„Krankheit wird vom Tisch gewischt“

30.08.2024 • 14:41 Uhr
ABD0006_20211121 – STUTTGART – DEUTSCHLAND: PRODUKTION – 17.11.2021, Baden-WŸrttemberg, Stuttgart: Eine Krankenpflegerin versorgt in einem Patientenzimmer eines abgetrennten Bereichs fŸr Covid-19 Patienten einer Intensivstation des Klinikum Stuttgart, einen Covid-19-Patienten, der im kŸnstlichen Koma liegt und beatmet wird (Aufnahme mit Zoomeffekt). (zu dpa “Auf der Corona-Intensivstation”) Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. – FOTO: APA/dpa/Marijan Murat
So diffus wie dieses Symbolfoto sind die Symptome der genannten Erkrankungen. Entsprechend schwierig ist derzeit die Behandlung. APA Marijan Murat

Verein will auf Unzulänglichkeiten bei ME/CFS und Long Covid aufmerksam machen.

Schwarzach Innsbruck Die Pandemie ist mehr oder weniger Geschichte. An den Folgen leiden viele Menschen hingegen immer noch und das zum Teil sehr massiv. Es geht um die Erkrankungen ME/CFS bzw. Long Covid. Hilfe zu bekommen erweist sich oft als schwierig. „Es gibt weder Diagnose- noch Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Walter Reinmüller, stellvertretender Obmann des Vereins „Interessengemeinschaft Soziale Absicherung für Erkrankte“ (IGSAFE). Das größte Problem bestehe aber in der mangelnden sozialen Absicherung von Betroffenen.

Unbekannt und unerforscht

Zwar gibt es laut Reinmüller inzwischen ein Positionspapier, das alle Notwendigkeiten beinhaltet, und Bundesmittel zur Schaffung der nötigen Strukturen, daraus etwas zu machen sei jedoch Ländersache, und da gehe nichts weiter. Um das Thema breiter in die Öffentlichkeit zu bringen, veranstaltet der Verein in allen Bundesländern sogenannte Runde Tische. „Ziel wäre es, gemeinsame Lösungen zur Verbesserung zu erarbeiten, sowohl im Bereich der Diagnostik als auch der Behandlung und Versorgung“, erläutert Walter Reinmüller im VN-Gespräch.

Walter Reinmüller
Walter Reinmüller

Long Covid beschreibt gesundheitliche Langzeitfolgen nach einer Covid-19 Erkrankung. Häufige Symptome sind Kurzatmigkeit, Erschöpfung, verminderte Leistungsfähigkeit sowie Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme. Die Symptome können jedoch sehr verschieden sein. Ab 12 Wochen Krankheitsdauer wird vom Post-Covid-Syndrom gesprochen. Bei ME/CFS, der myalgischen Enzephalomyelitis bzw. dem Chronischen Fatigue Syndrom, handelt es sich um eine chronische Multisystemerkrankung, die je nach Ausprägung zu schweren körperlichen Einschränkungen, Arbeitsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit führen kann. ME/CFS ist noch wenig bekannt, unzureichend erforscht, und es gibt kaum bis gar keine Therapien. Behandeln lassen sich lediglich die Symptome. „Viele Betroffene fallen zudem durch das soziale Netz. Sie müssen zu Wahlärzten, was auf Dauer eine enorme finanzielle Belastung bedeutet“, berichtet der Tiroler.

Auf der „Psycho-Schiene“

Er selbst ist zwar nicht betroffen, aber seine Lebensgefährtin. Walter Reinmüller berichtet von 16 Gutachten in zwei Jahren, doch nichts sei passiert. „Die Krankheit wird einfach vom Tisch gewischt“, ärgert er sich. Dabei gehen Fachleute von rund 80.000 Betroffenen allein in Österreich aus. Ihn grämt überdies, dass die Symptome häufig auf die „Psycho-Schiene“ abgeschoben würden. Ebenso weiß Reinmüller, dass die Arbeit des Vereins ein Bohren in harten Brettern ist, aber: „Jemand muss zum Bohren anfangen.“ Kämpferisch fügt er an: „Wir werden so lange Staub aufwirbeln, bis sich die Verantwortlichen bewegen.“ Auch bei Ärzten sieht er noch Nachholbedarf, was das Bewusstsein für diese Erkrankungen betrifft. In Vorarlberg fand der Runde Tisch am Donnerstagabend in Schloß Hofen statt. Abgesagt hat unter anderem allerdings Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Sie habe einen vollen Terminkalender und Betroffene zudem zu einem Austausch Ende Oktober eingeladen, ließ sie die Organisatoren wissen.

Weitere Infos zur Interessengemeinschaft unter www.igsafe.at