Leben mit der Liebe zum Schicksal

Nadine möchte eine Selbsthilfegruppe für Stoma-Betroffene gründen.
Frastanz Colostoma ist der medizinische Fachbegriff für das, was Nadine (37) seit vier Jahren wortwörtlich mit sich herumträgt. Nach einer komplikationsbehafteten Endometriose-Operation brauchte sie einen künstlichen Darmausgang. Die junge Frau hat ihr Schicksal akzeptiert und lässt sich davon auch nicht kleinkriegen. Was Nadine allerdings vermisst ist der Austausch mit anderen Betroffenen. Deshalb möchte sie eine Selbsthilfegruppe gründen. „Es gibt einen Bedarf“, zeigt sie sich überzeugt.
Langer Leidensweg
Hinter Nadine liegt ein langer Leidensweg. Zehn Jahre plagte sie sich Monat für Monat mit einer starken Endometriose, einer schmerzhaften Erkrankung, bei der sich Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle im Bauchraum ansiedelt. Im Fall von Nadine hatte die Endometriose auch Teile des Dickdarms befallen. Die Entfernung des Gewebes erfolgte laparoskopisch im Landeskrankenhaus Feldkirch. Bald danach musste die Frau wieder unters Messer. „Der Darm war undicht geworden“, erzählt sie. Nadine erhielt einen künstlichen Ausgang. In einem halben Jahr, bekam sie beschieden, sei eine Rückoperation möglich, wenngleich schwierig. Nach einem Monat im Krankenhaus wollte Nadine das OP-Risiko jedoch nicht mehr eingehen. Sie arrangierte sich mit dem künstlichen Darmausgang, kämpfte sich Schritt für Schritt zurück in den Alltag.
Wissen austauschen
Nach der Entlassung aus dem Spital ließ sie sich in Spiegelschrift die vom deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche geprägte Maxime „Amor Fati“ auf den vorderen Brustbereich tätowieren. Übersetzt heißt es „Liebe zum Schicksal“ und beschreibt den Zustand der höchstmöglichen Lebensbejahung. Der folgt auch Nadine unverdrossen. „Es geht weiter“, sagt sie bestimmt. Einschränkungen lässt sie trotz Stoma nicht gelten. Ein Jahr tingelte sie in Begleitung und mit Wohnmobil durch Europa, half dabei in Tierschutzeinrichtungen mit und genoss das Schwimmen im Meer. Bald will die Behindertenfachbetreuerin auch wieder in die Berge.
Ganz besonders am Herzen liegt ihr aber die Gründung einer Stoma-Selbsthilfegruppe: „Sich austauschen, Informationen weitergeben, das kann helfen.“ Sie selbst hat beispielsweise erst über Umwege erfahren, dass ihr ein Behindertenausweis zusteht. Solches und anderes Wissen zu teilen wäre ihr wichtig. Deshalb hofft Nadine, dass sich Betroffene für den Aufbau einer Gruppe melden. In einem weiteren Schritt sollen Flyer in Krankenhäusern und Arztordinationen aufgelegt werden.