Bärenstarker Teilzeit-Elektriker

Motor / 11.01.2013 • 13:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Unter Hochspannung: Unterm sportlich-schnittigen Blechkleid des 3erHybrid steckt die Kraft der zwei Motorenherzen. Fotos: vn/steurer
Unter Hochspannung: Unterm sportlich-schnittigen Blechkleid des 3erHybrid steckt die Kraft der zwei Motorenherzen. Fotos: vn/steurer

Hybrid-Dreier von BMW vollführt den Spagat zwischen Umweltauto und Sportlimousine.

bmw. Die grüne Imagepflege deutscher Autobauer hat einen neuen Vorzeigetypen namens ActiveHybrid von BMW. Das hoffnungsvolle Öko-Konzept aus Elektro- und Verbrennungsmotor haben die Bayern mittlerweile auch ihrem neuen 3er-Modell mit auf die Fahrt gegeben. Das Zwitterwesen aus einem Sechszylinder-Turbobenziner mit 306 PS und einem hybridspezifischen Achtgang-Automatikgetriebe mit integriertem 40-kW-Elektromotor – die Lithium-Ionen-Batterie ist unterm Kofferraum zwischen den Hinterrädern verbaut – ist mit einer Systemleitung von 340 PS derzeit gleichsam der potenteste Typ der Baureihe.

Mit dem „grünen Dreier“ will BMW einmal mehr bekräftigen, dass es sportlich-dynamisch und gleichzeitig auch vergleichweise sparsam geht. Tatsächlich nahm sich das Fahrerlebnis im VN-Test vom Start weg infolge der Hybridtechnik unspektakulär aus. Konkret: Bei sanfter Betätigung des Gaspedals gibt sich der Teilzeit-Elektriker als Leisetreter. Bei ausreichend vollen Akkus kann der BMW Aktive 3 bis zu 60 km/h schnell und dabei knapp vier Kilometer weit flüsterleise und rein elektrisch rollen. Immerhin: vorsichtig durch den Stadtverkehr bewegt, beruhigt der Öko-Typ so das Umweltgewissen.

Indes kann der an sich bärenstarke Dreier im flotten Blechkleid auch ganz anders, wird – wenn gefordert – in Sekundenschnelle vom Umweltauto zur Sportlimousine. Auf der Landstraße stellt sich der Benziner-Hybrid im gewählten „Sport“-Fahrprogrammmodus gerne auch als temperamentvoller Kurvenkünstler zur Verfügung. Überholmanöver sind gleichsam spielerisch mit unglaublichem Antritt möglich.

Dass der um die 1,7 Tonnen schwere Hecktriebler wegen der E-Technik an Bord fast drei Zentner mehr Gewicht zu schleppen hat als etwa der „Normalo“-335i ist im Alltagsbetrieb nicht spürbar. Das Sechszylinder-Aggregat mit einem satten Drehmoment von bis zu 450 Newtonmeter, das schon bei 1200 U/min aufgeht, garantiert jede Menge Kraft und Vortrieb in jeder Situation. Der nachhaltige Druck aufs Gaspedal schmeckt aber auch dem Öko-Dreier nur bedingt. Durchwegs flott gefahren lag der 100-km-Verbrauch im Test immer um mindestens 1,5 Liter über dem versprochenen Durchschnittswert von 5,9 Liter.

6-Zylinder-Turbo mit blauem Hybridstreifen.
6-Zylinder-Turbo mit blauem Hybridstreifen.
Permanent-Vergleichsinfo am Bordmonitor.
Permanent-Vergleichsinfo am Bordmonitor.
Positiv: jede Menge Fahrspaß durch extreme Fahrdynamik, beeindruckender Antrieb, kräftige Bremsen
Positiv: jede Menge Fahrspaß durch extreme Fahrdynamik, beeindruckender Antrieb, kräftige Bremsen
Negativ: hoher Anschaffungspreis, kein echter Öko-/Spar-Verbrauchsvorteil gegenüber Top-Diesel-Modell
Negativ: hoher Anschaffungspreis, kein echter Öko-/Spar-Verbrauchsvorteil gegenüber Top-Diesel-Modell

Fakten

» Motor/Antrieb: Reihen-6-Zylinder-TwinTurbo-Benziner/306 PS, 40-kW-E-Motor/54 PS, 450 Nm Systemdrehmoment, 8-Stufen-Automatik,

» Fahrleistung/Verbrauch: 0 auf 100 in 5,3 Sek., Spitze: 250 km/h, Verbrauch: 5,9 (139 g CO2/km) Test:7,3 l

» Preis: 55.550, Testwagen: 72.567