„Man fühlt sich bedroht“: Wenn der Spaziergang zum riskanten Unterfangen wird

Arthur Stauber fordert nach Unfallserie mehr Bewusstsein und strengere Kontrollen.
Lochau Mindestens acht Fußgänger sind allein seit Jahresbeginn in Vorarlberg auf Schutzwegen von einem Auto angefahren worden. Acht Prozent der Autofahrer hielten bei einer Feldstudie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) nicht an, obwohl die Fußgänger deutlich signalisierten, dass sie den Schutzweg überqueren wollen (die VN berichteten). Arthur Stauber weiß, wie sich das anfühlt. Der Versicherungsmakler ist dreimal täglich mit seinem Hund Bono (3) in Lochau unterwegs. Er sagt: „Straßenquerungen und überhaupt Spaziergänge sind sehr oft mit einem hohen Risiko verbunden. Es macht einfach keinen Spaß, wenn du das Gefühl hast, unter ein Auto zu kommen. Ich fühle mich bedroht und es ist gefährlich.“ Um auch bei schlechter Sicht, Regen oder Dunkelheit gesehen zu werden, hat er sich eine leuchtend gelbe, reflektierende Warnschutzjacke zugelegt; auch Bono trägt um den Hals eine Beleuchtung.

Offiziellen Zahlen zufolge sind in Vorarlberg im Vorjahr 226 Fußgänger im Straßenverkehr verletzt worden; rund 30 Prozent der Unfälle passieren in der Regel auf Schutzwegen, die meisten davon auf ungeregelten Schutzwegen. Die Dunkelziffer ist laut KfV relativ hoch. Ihm gehe es nicht darum, Autofahrer pauschal schlechtzumachen, betont Arthur Stauber, sondern um Bewusstseinsbildung. „Es ist nicht jeder Autofahrer so“, unterstreicht er. „Den Menschen ist aber oft nicht bewusst, dass das Auto eine Waffe ist. Ich habe schon das Gefühl, dass der Hausverstand etwas stirbt. In einem Auto fühlt man sich sicher, aber der, der draußen steht, ist es halt nicht.”

Der Lochauer beobachtet Autofahrer, die schlichtweg keine Lust haben stehen zu bleiben; andere würden einfach durchfahren, wenn man als Fußgänger nicht sofort losgeht, und viele seien sowieso zu schnell unterwegs. Das Grundproblem liegt für ihn aber auf der Hand: Ablenkung. „Es ist erschreckend, wie viele beim Autofahren telefonieren, Nachrichten schreiben oder essen“, schildert er und nimmt dabei auch die Behörden in die Pflicht: „Es wird zu wenig kontrolliert, auch das Tempolimit nicht. Ich sehe jedenfalls nie einen Polizisten auf der Straße, aber das wäre präventiv. Meiner Meinung nach sollte eine Strafe für die Handynutzung am Steuer mehr kosten als eine Freisprecheinrichtung.“


Die Situation wird laut Arthur Stauber immer schlimmer, weil der Verkehr stetig zunimmt. Doch nicht nur Autos stellen aus seiner Sicht ein Risiko dar: „Fahrräder kommen von hinten und schießen ohne zu klingeln an dir vorbei. Das ist ein typisches Problem“, ergänzt der Versicherungsmakler, der von Berufs wegen auch regelmäßig mit den Folgen von Unfällen konfrontiert ist. „Die Menschen, die einen Unfall verursachen, sehen nicht mehr, dass die Opfer nach Wochen, Monaten oder Jahren immer noch leiden.”
