Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz

Motor / 11.11.2022 • 11:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der MG 4 ist der erste Elektro-Hatchback Made in China auf unseren Straßen. Werk
Der MG 4 ist der erste Elektro-Hatchback Made in China auf unseren Straßen. Werk

Mit dem MG 4 ergänzt der chinesische Hersteller Saic seine Elektropalette um einen kompakten Hatchback.

Schwrzach Mit knapp 4,29 Metern Außenlänge setzt der MG 4 exakt auf die gleiche Größenliga wie der VW Golf. Dessen Elektro-Pendant ID.3 überragt er damit sogar ein wenig, lockt bei ähnlichem Leistungsangebot aber mit deutlich geringeren Preisen: ab 32.990 beginnen die Tarife für die Standard-Variante mit 51 kW-Batterie und 170 PS, bei 38.990 endet sie für die Luxury-Version in Vollausstattung und 64 kW-Akku mit 204 PS. Die WLTP-Reichenweiten betragen 350 bis 450 Kilometer. Der doch recht eindrucksvolle Preisunterschied zum VW ID.3, der erst bei 46.320 Euro startet, lässt sich in den meisten Bereichen nicht mehr mit dem Qualitätsargument rechtfertigen – was Verarbeitung und vor allem Materialauswahl sowie Oberflächenhaptik angeht, muss der Chinese den Vergleich nicht scheuen. Auch in Leistungsempfinden, Fahrdynamik und Handling kann sich der MG problemlos messen, schon sein Gewichtsvorteil von mindestens 250 Kilo lässt ihn generell leichtfüßiger und agiler wirken. Dazu passt die sehr direkt übersetzte Lenkung.

Bunter Mix

Im Design bedient sich der MG 4 keck an aktuellen Vorbildern: Die Front würde einem Tesla alle Ehre machen, am Heck finden sich Hyundai-Zitate, beim exklusiv der Luxury-Variante vorbehaltenen Dachspoiler stand wohl ein Honda Type R Pate. Die Verstellmöglichkeiten des Fahrersitzes sind mehr als ausreichend, um für beinahe jeden die richtige Position zu finden, auf dem nicht höhenverstellbaren Beifahrersessel wird es ab 1,80 Meter Köpergröße aber schon knapp mit der Kopffreiheit. Nicht ganz glücklich ist die freischwebende Konsole positioniert – am unweigerlich dort anliegenden rechten Bein verursacht sie rasch schmerzhafte Druckstellen.

Nachholbedarf

Im Cockpit selbst herrscht der typische E-Auto-Minimalismus, nicht zuletzt wegen der auffallenden Abwesenheit von üblichen Bedien­elementen: Statt Schaltung oder Automatik-Wählhebel ein simpler Drehknopf zur Aktivierung der Fahrstufe, eine Reihe Tasten für den Direkteinstieg in die Bildschirmmenüs, Multifunktions-Knöpfe am Volant, Ende. Das Verschieben aller anderen Funktionen, etwa Klima­steuerung und Radio, in Bildschirm-Untermenüs ist dafür in Kauf zu nehmen. Beim Aufbau der digitalen Bedienung gibt es noch Nachholbedarf – er wirkt vielfach willkürlich zusammengestellt und ergänzt, wo immer Bedarf war. Eine einheitliche Struktur fehlt, dazu sind viele Touch-Felder klein und schwer lesbar beschriftet.

Klassendurchschnitt

Unterschiedliche Fahrmodi können auf dem Bildschirm ebenfalls angewählt werden, verändern die Charakteristik aber nur unmerklich. Auch im Stromkonsum spiegeln sie sich nur minimal wieder: Mit je nach Streckenprofil zwischen 15 und 19 kWh liegt der MG 4 im üblichen Verbrauchsschnitt seiner Klasse.

Vorbestellte Fahrzeuge werden bereits kurzfristig verfügbar sein, die Lieferzeit für Neuabschlüsse beträgt etwa sechs Monate. PAB

Überraschend agil und wendig, dazu in Verarbeitung und Materialauswahl auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

Das mutig gezeichnete Heck läuft kaum Gefahr, als beliebig eingestuft zu werden.
Das mutig gezeichnete Heck läuft kaum Gefahr, als beliebig eingestuft zu werden.
Die Bedienung aller Funktionen ist vollständig in Bildschirmmenüs verschoben.
Die Bedienung aller Funktionen ist vollständig in Bildschirmmenüs verschoben.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb 1 Synchron-Elektromotor, 170 bzw. 204 PS , 250 Newtonmeter ; 1-Gang-Automatikgetriebe

Fahrleistungen/Verbrauch 0 -100 in 7,7 bzw. 7,9 Sek., Spitze 160 km/h; Verbrauch: 17,0 bzw 16,0-16,6 kWH; Reichweite 350 bzw. 450 km

Preis 37.300 Euro bzw. 41.900 Euro

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