Wenn der eigene Tod in greifbare Nähe rückt

Andreas Batlogg erkrankte 2017 an Darmkrebs. Der Jesuitenpater überlebte, ist heute krebsfrei. Am Mittwoch referiert er im Kloster Mehrerau in Bregenz.
Bregenz/Wien Der der aus Bregenz stammende Jesuitenpater Andreas Batlogg (63) erhielt im Herbst 2017 die Diagnose Darmkrebs. Geschockt fragte er sich: „Warum trifft es gerade mich.“ Der Priester haderte zunächst mit Gott. „Nach ein paar Wochen gelang es mir aber, mein Schicksal anzunehmen. Ich ergab mich und vertraute darauf, dass die Krankheit behandelbar ist.“
Der Glaube war ihm ein Trost in dieser schweren Zeit. „Er half mir, nicht aufzugeben.“ Batlogg besann sich auf Jesus. „Wir Jesuiten haben ihn zum Gefährten. Ich vertraute vollkommen auf ihn und fühlte mich von ihm getragen.“ Das Jesus-Gebet begleitete ihn in den Operationssaal. Im Zuge einer mehrstündigen OP wurde der bösartige Tumor entfernt. „Zum Glück hatte der Krebs noch nicht gestreut.“ Dennoch wurde der Ordensmann durch diese Erfahrung knallhart mit seiner Endlichkeit konfrontiert. Der eigene Tod war in greifbare Nähe gerückt. Der Geistliche ging in sich und fragte sich, „was es für mich heißt, niemals tiefer als in Gottes Hände zu fallen“. Er kam zu dem Schluss, „dass ich darauf vertrauen will, dass da jemand ist, der mich mit offenen Armen erwartet“. Seine Angst vor dem Tod hielt sich aus religiösen Gründen in Grenzen. „Der Tod hat für uns Christen nicht das letzte Wort. Wir leben ewig. Das ist die Verheißung Jesu.“
Dennoch: Unbefangen geht Batlogg nicht zu den jährlichen Nachuntersuchungen. „Ich gelte zwar als geheilt, aber die Angst schwingt mit, dass der Krebs zurückgekommen sein könnte.“ Bernd, einer seiner Mitbrüder, starb im Jahr 2021 mit 52 Jahren an Darmkrebs. „Er glaubte bis zu seinem letzten Atemzug, dass er es schaffen wird.“ Batlogg hatte mehr Glück. „Wenn ich an Bernds Grab stehe, denke ich: Hier könnte auch ich sein.“
Für ihn waren die letzten acht Jahre geschenkte Zeit. „Ich genieße das Leben mehr. Besonders wichtig sind mir Freundschaften, Beziehungen und Begegnungen geworden.“ Auch das Schreiben macht dem Autor zahlreicher Bücher wieder viel Freude. Im März erschien „Jesus glauben“, im Mai „Papst Leo XIV.“ „Schreiben ist meine Art, Dinge zu verarbeiten.“ Mitten im Behandlungsmarathon schrieb Batlogg das Buch „Durchkreuzt – mein Leben mit der Diagnose Krebs“. Darin erzählt er, wie er mit der Diagnose umging und wie er mit den Behandlungen zurechtkam.
Der Jesuit lebt heute intensiver und im Bewusstsein der Endlichkeit. Er weiß um die Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit des Lebens. „Es kann schnell aus sein.“ Die Krankheit hat ihn für den Augenblick achtsamer gemacht. „Dafür bin ich dankbar.“
Dr. Andreas Batlogg referiert im Zuge der Vortragsreihe „Mut zur Endlichkeit“ der Hospiz Vorarlberg am Mittwoch, 28. Jänner, in der Aula Bernardi im Kloster Mehrerau (ab 19 Uhr) zum Thema „Leben mit der Diagnose Krebs“. Der Eintritt ist frei.