Wie der Polo für eine ganze Marke prägend war

VW hat vor 50 Jahren den Polo auf den Markt gebracht. Jetzt naht der Abschied mit Verbrennungsmotoren.
Schwarzach Mit dem Polo hat Volkswagen 1975 den Nerv der Kundschaft getroffen. „Außen klein. Innen groß“: So wurde damals um das neue Modell geworben. Nach 50 Jahren gilt das im Grunde noch immer, wenn auch in den Abmessungen über die Jahre ein paar Zentimeter dazugekommen sind. An seinen Tugenden hat sich nicht viel geändert, auch nicht an der Beliebtheit. Der Polo hat sich längst zum Bestseller der Marke entwickelt. Weltweit hat Volkswagen über 20 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert – damit hatten wohl noch nicht einmal seine Erfinder gerechnet.

Zwischen 1973 und 1975 hatte VW kräftig in eine neue Modellpalette investiert. Zuerst brachten die Wolfsburger mit dem Passat ihr damaliges Flaggschiff, es folgte der Golf und schließlich mit dem Polo ein kantiges Einstiegsmodell mit zwei Türen. Billig war der Kleinste nie, aber mit einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis, wie auch eine wachsende Fangemeinde attestierte. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Auch nach sechs Generationen und einer Vielzahl an Modellvarianten verkauft sich der Polo bestens. Mit Auszeichnungen überhäuft steht allerdings der Ruhestand bevor, zumindest für die Verbrennerversion. Der Name wird mit dem ID. Polo weiterleben. Die nächste Generation dürfte dann aber rein elektrisch vorfahren. Wir haben uns zum runden Jubiläum noch einmal den „alten Polo“ etwas genauer angeschaut. Und zwar in der Basis, also praktisch ohne viel Schnickschnack an Bord. 80-PS-Einstiegsmotor zu einem Preis von unter 20.000 Euro – kann man auch damit glücklich werden? Man kann.

Volkswagen brachte die aktuelle Modellgeneration 2017 auf den Markt und hat seither immer wieder behutsam Hand angelegt. Die letzte größere Überarbeitung erfolgte 2021. Technische Basis des Polo ist der Modulare Querbaukasten des Herstellers, der dem Kleinwagen eine Vielzahl an technologischen Errungenschaften aus höheren Fahrzeugklassen bescherte. Das war im Übrigen schon immer der Ansatz bei VW. Der Polo steht seit jeher für die Demokratisierung des technischen Fortschritts – wie der Hersteller gerne selbst sagt.
Diese Demokratisierung sah zuletzt die Einführung von serienmäßigen LED-Scheinwerfern und LED-Rückleuchten vor. Der Polo fährt seit 2021 auf Wunsch teilautomatisiert („IQ.DRIVE Travel Assist“) und verfügt auch über ein erweitertes Angebot an digitaler Mitgift wie etwa dem „Digital Cockpit“ oder dem zeitgemäßen Infotainmentsystem. Auch optisch hat VW seinen Kleinwagen in die Gegenwart transferiert. Wesentliches Merkmal ist die frische Frontansicht mit optional durchgehendem LED-Leuchtband.

Gibt es nicht in der Basis, wie wir den Polo zum Test ausgefasst haben. Auf etwas über vier Metern gibt es aber auch hier serienmäßig ein Auto, das überraschend viel Platz im Innenraum bietet. „Außen klein. Innen groß“ gilt also bis heute. Praktisch sind die fünf Türen und ein ordentliches Gepäckabteil, das 351 Liter Ladevolumen erweiterbar auf 1125 Liter bereitstellt. Mit wenigen Ausnahmen wirken die verarbeiteten Materialien im Innenraum sehr ordentlich. Positiv: Die Bedienung gibt keinerlei Rätsel auf – einsteigen und losfahren.
Im Fahrbetrieb macht der Polo alles in allem eine gute Figur. Das Fahrwerk ist ausgewogen, Lenkung und Bremsen hinterlassen ebenfalls einen ordentlichen Eindruck. Basis-Motor ist ein 1-Liter Saugbenziner mit drei Zylindern und 80 PS Leistung. Das maximale Drehmoment: 93 Nm. Das Temperament? Gegen null. Beim Vortrieb – voll beladen und bergauf – geht dem Polo mit Minimotor schnell mal die Luft aus. Für mehr Geld gibt es größere Motoren und womöglich bereits ab nächstem Jahr den ID. Polo.
VW Polo
Motor/Antrieb 1-Liter-Saugbenziner mit 80 PS, 93 Nm; 5-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb.
Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 15,6 Sek.; 171 km/h Spitze, 5,4 l Verbrauch (Test: 5,9 l)
Preis ab 18.840 Euro; Testwagen: 19.956 Euro