Als Au-pair der Liebe des Lebens begegnet

13.03.2026 • 07:00 Uhr
Als Au-pair der Liebe des Lebens begegnet
Alona Neuberger leitet das Caritas-Lerncafé in Bregenz. Die Arbeit mit Kindern erfüllt sie. Paulitsch

Die Ukrainerin Alona Ivasiuk fand vor 15 Jahren in Vorarlberg ihr privates und berufliches Glück. Derzeit sorgt sie sich aber um ihre Familie im kriegsgeplagten Heimatland.

Bregenz Alona Ivasiuk (42) wuchs in Pechesky, einem 300-Seelen-Dorf im Westen der Ukraine, auf. Die Mutter, eine Buchhalterin, und der Vater, ein Agronom, betrieben eine kleine Landwirtschaft. “Wir hatten drei Kühe und einen Kartoffelacker.” Alona und ihre ältere Schwester mussten am Bauernhof mithelfen. “Ich kann alles, was eine Bäuerin kann.” Den Eltern war Bildung wichtig. “Papa sagte: ‚Kinder, seid in der Schule fleißig. Ich möchte, dass ihr beruflich etwas erreicht.‘” Alona und ihre Schwester durften an der Universität studieren. “Ich habe Lehramt für Ukrainisch und als Zweitfach Deutsch studiert.” Die Studienzeit war nicht einfach. “Ich musste mich durchkämpfen und viel lernen.”

Schnell Deutsch gelernt

Nach der Uni begann Alona an einer Mittelschule als Lehrerin zu arbeiten. “Die Arbeit gefiel mir. Ich kann gut mit Kindern umgehen, die Schüler mochten mich.” Nach fünf Jahren sehnte sie sich aber nach einer Veränderung. “Ich war jung und wollte mehr von der Welt sehen.” Deshalb suchte sie nach einer Au-pair-Stelle in Österreich. In Lustenau wurde die Ukrainerin fündig. “Eine Hoteliersfamilie mit zwei Töchtern nahm Alona im Dezember 2010 für ein halbes Jahr als Au-pair-Mädchen auf. Die damals 25-jährige Frau lernte schnell Deutsch. “Nach zwei bis drei Monaten beherrschte ich die deutsche Sprache.”

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Alona Neuberger geht gerne spazieren.

Im Februar 2011 passierte etwas, was die Weichen ihres Lebens neu stellte. Alona lernte am See in Hard einen Bregenzer kennen. “Zwischen uns war es Liebe auf den ersten Blick.” Florian Neuberger wurde zur Liebe ihres Lebens. “Ein paar Monate später, im November 2011, haben wir geheiratet.” Österreich wurde zu ihrer zweiten Heimat. 2012 fand Alona Neuberger eine Anstellung bei der Caritas. “Bis zu meiner Karenzierung im Dezember 2015 arbeitete ich für die Flüchtlingshilfe. Die Arbeit mit Jugendlichen gefiel mir.” Ihre Tochter kam 2015 zur Welt, ihr Sohn drei Jahre später. “Ich wollte immer schon Mama sein. Das ist eine wichtige Sache in meinem Leben.”

“Hausfrau zu sein, bei uns nicht üblich”

Nach der Karenzzeit leitete Alona das Begegnungscafé für Vertriebene aus der Ukraine in Bregenz. Als dieses Projekt zu Ende ging, übertrug man ihr im Jahr 2024 die Leitung des Lerncafés in Bregenz. “Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten. Auch die freiwilligen Lernhelfer imponieren mir. Jeder Einzelne ist ein Vorbild für mich.” Arbeit gehört zu ihrem Leben dazu. “In meinem Land ist es normal, dass auch Frauen arbeiten. Hausfrau zu sein, ist bei uns nicht üblich. Meine Oma, meine Mutter und meine Schwester sind auch einer Beschäftigung nachgegangen. Darum habe ich ja studiert, um arbeiten zu können.”

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Alona hält sich gerne in den Bergen auf.

Die zweifache Mutter ist dankbar, dass sie so leben kann, wie sie lebt. Seit in ihrer Heimat Krieg herrscht, sind ihre Gedanken oft bei ihren Lieben in der Ukraine. “Ich habe Angst um meine Eltern und jeden, der in der Ukraine lebt.” Alona telefoniert fast jeden Tag mit ihren Eltern. Vor Kurzem war sie eine Woche auf Heimatbesuch. “Es ist jedes Mal ein Risiko. Denn ich fahre in ein Land, in dem Krieg herrscht.” Aber ihre Sehnsucht ist größer als ihre Angst.