. Dabei werden alle Bewegungsdaten laufend erfasst und kumuliert verarbeitet – erwartet das System beispielsweise in einer Kurve einen drohenden Grip-Verlust, greift es vorausschauend ein und verändert automatisch die notwendigen Parameter um die Fahrdynamik zu optimieren. Dazu kommen Speedwerte von 2,6 Sekunden für den Sprint von null auf die ersten hundert km/h, in weiteren 4,2 Sekunden ist der zweiter Hunderter erreicht, ein dritter geht sich auch noch aus – erst bei 350 km/h ist dann Schluss.

Erstmals in der Markengeschichte von Audi klettert mit dem Nuvolari die Leistung in den vierstelligen Bereich – die rasante Skulptur bietet genau 1.001 PS
Erstmals in der Markengeschichte von Audi klettert mit dem Nuvolari die Leistung in den vierstelligen Bereich – die rasante Skulptur bietet genau 1.001 PS. Audi AG

Was die Verpackung des Hightech-Pakets angeht, hat sich Audi diesmal weit aus dem Fenster gelehnt. Jeglicher Bügelfalten- und Seitenscheitel-Mief wurde tunlichst vermieden, es steckt viel vom Showcar Concept C aus 2025 drin. Hier werden die Ansätze aber noch puristischer gefeiert: Vordergründig dominieren geometrische Formen, verfeinert mit aufregenden Spannungslinien. Viele davon eröffnen sich erst nach längerem Betrachten – der Zeitaufwand lohnt sich aber. Unnötige Spielereinen fehlen völlig – was keinen Zweck für Aerodynamik, Anpressdruck oder Thermo-Management erfüllt, wurde einfach weggelassen. Die Außenhaut selbst besteht fast ausschließlich aus Carbon, dessen spezielle Fertigungs-Charakteristik auch die Formgebung beeinflusst hat. Die klare Linie setzt sich auch im Cockpit fort: Die erste Sitzprobe beeindruckt durch die völlige Absenz von Zierrat und die Fokussierung auf das Fahren.

Reduzierter Look, keine Naht zu viel, simple Flächen: Das Layout des Nuvolari-Cockpits macht klar, worum er hier vorrangig geht: Um das Fahren
Reduzierter Look, keine Naht zu viel, simple Flächen: Das Layout des Nuvolari-Cockpits macht klar, worum er hier vorrangig geht: Um das Fahren. Audi AG

Der Nuvolari kommt zur Ehrenrettung Audis gerade rechtzeitig: Aktuell besteht das Portfolio der „Sportmarke“ nur noch aus Viertürern, die meisten davon SUVs. Quattro wurde mehr oder weniger zum Ausstattungs-Merkmal degradiert, gerade die RS-Modelle halten die Dynamik-Flagge noch erfolgreich hoch. Außer zur Image-Korrektur und Leistungs-Demonstration macht dieses Auto aber auch als Inspiration für Design und Technik künftiger Serienmodelle Sinn. Die Produktion ist auf 499 Stück limitiert und dürfte trotz des Nettopreises von mindestens 500.000 Euro demnächst ausverkauft sein. PAB