Einbahnstraße in die Fachambulanzen hat ausgedient

Am LKH Bregenz geht am Dienstag das erste Erstversorgungsambulatorium (EVA) in Betrieb.
Bregenz Von der Anmeldung direkt in die Fachambulanz: Am Landeskrankenhaus Bregenz spielt sich das künftig nicht mehr. Dort eröffnet, wie die VN berichteten, am 1. Oktober 2024 ein sogenanntes Erstversorgungsambulatorium (EVA). Dabei handelt es sich um eine den Fachambulanzen vorgelagerte Ordination, in der Patienten ohne Termin nach international etablierten Regeln von diplomiertem Pflegepersonal erstbegutachtet werden. Je nach Einstufung der Dringlichkeit, die von sofort bis zu einer Wartezeit von zwei Stunden reicht, nimmt sich dann ein Allgemeinmediziner der Sache an. Von dieser Maßnahme erhoffen sich die Verantwortlichen eine bessere Patientenlenkung und Entlastung des Krankenhauspersonals.
ÖGK finanziert mit
Beides tut not, wie die Ambulanzzahlen belegen. Allein am LKH Bregenz wird für heuer mit 120.000 Ambulanzfrequenzen gerechnet. Auf alle Spitäler bezogen sind es rund 500.000. Der offene Zugang zu den Spitälern mache es schwierig, die Ambulanzzahlen herunterzubringen, sagte Landeshauptmann Markus Wallner bei der Vorstellung des Projekts am Freitag. Das EVA sei die richtige Antwort auf diese Herausforderung. Deshalb gibt es schon konkrete Ausbaupläne für die übrigen Krankenhausstandorte. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher will das EVA nicht als offene Einladung verstanden wissen: „Ein Kaugummi im Haar oder ein abgebrochener Nagel sind kein Grund, eine Spitalsambulanz aufzusuchen“, stellte sie klar. Immerhin zwei Drittel der Patienten gehören dort nämlich gar nicht hin. Es geht insgesamt darum, Patienten rasch an die richtige Versorgungsstelle im Gesundheitssystem zu leiten. In diesem Zusammenhang kündigte Rüscher den weiteren Ausbau der Gesundheitshotline 1450 an. Ihr Credo: „Digital vor ambulant vor stationär.“ Erfreut zeigte sie sich über die Mitfinanzierung der Personalkosten durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK). Deren Landesstellenausschussvorsitzender Christoph Jenny hob die bessere Versorgung für die Versicherten vor allem durch die Öffnungszeiten an Wochenenden und Feiertagen sowie in den Abendstunden hervor. Für die ÖGK würden jedoch die Ärztinnen und Ärzte in der Niederlassung die Kernansprechpartner bleiben.

Lehrambulatorium geplant
Am LKH Bregenz wird die Idee, dringende von nicht dringenden Fällen herauszufiltern, bereits seit 12 Jahren praktiziert. Dieses Konzept nannte sich Ambulante Ersteinschätzung (AEE). „Mit dem Erstversorgungsambulatorium haben wir das System nun auf eine neue Ebene gehoben und gut in den Krankenhausbetrieb eingegliedert“, erklärte Chefarzt Primar Christian Huemer. Das EVA ist unmittelbar nach dem Haupteingang situiert. Diese Empfehlung nahm Huemer von bestehenden Projekten in Wien mit. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Sonntag 8 bis 22 Uhr. Zu Beginn arbeiten drei Allgemeinmediziner mit, im Vollausbau werden es sechs sein. Interessierte Turnusärzte gebe es bereits, zudem Pläne, das EVA als Lehrambulatorium zu etablieren. Im EVA nicht behandelt werden Säuglinge, Schwangere, Patienten mit bekannten psychiatrischen Erkrankungen sowie Unfallopfer. Ebenso wenig gibt es Wiederbestellungen und Kontrolltermine.