Weniger Jugendliche arbeitslos, aber starker Anstieg bei Arbeitnehmern über 50

Markt / 02.03.2026 • 10:35 Uhr
Beim Arbeitsmarktservice (AMS) in Vorarlberg arbeiten 280 Mitarbeiter in verschiedensten Bereichen.  ams
Beim Arbeitsmarktservice (AMS) in Vorarlberg sind derzeit fast 11.500 Personen ohne Arbeit gemeldet. AMS

Am Vorarlberger Arbeitsmarkt ist von Entspannung nichts zu spüren. Gegenüber dem Februar 2025 stieg die Zahl der Beschäftigungslosen um 7,2 Prozent.

Bregenz Ende Jänner 2026 waren 11.474 Personen beim Arbeitsmarktservice Vorarlberg arbeitslos vorgemerkt. Dies entsprach einem erneuten Anstieg: 767 Personen mehr als vor einem Jahr sind arbeitslos, das sind 7,2 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich auch die Anzahl der Personen in einer Ausbildung oder Qualifizierung um sieben Personen (-0,3 Prozent) auf insgesamt 2652. 44,2 Prozent oder 302 Personen mit einem Berufswunsch im Baugewerbe hatten eine Einstellzusage für die kommenden Wochen. Zum Stichtag 29. Februar gibt es 270 sofort verfügbare offene Lehrstellen, was einem Rückgang von 53 Lehrstellen oder 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Aber auch die Anzahl der Lehrstellensuchenden reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 13 oder 4,4 Prozent auf insgesamt 283 Personen. Fast die Hälfte, nämlich 48,1 Prozent oder 5520 Personen, konnten als höchste abgeschlossene Ausbildung einen Pflichtschulabschluss vorweisen.

Weniger Jugendliche arbeitslos, aber starker Anstieg bei Arbeitnehmern über 50
AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter macht sich große Sorgen um arbeitslose Personen der Altersgruppe 50 plus: Es braucht jetzt verstärkte Anreize für Betriebe, erfahrene Arbeitskräfte zu halten und einzustellen.”

“Der Arbeitsmarkt zeigt derzeit ein differenziertes Bild: Während wir bei jungen Menschen eine erfreuliche Entspannung sehen, verzeichnen wir bei Personen über 50 Jahren einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit”, informiert AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter über die aktuellen Entwicklungen. “Insgesamt bleibt das Niveau weiterhin hoch”, so Bereuter. Ein Lichtblick sei die Entwicklung bei Jugendlichen unter 25 Jahren. Die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe ist im Jahresvergleich um 5,8 Prozent auf 1411 zurückgegangen.

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“Strukturelle Anreize”

Die Schattenseite: Der deutliche Anstieg bei arbeitslosen Personen der Altersgruppe 50 plus um 16,2 Prozent. “Das ist kein kurzfristiger Effekt, sondern ein Hinweis struktureller Herausforderungen. Es braucht jetzt verstärkte Anreize für Betriebe, erfahrene Arbeitskräfte zu halten und einzustellen”, betont der AMS-Geschäftsführer. Um gegenzusteuern, setze das AMS auf individuelle Beratung und eine enge Kooperation mit den Betrieben. Ein zentrales Instrument ist die Aktion 55+, die Betriebe mit einer Lohnkostenförderung bei der Einstellung und Einarbeitung arbeitsloser Menschen ab 55 Jahren unterstützt. “Unser Ziel ist es, allen Altersgruppen faire und nachhaltige Beschäftigungschancen zu ermöglichen.” Besonders stark ist der Anstieg bei Frauen über 60 Jahre – hier gab es einen Anstieg von 60,4 Prozent oder 93 Personen gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 247. Dies sei zu einem großen Teil auf die Anhebung des Pensionsantrittsalters zurückzuführen, erklärt Bereuter.

Lichtblick Einstellungszusage

Ein Lichtblick: Aktuell haben 1230 Personen eine Einstellzusage. Dies entspricht 10,7 Prozent aller vorgemerkten Arbeitslosen. Gegenüber dem Vorjahr reduzierte sich die Anzahl der Personen mit Einstellzusage allerdings um 108. Rückgänge gab es in der Nahrungsmittelherstellung (-20) sowie bei den Grafikerinnen und Grafikern (-14), Zuwächse bei den Büroberufen (+199), den Fremdenverkehrsberufen (+131), den Hilfsberufen (+86) sowie bei Reinigungsberufen (+73).

Keine Entspannung in Sicht

Österreichweit stieg die Zahl an vorgemerkten Arbeitslosen auf 357.518, was einem Anstieg von 10.094 Personen oder 2,9 Prozent im Vorjahresvergleich entsprach. Mit 6,1 Prozent hat Vorarlberg die drittniedrigste Arbeitslosenquote (Österreich 8,3 Prozent). Nur Tirol (4,4 Prozent) und Salzburg (4,8 Prozent) schnitten besser ab. Vorläufig dürfte es keine Entspannung geben, wie die Zahlen des AMS Vorarlberg zeigen: Erwähnenswerte Zuwächse an offenen Stellen gab es nämlich in keiner Berufsgruppe. Im Gegenteil: Rückgänge gab es in den Metall- und Elektroberufen (-169), den Gesundheitsberufen (-124) sowie den Verkehrsberufen (-83).