Ärzteangebot im Kleinwalsertal wird immer dünner

05.04.2024 • 14:19 Uhr
Ärztehaus Kleinwalsertal
So sehen die neuen Pläne für das Ärztehaus Kleinwalsertal aus. TOBIAS FRITZ

Gemeinschaftspraxis scheiterte. Das Kleinwalsertal hat bald nur noch einen Hausarzt.

Mittelberg Datiert ist das Schreiben mit 1. April 2024. Doch von wegen Aprilscherz: Es enthielt eine eher unerfreuliche Nachricht: Lukas Fritz, einer von zwei Allgemeinmedizinern im Kleinwalsertal, informierte darin seine Patienten über die Verlegung der Hausarztpraxis nach Oberstdorf, wo er ab 1. Juli ordinieren wird. Als Grund gibt er das erfolglose Bemühen um die Etablierung einer Gemeinschaftspraxis an. Damit ist im Kleinwalsertal nur noch eine Kassenstelle besetzt. Bewilligt wären insgesamt vier. Bürgermeister Andi Haid bedauert den Abgang des Mediziners, die Planungen zum Bau des Ärztehauses würden, wie von der Gemeindevertretung beschlossen, jedoch unabhängig von dieser Entscheidung weitergeführt. Haid hofft, dass das Interesse eines Arztes, der sich über das Social Recruting der Gemeinde gemeldet hat, in einem nachhaltigen Engagement mündet.

Ärzteangebot im Kleinwalsertal wird immer dünner
Bürgermeister Andi Haid will die Bemühungen um Ärzte für das Tal verstärken.

Rückzug überraschte

Für Lukas Fritz, der seit 2019 eine Ordination für Allgemeinmedizin in Hirschegg betreibt, kommt das Bemühen zu spät. Immer wieder habe er versucht, die ärztliche Versorgung im Rahmen einer Gemeinschaftspraxis sicherzustellen. Ende 2020 sowie an Ostern 2023 kamen ihm jedoch mögliche Partner abhanden. Dem Schreiben zufolge haben beide aufgegeben, weil, wie es wörtlich heißt, „wir bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten wiederholt auf unüberwindliche Hürden gestoßen sind“. Nach einem weiteren Jahr erfolgloser Suche nach einer Ärztepartnerschaft hat Fritz jetzt ebenfalls das Handtuch geworfen. Er werde aber auch in Oberstdorf Patienten aus dem Tal zur Verfügung stehen, so die versöhnliche Botschaft. Für Bürgermeister Andi Haid kommt der Rückzug überraschend, wie er im VN-Gespräch sagt. Bei der Gemeindevertretungssitzung im März hatte er noch ein Schreiben der Ärzte vorgelesen, in dem sie von einer enormen Belastung und einer dringend nötigen Entlastung berichteten. „Die ist leider nicht gelungen, und die eingetretene Entwicklung nicht gut“, räumt Haid ein. Er betont auch das starke Bestreben um eine rasche Nachfolge.

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Bis das projektierte Ärztehaus bezugsfertig ist, sollen Übergangslösungen interessierte Mediziner in die Talschaft bringen und dort halten. Das Ärztehaus selbst soll, wie vorgesehen, Platz für vier Ärzte beinhalten. Haid nennt es eine in die Zukunft gerichtete Planung. Ziel müsse es sein, alle vier Vertragsarztstellen zu besetzen, verweist der Gemeindechef auf 5000 Einwohner, 10.000 Urlaubsbetten und viele Tagesgäste.

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Das Kleinwalsertal ist als Urlaubsort bei in- und ausländischen Gästen gefragt. RINNHOFER

aks soll wieder mit ins Boot

Laut dem Bürgermeister wird das Ärztehaus nun doch mit dem Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) realisiert. Wie berichtet, sorgte ein mögliches Engagement bzw. der Ausstieg des Gesundheitsdienstleisters aus dem Projekt für teils heftige Diskussionen. Bei einer Sitzung der Gemeindevertretung im März wurde dann einstimmig der Beschluss gefasst, nochmals Gespräche mit dem aks zu führen. Für Joachim Fritz von der Walser Liste ist die Auftragsvergabe an den aks ein Gebot der Stunde: „Wir müssen mit dem Ärztehaus schnellstens in die Umsetzung kommen.“ Es gehe um die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in der Talschaft. „Nicht mehr und nicht weniger“, moniert Fritz. Aks-Geschäftsführer Georg Posch erklärt, man sei gerne beim Strategieprozess behilflich, benötige zuerst aber ein genaues Konzept. Erfreulich: Auch bei ihm haben sich Ärztinnen und Ärzte gemeldet, die Interesse an einer Niederlassung im Kleinwalsertal zeigen. Gesprächstermine sind schon vereinbart.