Vorliebe für extrakurze Überholwege

Neuer M3 ist gieriger Kurvenräuber und zugleich alltagstaugliche Sportlimousine.
bmw. Um der Auffälligkeit gleichsam die Krone aufzusetzen, haben die Macher des neuen BMW M3 kräftig in den Farbtopf gegriffen und der Sportlimousine einen dermaßen eigenwilligen Autolack – „Yas Marina Blau“ – verpasst, der einem im Auge fast schon weh tut.
Tatsächlich hätte es eine zivilere Färbelung auch getan, denn das Geschoss, das die M-GmbH, also die Motorsportschmiede von BMW, da wieder auf die Räder gestellt hat, ist so schon Hingucker genug: grimmig-giftige Front, athletisch-dominantes Heck, Schweller natürlich auch. Dazu unterstreichen die 19-Zoll-Alus und die beiden leicht prollig wirkenden doppelten Auspuss-Endrohre den prallen Auftritt.
Wer mit dem ikonenhaften Bayern-Express an Tankstelle oder Autowaschanlage aufkreuzt, erfährt dort ungeteilte Aufmerksamkeit. Und muss impulsiven Voll-krass-Typen genauso wie souveränen Sportwagenfans Rede und Antwort stehen. Jawohl, das ist der neue M3. Genau, jetzt mit 431 statt vormals 420 PS. Und richtig, mit neuem 6-Zylinder-Triebwerk und Doppelturbo. Letztlich findet auch das leicht aggressive Fauchen, das der M3-Motor von sich zu geben weiß, ein wohlwollendes Kopfnicken. So weit, so begeistert.
Im VN-Test mit dem viertürigen Mittelklasse-Modellathleten, der gegenüber dem Vorgängertyp um rund 80 auf nunmehr unter 1500 Kilogramm Kampfgewicht abgespeckt hat, durften wir erleben, dass der M3 – Entschuldigung für den frechen Vergleich – abgeht wie ein Zäpfchen. Man könnte die potente Sportlimousine austesten, indem man sie auf der benachbarten bayerischen Autobahn mit weit über Tempo 200 über die linke Spur hetzt. Aber Autobahn ist langweilig. Also haben wir vorzugsweise die Landstraße gewählt. Es ist ein wahrer Genuss, wie das Kraftpaket mit seinem extrem niedrigen Schwerpunkt auch bei forcierter Kurvenfahrt auf dem Asphalt zu kleben scheint und dabei wendig wie ein Wiesel ist. Alles geht zackig: spontane Gasannahme, im Zeitraffer agierendes Doppelkupplungsgetriebe, kraftvoll zubeißende Carbon-Keramik-Bremsen. Es macht tierisch Spaß, immer wieder diese fulminante Beschleunigung zu spüren, die Überholen zur Sekundensache macht.
Was die Laune noch steigert ist, dass der Power-Bayer sogar von praktischer Alltagstauglichkeit ist. Im M3 lässt sich zumindest zu viert vergleichsweise bequem reisen. Und Platz fürs Gepäck ist im 480-l-Kofferraum auch reichlich.




Fakten
Motor/Antrieb: Reihensechszylinder, Biturbo, 431 PS, 550 Nm/1850-5500 U/min, Hinterradantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.
Fahrleistung/Verbrauch: 0 auf 100 km/h in 4,1 Sek., Spitze: 250 km/h (abgeregelt), Verbrauch: 8,8 l (194 CO2/km), Test: 10,5 l Superplus
Preis: Grundpreis: 85.900 Euro, Testwagen: 117.613 Euro.