Die Karrenseilbahn ein Jahr nach dem Unfall: “Der Prüfplan hatte 42 Seiten”

Vor einem Jahr mussten 19 Personen aus einer Gondel der Karrenseilbahn gerettet werden. Das hat sich seitdem bei der Bahn getan.
Dornbirn “Wir sind heilfroh, dass niemand verletzt wurde. Es war schon schlimm genug, was die, die in der Kabine waren, aushalten mussten”, betont Karrenseilbahn-Geschäftsführer Herbert Kaufmann.
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Bessere Wetterberichte
“Es handelte sich tatsächlich um ein Jahrtausendereignis”, betont der Aufsichtsratsvorsitzende der Karrenseilbahn und Vizebürgermeister von Dornbirn, Alexander Juen. Ein Downburst, eine mit dem nahenden Gewitter verbundene Fallböe, hob die Gondeln sowie auch ein Trag- und das Zugseil am 23. Juni 2025 aus den Führungen. Das starke lokale Wettereignis war so weder Teil des vorliegenden Wetterberichts noch war man damit vertraut. “Wir haben das Thema Wetterbericht noch einmal stärker forciert, obwohl dies keine Vorgabe war”, betont Kaufmann. Man habe nun 24/7 Zugriff auf einen Meteorologen.
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19 Personen und ein Hund hingen 150 Meter über dem Boden in den Seilen. Es dauerte sieben Stunden, bis alle Fahrgäste von der Bergrettung aus der Gondel abgeseilt werden konnten. Nach vier Tagen waren die Gondeln wieder in den Stationen, weitere sieben Wochen später, Anfang August, ging die Seilbahn wieder in Betrieb. “Das ganze Team – Bergrettung, eigene Mannschaft, externe Firmen – hat extrem professionell und gut gearbeitet”, betont Kaufmann.
Anpassungen und Umbauten
Danach startete ein sehr umfangreicher Prüfprozess: “Der Prüfplan, der geschaffen wurde, hatte allein 42 Seiten”, gibt Kaufmann Einblick. Dabei wurden praktisch alle relevanten Bestandteile der Bahn überprüft. Zusätzlich wurde eine Niederhaltelasche beim Tragseilschuh in der Bergstation als technische Sicherung eingebaut. Ob sogenannte Briden, die die Tragseile beinahe vollständig umfassen und so sichern, eine praktikable und sinnvolle Verbesserung wären, wird derzeit noch geprüft.
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Bereits jetzt ist klar, dass das Wetter in den Risikoeinstufungen der Karrenseilbahn und darüber hinaus eine andere Bedeutung erfährt. “Bislang waren es bei Seilbahnen sehr oft Unfälle technischer Natur oder menschliches Versagen. Das ist schon ganz selten, dass es Naturgewalten sind, die so stark Einfluss nehmen”, betont Kaufmann. Entsprechend wurde auch die Steuerung der Seilbahn adaptiert.
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Kein finanzieller Schaden
Der finanzielle Schaden wurde durch die Versicherungen gedeckt: “Hier war man angesichts der Dauer der Reparatur auch um die eingegangene Betriebsunterbrechungsversicherung froh”, erklärt Juen. Die Betroffenen wurden in mehreren Terminen nachbetreut; sie haben die Kontaktdaten von Kaufmann oder des Kriseninterventionsteams und können sich dort bei offenen Fragen melden.
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Gutachten eingeholt
Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen Anfang 2026 eingestellt, und auch die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) hat keine tiefergehende Untersuchung eingeleitet. Eine Untersuchungspflicht hätte nur bei einem schweren Unfall mit Personenschaden bestanden.
Die oberste Seilbahnbehörde des Mobilitätsministeriums (BMIMI) hat direkt nach dem Unfall von rund 50 baugleichen Seilbahnen Gutachten zu Windlasten und den Tragseilaufhängungen eingefordert. Die zeitaufwendige Auswertung der Gutachten ist aber noch im Gange. Doch Kaufmann ist sicher: “Der Unfall hat in Fachkreisen zum Nachdenken geführt, welche Gewalt die Natur haben kann.”