Dipl.-HTL-Ing. Karl Brüstle: Rundfunkpionier und Klanggestalter

19.02.2026 • 15:00 Uhr
Dipl.-HTL-Ing. Karl Brüstle: Rundfunkpionier und Klanggestalter

Am 11. Jänner verstarb in Dornbirn der Bauakustiker und Rundfunktechniker Karl Brüstle.privat

“value”: “.”

Von Kristina Becker

Dornbirn Über vier Jahrzehnte hat er den Aufbau des Rundfunks entscheidend mitgestaltet und als Lehrer und Berater weit über die Landesgrenzen hinaus Maßstäbe gesetzt. Karl Brüstle wurde am 15. September 1927 in Salzburg geboren. Schon früh zeigte sich seine technische Neugier: “Schon als 13-Jähriger habe ich in der Nazizeit unter Lebensgefahr einen Kurzwellenempfänger gebastelt, um aktuelle Nachrichten aus aller Welt hören zu können”, erinnerte sich Brüstle später. Nach seiner Kindheit in Salzburg übersiedelte die Familie nach Wien, da sein Vater in die Direktion der Bundesbahnen berufen worden war. Die Zerstörung der elterlichen Wohnung durch Bombenangriffe führte zur Niederlassung in Vorarlberg, dem Herkunftsland des Vaters.

Dipl.-HTL-Ing. Karl Brüstle: Rundfunkpionier und Klanggestalter

Karl Brüstle 1954 im Senderbüro in Dornbirn. Von 1951 bis 1988 war er Technischer Leiter des Senders Vorarlberg bzw. des ORF Vorarlberg.

Nach Reichsarbeitsdienst und Kriegsdienst in der Luftwaffe begann Brüstle ab 1947, unter französischer Besatzung, als Tontechniker beim Sender Vorarlberg, der im Rathaus Dornbirn untergebracht war. Parallel dazu absolvierte er seine Ausbildung an der HTL TGM in Wien mit Schwerpunkt Elektro- und Nachrichtentechnik. 1951 wurde Karl Brüstle Technischer Leiter des Senders Vorarlberg – bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1988. Er prägte den Aufbau, die Professionalisierung und die technische Weiterentwicklung des ORF-Landesstudios entscheidend mit.

Im Zuge der Rundfunkreform 1967 unter Generalintendant Gerd Bacher wurde Brüstle in jene Gremien berufen, die gemeinsam mit dem Architekten Gustav Peichl die neuen Funkhäuser in Dornbirn (eröffnet 1972), Innsbruck, Salzburg und Linz planten. Über die Aufgabenstellung des Funkhauses meinte Brüstle in einem Interview mit der “Neuen Vorarlberger Tageszeitung”: “Wesentlich war für mich auch, dass alle Räume flexibel errichtet wurden, dass man also nicht gleich mit der Spitzhacke vorzugehen gezwungen ist, wenn man an dem Haus Veränderungen vornehmen muss, um sich einer neuen Situation anzupassen.” Diese Veränderungen kamen bald, mit dem Ausbau des Funkhauses für die zunehmende Fernseh-Berichterstattung aus den Bundesländern bis hin zum eigenen Zubau für “Vorarlberg heute”.

Dipl.-HTL-Ing. Karl Brüstle: Rundfunkpionier und Klanggestalter

Eine Zeichnung des Architekten Gustav Peichl (Pseudonym “Ironimus”) würdigt Karl Brüstles Verdienste beim Bau der ORF-Funkhäuser.

Ein Angebot Bachers als Technischer Leiter des ORF lehnte Brüstle ab und entschied sich bewusst für Vorarlberg. 1987, ein Jahr vor seiner Pensionierung, übernahm er auf Bitte Peichls einen Lehrauftrag für Akustik und Bauphysik an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Von 1997 bis 2006 war er zudem Lektor an der FH Campus Wien. Parallel dazu gründete er 1987 sein eigenes Ingenieurbüro für Technische Akustik. Mehr als 400 Projekte umfasst sein Werkverzeichnis: Probebühnen für das Burgtheater und die Kammerspiele München, das Technische Museum Wien, die Bundeskunsthalle Bonn, das Städel Museum Frankfurt, das Sportzentrum der ETH Zürich, den Neubau der Konzernzentrale der HILTI AG in Schaan, die beiden Schubertiade-Säle in Hohenems und Schwarzenberg, den Löwen-Saal in Hohenems und zahlreiche kommunale Bauten.

Karl Brüstle verstand Technik nie als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung für Verständigung, Bildung und Kultur. Seit 1956 war er mit Marianne Stiller verheiratet, die nach ihrer Ausbildung am Reinhardt-Seminar als Schauspielerin und im Rundfunk tätig war und deren unverwechselbare Stimme älteren Hörerinnen und Hörern noch heute im Ohr ist. Mit ihr teilte er ein Leben, das von Kunst, Offenheit und geistiger Neugier geprägt war. Mit Karl Brüstle verliert Österreich einen Rundfunkpionier, einen herausragenden Ingenieur und einen still wirkenden Gestalter, dessen Arbeit bis heute nachklingt – in Räumen, die gehört werden.

Nachrufe in den Vorarlberger Nachrichten
Möchten Sie einen Angehörigen mit einem Nachruf würdigen? Dann kontaktieren Sie uns unter nachrufe@vn.at unter dem Betreff “Nachrufe”.
Weitere Nachrufe finden Sie hier.

Dipl.-HTL-Ing. Karl Brüstle: Rundfunkpionier und Klanggestalter

Karl Brüstle war unter anderem an der Planung der Funkhäuser Dornbirn, Innsbruck, Salzburg und Linz beteiligt.