Im Notfall stets zur Stelle

Carola Müller ist Expertin in Notfallpflege im Krankenhaus und Rettungssanitäterin.
Feldkirch Im Kalender reiht sich Thementag an Thementag. Die Palette reicht von skurril über bedeutungslos bis hin zu wirklich wichtig, zu Anliegen, die sensibilisieren möchten. Zu Letzteren zählt der „Internationale Tag der Notfallmedizin“, der am kommenden Montag ansteht. Dabei geht es nicht nur darum, auf die Leistungen der Notfallmedizin aufmerksam zu machen, sondern auch auf deren Herausforderungen. Die sind unter anderem in einer steigenden Zahl von Krankentransporten begründet. „Im vergangenen Jahr verzeichnete allein der Samariterbund für den Bezirk Feldkirch insgesamt 14.603 Einsätze, ein Plus von 464 im Vergleich zu 2022, aber nur 4170 davon waren echte Notfallausrückungen“, verdeutlicht Carola Müller. Die 35-jährige diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin sieht den Tag der Notfallmedizin als eine Möglichkeit, die Sinne für einen bewussteren Umgang zu schärfen, denn: „Es kann lebensrettende Maßnahmen an anderer Stelle erschweren und blockieren.“

Wichtige Kommunikation
Die Rettungssanitäterin weiß, wovon sie spricht. Als stellvertretende Stationsleiterin der interdisziplinären Notfallambulanz im Landeskrankenhaus Feldkirch ist Carola Müller täglich mit Aufgaben der Notfallpflege befasst. Sie wird auch beim heutigen LKH-Notfall-Symposium ihre Expertise beisteuern. „Wir haben in Vorarlberg ein großartiges Rettungssystem“, lobt sie das aufeinander abgestimmte Geflecht aus Spitälern, Hausärzten, Rettungsorganisationen wie Rotes Kreuz und Samariterbund sowie „First Respondern“, also ausgebildeten Ersthelfern bei medizinischen Notfällen. „Veranstaltungen wie das Notfallsymposium tragen auf besondere Art und Weise dazu bei, die einzelnen Glieder in der Rettungskette noch besser kennen und verstehen lernen“, ergänzt Müller. Es ist letztlich eine reibungslos funktionierende Kommunikation, die das Rad der Notfallversorgung am Laufen hält.

Carola Müller interessierte der Gesundheitsbereich schon immer. Sie entschied sich für eine Diplomausbildung in der Pflege. Seit 2011 ist sie im LKH Feldkirch beschäftigt. „Zuerst arbeitete ich auf der Bettenstation, dann brauchte ich einen Wechsel“, erzählt Müller. Sie bewarb sich für die Notfallambulanz und gibt nun dort jeden Tag ihr Bestes. Die Arbeit gefällt ihr, weil mit Abwechslung und reichem Wissenszuwachs verbunden. Beim Samariterbund bringt sie ihre Kenntnisse seit 17 Jahren ein. Zur Rettungsorganisation kam sie über Kollegen, die ihr davon erzählten. Carola Müller absolvierte die Sanitätsausbildung, engagiert sich zusätzlich im Vorstand und ist im Schulungsteam mit Erste-Hilfe-Kursen aktiv. Die ehrenamtlichen Einsätze passt sie dem Dienstplan im Spital an. „Das geht sich ganz gut aus“, sagt sie schmunzelnd.

Absurde Situationen
Dass Rotes Kreuz und Samariterbund seit 2014 im Bezirk Feldkirch eine gemeinsame Dienststelle haben, bezeichnet Müller als Erleichterung gerade bei größeren Ereignissen: „Es ist von Vorteil, alle Seiten zu kennen, zumindest aber gut informiert zu sein, um die jeweiligen Arbeitsabläufe besser zu verstehen und in Stresssituationen bestmöglich reagieren zu können“. Auch die präklinische Notfallmedizin, das ist jene, die vor dem Krankenhaus kommt, stelle für Beteiligte eine hohe fachliche und menschliche Herausforderung dar, körperlich wie psychisch. Carola Müller weiß ebenso von absurden Situationen zu berichten: „Wir rücken aufgrund eines Anrufs mit Blaulicht und Notfallteam aus, um schlussendlich einen Patienten abzuholen, der bereits mit säuberlich gepackten Köfferchen im Hauseingang steht.“ Das sei natürlich nicht im Sinne des Erfinders, weil es unnötig Ressourcen binde, die möglicherweise gleichzeitig anderswo gebraucht würden. Sie hofft auf ein nachhaltiges Einsehen bei allen, die das heikle Thema betrifft.

Notfälle belasten selbst im Aushalten geschulte Menschen. Gespräche im Team am Ende eines Tages sieht Carola Müller deshalb als wichtig an. Auf diese Weise kann sie die Arbeit ruhigen Gewissens dort lassen, wo sie hingehört, an ihren Arbeitsstellen.
Zur Person
Carola Müller
Alter: 35
Beruflicher Werdegang: Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin, Sonderausbildung in Notfallpflege, stellvertretende Stationsleiterin der Interdisziplinären Notfallambulanz im LKH Feldkirch, Rettungssanitäterin und im Vorstand des Samariterbunds
Wohnort: Hohenems
Familienstand: Partnerschaft
Hobbys: sportliche Aktivitäten, z. B. Wandern
