„In Wahrheit muss man uns Danke sagen“

Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) zu Wirtschaftskrise, Inflation und KV-Verhandlungen.
Höchst, Wien Die vergangenen Jahre war Österreich und die Welt nicht nur von Krisen verschiedenster Art geprägt, auch die Sozialpartnerschaft wurde auf die Probe gestellt. Das berühmte österreichische Erfolgsmodell, das die zweite Republik begleitete, scheint „so notwendig wie schon lange nicht“ oder ist „ein Modell von gestern, das heute keine Relevanz mehr hat“ – je nachdem mit wem man spricht.
“Die Teuerung abdecken”
Dass die Sozialpartnerschaft überhaupt in den Fokus geriet, ist den Auseinandersetzungen der „Partner“ in den vergangenen Jahren geschuldet. Streikdrohungen, Streiks, Betriebsversammlungen und unflätige Beschimpfungen dominierten die Verhandlungsrunden zu den diversen Kollektivverträgen. Das Ergebnis war dann doch so, wie die Gewerkschaften es sich wünschten: Lohnsteigerungen im zweistelligen Bereich haben, so Barbara Teiber, beim Gespräch mit den VN anlässlich ihres Vorarlberg-Besuches, den Arbeitnehmern geholfen „die Teuerung abzudecken“. Was laut der gelernten Gewerkschafterin nicht auf die Kappe der Arbeitnehmervertreter geht, ist die Inflation an und für sich bzw. die derzeitige Wirtschaftskrise und die abnehmende Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Österreich. „Die Gewerkschaften haben viele Vorschläge gemacht, doch die Regierung hat sich taub gestellt.“

Im Gegenteil: „In Wahrheit muss uns die Regierung dankbar sein, dass wir die Kaufkraft erhalten haben“, so Teiber. „Hätte man in die Preise eingegriffen, wie es andere Regierungen getan haben, wäre die Inflation nicht so hoch gestiegen“, Förderungen und Einmalzahlungen seien definitiv der falsche Weg gewesen, schreibt sie der schwarz-grünen Regierung ins Stammbuch. Und selbstredend sollen dafür nicht die Arbeitnehmer den Preis zahlen. Und auch für die Zukunft sieht Teiber mit dieser Regierung schwarz: „Wir haben eine Transformation, die für den Standort wichtig ist und jetzt fehlt dafür das Geld“, klagt sie und kritisiert auch, dass „viel Steuergeld in die Überförderung von Unternehmen“ geflossen sei. Jetzt müsse man in Forschung investieren, die Infrastruktur wieder auf Stand bringen.
Arbeitszeit bleibt Thema
Vom Wehklagen der Unternehmerverbände, dass Österreich wegen hoher Lohnstückkosten ins Abseits driftet, lässt sich Teiber nicht beeindrucken, bei den KV-Verhandlungen werde man auch heuer die rollierende Inflation zum Maßstab nehmen. Darunter gehe nichts, stellt sie klar. „Die Beschäftigten müssen von ihrem Einkommen leben können“. Und das auch, wenn nach den Wünschen von GPA-Chefin und natürlich vieler Mitglieder, die 32-Stunden-Woche durchgesetzt werden könnte. An dieser Forderung hält Teiber fest: „Die Arbeitszeit ist in allen Bereichen ein Thema“, besonders dringlich sei aber eine Reduzierung der Arbeitszeit im Bereich Betreuung, aber auch im Handel. Ein Mittel zum Zweck könnte auch für die Arbeitnehmervertreterin die künstliche Intelligenz sein, so sie die Arbeit und das Leben der Menschen besser mache. Doch zuerst müsse der Einsatz geklärt werden, auch der Datenschutz sei ein Thema und „am Schluss müssen letzte Entscheidungen immer von Menschen getroffen werden“.

Lohnnebenkostenkürzungen wie die Arbeitgeber sie fordern ist hingegen ein No-Go für Teiber: „Netto vom Brutto ist eine Lüge“, vergisst sie für einmal, dass man Sozialpartner ist. Mit den Lohnnebenkosten finanziere man nämlich gemeinhin alles, was den Sozialstaat ausmache – vom Arbeitslosengeld bis zu Spitalskosten, „es ist traurig, dass sich die Arbeitgeber dem entledigen wollen“. Daran stoße sich, so Teiber, nicht nur die Gewerkschaft, sondern immer mehr Menschen. Auch in Vorarlberg. „Die Landesgruppen in Vorarlberg und Tirol sind prozentuell am stärksten gewachsen“. Der Zuspruch sei größer geworden, es scheine sich was zu verändern freut sie sich über 500 neue Mitglieder im Land.