Das bewegte Leben der Adler-Wirtin: Eine Geschichte von Liebe, Verlust und Erfüllung

Ingeburg Matt (75) erzählt aus ihrem bewegten Leben als Adler-Wirtin, geprägt von schweren Anfängen, großer Liebe und ihren unvergesslichen Kässpätzle.
Ludesch Ingeburg Matt (75) wuchs mit vier jüngeren Geschwistern am Kristberg auf. Dort verlebte sie eine schöne Kindheit. Als Jugendliche begann für sie der Ernst des Lebens. “Ich machte in Göfis eine dreijährige Lehre zur Herrenschneiderin. Diese Zeit war die schlimmste meines Lebens.” Der Lehrherr war streng und beutete sie aus. “Ich musste putzen, kochen, Rasen mähen und Laub zusammenkehren.” Sie litt unter Heimweh, denn sie durfte nur an den Wochenenden heim. Montags hieß es wieder: ab nach Göfis. “Um fünf Uhr in der Früh marschierte ich zu Fuß ins Silbertal. Von dort ging um sechs Uhr das Postauto nach Schruns. Dort stieg ich in den Zug. Ich fuhr bis nach Frastanz. Dann ging ich zu Fuß nach Göfis, eine Stunde lang. Um 9 Uhr war ich dann endlich an meiner Arbeitsstelle”, zeigt sie auf, wie lang und mühsam der Weg zur Arbeit war. Einmal ging am Kristberg eine Lawine ab. “Die Schneemassen versperrten mir den Weg, ein Durchkommen war unmöglich.”

Nach der Lehre verschlug es die Silbertalerin nach Ludesch. “Ich begann bei Welte Blusen zu arbeiten. Wir haben Blusen und Hemden genäht.” Manchmal ging die Schneiderin ins Gasthaus Adler Mittag essen. Sie verliebte sich in den Wirt Heinrich Schneider. “1972 haben wir geheiratet.” Die beiden gründeten eine Familie. Sie bekamen drei Kinder. Ingeburg arbeitete im Gasthof mit. “Zuerst habe ich bedient, dann wechselte ich in die Küche. Ich habe die Menüs zubereitet, zusammen mit einer Helferin.” Ingeburg kochte schon als Mädchen gern. “Mein erstes Gulasch habe ich mit acht Jahren gemacht.” Ihre Küche kam gut an. “Es wurden mit den Jahren immer mehr Essen.” Ihre Kässpätzle waren im Gasthaus Adler der Renner. “Ich habe im Laufe eines Jahres 100 Kilo Mehl und 100 Kilo Zwiebeln verarbeitet.” Ingeburg stemmte viel. “Es kam auch vor, dass ich Trauergesellschaften mit 140 Essen bewirtete.” Ihr Arbeitstag war lang. “Ich habe nicht nur gekocht, sondern auch geputzt und gebügelt.”

Mit der Zeit lebte sich das Wirte-Ehepaar auseinander. “1988 kam es zur Trennung. Aber ich habe im Gasthof weitergearbeitet, bis ins Jahr 2010. Dann sperrten Heinrich und ich den Adler zu.” Mit Rudi fand Ingeburg eine neue Liebe. “Ich lernte ihn im Gasthaus kennen. Er war bei uns Gast.” Nach zehn Jahren Beziehung heiratete sie ihn. Dem Paar waren 26 gemeinsame Jahre vergönnt. “Im Jahr 2013 starb Rudi in meinen Armen. Er litt an Krebs.” Rudis Tod war der schlimmste Schicksalsschlag in ihrem Leben. Ingeburg verlor auch drei Geschwister an Krebs. Besonders tragisch empfand sie den frühen Tod ihrer Schwester Brunhilde. “Sie litt an Magenkrebs und starb mit 36 Jahren von vier kleinen Kindern weg.”

Ingeburg selbst kann auf ein erfülltes Leben zurückblicken. “Es macht mich zufrieden, dass ich alle Anforderungen des Lebens gemeistert habe. Deshalb geht es mir heute seelisch gut.” Die Adler-Wirtin war so klug, dass sie sich trotz der vielen Arbeit zwischendurch auch immer Auszeiten gönnte. “Im Jänner konnte ich weg, da habe ich immer Kreuzfahrten gebucht. Diese Eindrücke, die ich von den elf Seereisen mitnahm, bleiben für immer. Die kann mir niemand mehr nehmen.” Die Reisen taten ihr gut. “Danach habe ich mich wieder aufs Arbeiten gefreut.”

Der Adler lässt sie auch heute noch nicht los. Alle 14 Tage finden dort zwei private Veranstaltungen statt. “Am Dienstag kommen die Sänger zu uns, am Mittwoch die Jasser.” Auch deshalb sorgt Ingeburg für die nötige Ordnung und Sauberkeit im Wirtshaus. “Mir ist es wichtig, dass der Adler nicht verkommt.”
