Ein Busfahrer packt aus – schwere Kritik am neuen Tarifsystem

Der anonyme Busfahrer spricht aus, was auch andere Kollegen beschäftigt. So reagiert der Vorarlberger Verkehrsverbund auf die Vorwürfe.
Schwarzach Mehr Belastung am Steuer und aus seiner Sicht fragwürdige Werbeaussagen des Vorarlberger Verkehrsverbundes (VVV): Ein Busfahrer kritisiert das neue Tarifsystem, das seit rund einem Monat gilt. Aufgrund der befürchteten Folgen will er lieber anonym bleiben. Genauso wie andere Busfahrer, die seine Aussagen stützen. Auch die Gewerkschaft vida äußerte bereits Kritik am neuen Tarifsystem.
Nicht benutzerfreundlich
“Uns wird durch ein schlechtes technisches System der Fahrscheinverkauf erschwert. Fehler sind dabei vorprogrammiert. Und der Ärger sowieso”, meint der anonyme Busfahrer.
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Der VVV ist davon überzeugt, dass mit der Einführung des neuen Tarifsystems die Öffi-Nutzung für Gelegenheitsfahrgäste vereinfacht wurde, da man sich nicht mehr aus 94 Dominos eine Fahrt zusammenbasteln muss. Das sei laut dem Busfahrer nur schön verpackte Werbung. “Kein Mensch hat jemals Dominos gezählt”, meint er. “Bis vor Kurzem hat der Fahrgast das Ziel angegeben, der Busfahrer wählte den Ort und eventuell noch Kind oder Tageskarte aus, und der Computer zeigte den korrekten Preis an.”

Jetzt müssen die Fahrgäste und die Fahrer die verschiedenen Lokalzonen kennen oder nachsehen. Die Fahrer müssen sich zudem von Station zu Station neu orientieren und sich fragen: Gehört die aktuelle Haltestelle noch zum letzten Ort oder doch schon zum nächsten? Hat die Gemeinde eine eigene Lokalzone oder gehört er zur Lokalzone eines anderen Ortes? Wie weit gilt diese Lokalzone? Braucht es also eventuell schon ein Regio-Ticket? “Und wenn sich mit der Regio-Karte die Fahrt gerade nicht mehr ausgeht und der Fahrgast eine Maximo-Karte benötigt, muss sich der Busfahrer oft mit dem Ärger über die plötzlich hohen Kosten auseinandersetzen.”

In der Schulung zum neuen Tarifsystem sei erklärt worden, dass Fahrgäste selbst angeben sollten, welches Ticket sie benötigen. Und tatsächlich gibt es jetzt Busfahrer, die die Fahrgäste nicht nach dem Zielort, sondern nach der Zone und der Fahrdauer fragen. “Noch in hundert Jahren wird der Fahrgast sein Fahrziel nennen und nicht den Tarif. Alles andere wäre entgegen jeglicher normalen Denkweise.”

Auch den Tariffinder beschreibt der Busfahrer als wenig benutzerfreundlich: “Das ist eher ein Ortesucher.” Man gibt dabei den Startort ein, muss eine verfügbare Zone auswählen und nachsehen, ob der Zielort damit abgedeckt ist. Falls nicht, muss man sich weiter durchklicken. “Sollte es bei der heutigen Technik nicht möglich sein, den Zielort einzugeben und dann den richtigen Tarif angezeigt zu bekommen? Das sollte nicht nur beim Tariffinder, sondern auch beim Ticketautomaten im Bus und beim System der Busfahrer so funktionieren.”
Das sagt der VVV
Der VVV sieht das mit der Einfachheit anders. Von vielen Busfahrern seien auch sehr positive Rückmeldungen gekommen, zum Beispiel zur vereinfachten Ticketausgabe aufgrund der verschlankten Bedienoberfläche. Die Benutzung des Online-Tariffinders wird als “einfach und bequem” beschrieben.
Die Ticketautomaten im Bus seien mit einem Sticker ausgestattet worden, der zu dem Tariffinder führt. “Bei der direkten Vor-Ort-Information auf der Kaufoberfläche sind wir aber noch nicht ganz dort, wo wir gerne wären. Hier arbeiten wir bereits mit Hochdruck daran, die Klarheit für die Fahrgäste noch weiter zu erhöhen.”

Außerdem will der VVV mit Nachschulungen für Busfahrer nachbessern, damit den Fahrgästen jederzeit das richtige Ticket ausgestellt wird. Während also einige Busfahrer das neue Tarifsystem kritisch beurteilen, sieht der VVV unter anderem im Umgang mit dem System aus 68 Lokal- und neun Regiozonen Verbesserungsbedarf.