AMS-Chefin: Nahost-Krieg stoppt Trendwende am Arbeitsmarkt

Ticker / 01.04.2026 • 14:13 Uhr

Die Folgen des Iran-Kriegs sind am Arbeitsmarkt noch nicht deutlich spürbar, die Konjunkturabschwächung verhindert aber die erwartete Erholung am Job-Markt. Die angekündigte Trendwende werde vom Krieg in Nahost gestoppt, sagte AMS-Vorständin Petra Draxl. Im März hat sich noch der Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt. Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer stieg um 0,9 Prozent auf rund 400.600. Die Zahl der arbeitslosen Männer sank erstmals seit 2023.

Einen Anstieg der Arbeitslosigkeit gab es hingegen bei Frauen. Rückläufig war die Anzahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer im Bereich Hotellerie und Gastronomie (-3,2 Prozent), Bau (-2,7 Prozent), Arbeitskräfteüberlassung (-1,6 Prozent) und Verkehr/Lagerwesen (-0,7 Prozent). Ein Arbeitslosenplus gab es im Gesundheits- und Sozialwesen (+10,6 Prozent) und Handel (+4,6 Prozent) sowie bei der Warenerzeugung (+0,9 Prozent). Der Anstieg im Handel und im Gesundheitswesen sei auch mit ein Grund für die gestiegene Arbeitslosigkeit bei Frauen, erklärte Draxl im “Ö1-Mittagsjournal”. Beides seien klassische Frauenbranchen. Insgesamt stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent.

Stärkster Arbeitslosenrückgang in Kärnten, höchster Anstieg in Niederösterreich

Einen Rückgang bei Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern verzeichnete Ende März Kärnten (-4 Prozent) sowie Wien und Oberösterreich (jeweils -0,6 Prozent). Den höchsten Anstieg verzeichnete Niederösterreich (+5 Prozent), gefolgt von Vorarlberg (+4,3 Prozent) und Steiermark und Burgenland (jeweils +3 Prozent). Deutlich geringer fiel das Plus bei Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern in Tirol (+0,6 Prozent) und Salzburg (+0,5 Prozent) aus.

In Wien ist die Zahl der als arbeitslos vorgemerkten Asylberechtigten bzw. subsidiär Schutzberechtigten im März deutlich zurückgegangen. Laut AMS-Wien-Chef Winfried Göschl waren im März 29.000 Personen mit Asylstatus oder subsidiärem Schutz vorgemerkt. Das waren um 14,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Konstant blieb mit rund 5.000 nur die Zahl der arbeitssuchenden Vertriebenen aus der Ukraine, was laut AMS daran liegt, dass hier immer wieder neue Personen dazukommen. Ein Plus bei den Arbeitsaufnahmen zeigt sich laut Göschl bei beiden Gruppen.

AMS-Chefin: “Kein klarer Trend am Arbeitsmarkt”

“Wahrscheinlich ist es angesichts der weltpolitisch angespannten Lage, steigender Ölpreise und zurückgenommener Konjunkturprognosen kein Wunder, dass sich am Arbeitsmarkt derzeit kein klarer Trend abzeichnet”, kommentierte AMS-Vorständin Draxl die aktuellen Arbeitsmarktdaten laut Aussendung. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs seien darin aber noch nicht abgebildet, das könnte demnächst der Fall sein. Steigende Energiepreise wirkten sich auf die gesamte Wirtschaft aus, früher oder später werde das auch in Bereichen wie dem Tourismus ankommen. “Dann ist es nicht absehbar, was uns hier noch erwartet”, ergänzte sie im ORF-Radio.

Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) verwies auf die aus ihrer Sicht positive Entwicklung bei der Beschäftigung älterer Menschen. “Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass längeres Arbeiten attraktiv und möglich bleibt”, erklärte Schumann in einer Aussendung. Gleichzeitig müssten “Unternehmen in die Pflicht genommen werden, ältere Menschen einzustellen und im Erwerbsleben zu halten”.

Offene Stellen gesunken

Die schwache Wirtschaftsentwicklung macht sich auch bei den Stellenanzeigen bemerkbar. Die von den Unternehmen an das AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,8 Prozent auf 74.500. Insgesamt gibt es aber mehr verfügbare Jobs. Der ÖVP-Wirtschaftsbund erfasst in seinem Stellenmonitor alle Jobportale und verzeichnete über 163.000 offene Stellen.

Viele Maßnahmenvorschläge für Arbeitsmarkt

Für die Wirtschaftskammer sind nun “Beschäftigungsanreize dringender denn je”, weil Babyboomer zunehmend in Pension gehen und weniger junge Leute auf den Arbeitsmarkt nachrücken. Die Industriellenvereinigung (IV) pochte erneut auf eine schnelle Umsetzung der Industriestrategie und eine “spürbare Lohnnebenkostensenkung”. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) drängt auf mehr Investitionen “in Qualifizierung und Weiterbildung für Arbeitnehmer:innen”. Die Arbeiterkammer erneuerte ihre Forderung nach einer “existenzsichernden Arbeitslosenversicherung”. Die FPÖ forderte “eine massive Standortoffensive, Steuerentlastungen und einen konsequenten Kampf gegen die illegale Massenzuwanderung”.