Sparstift erreicht die Kindergärten

Land will für zusätzliches Personal keine Förderung mehr leisten. 18 Gemeinden betroffen.
Schwarzach Auf der Suche nach Sparpotenzial dreht das Land jeden Stein um. Jetzt kommen auch Kindergärten zum Handkuss, und das in vorläufig 18 Gemeinden. Konkret wird es dort keine Förderung mehr für zusätzliche Mitarbeitende geben. Wie das Land auf VN-Nachfrage erklärte, ist laut den vorläufigen Zahlen der jährlichen Statistikerhebung die Kinderanzahl in den Kindergärten im Vergleich zum Vorjahr um 55 Kinder gesunken. Die wöchentlichen Anwesenheitsstunden gingen um rund 2100 zurück. Gleichzeitig sei der Personaleinsatz in den Kindergärten – gesamthaft betrachtet – um rund 2100 Stunden pro Woche gestiegen, was mehr als 50 Vollzeitäquivalenten entspreche.
Steuerung notwendig
„Daher wurden letzte Woche 18 Städte und Gemeinden in Vorarlberg, die einen überproportionalen Personaleinsatz im Kindergarten aufweisen, darüber informiert, dass zusätzliches Personal – über den derzeitigen Personalstand hinaus – nicht gefördert werden kann“, schreibt das Land und fügt noch an: „Selbstverständlich können diese Städte und Gemeinden auch ohne den Erhalt der Landesförderung weiteres Personal einstellen.“ Da das Land inklusive Bedarfszuweisungsmittel zwischen 60 und 90 Prozent der Betreuungspersonalkosten fördere, sei eine Steuerung notwendig, wird auch mit Hinweis auf die künftigen rückläufigen Geburtenraten betont. Gemeindeverbandspräsident Walter Gohm will zu den konkreten Fällen nichts sagen. „Wir werden uns die Daten anschauen, auf deren Grundlage die Maßnahme basiert und dann entscheiden, wie wir mit dem Thema weiter umgehen“, sagte er gegenüber den VN. Er selbst meint, die Kommunen sollen so viel Personal einstellen, wie sie brauchen. Man stehe in dieser Sache jedenfalls im Austausch mit dem Land.

Dieses informiert, dass ein Vergleich der Anwesenheitsstunden der Kinder im Verhältnis zum Personal zeige, dass im Kindergarten ein durchschnittlicher Betreuungsschlüssel von 1:5 umgesetzt werde. Die durchschnittliche Gruppengröße betrage 16,8 Kinder pro Gruppe und sei damit deutlich geringer als die maximale Gruppengröße von 23 Kindern, ausgenommen Inklusionsgruppen: „Dies ist aus pädagogischer Sicht und im Bundesländervergleich außerordentlich gut. Bei der Erhebung des förderbaren Personaleinsatzes würden die Bedürfnisse von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf selbstverständlich berücksichtigt und bei Bedarf der Einsatz von zusätzlichem Personal gefördert. Auch Krankenvertretungen sind dem Land zufolge bei der Förderung miteinkalkuliert.
System unter Druck
SPÖ und Grüne sind empört. Damit verkenne die Landesregierung die Realität in den Kinderbildungseinrichtungen, wo das Personal bereits jetzt am Limit sei, moniert SPÖ-Bildungssprecherin Manuela Auer. „Kürzt die schwarz-blaue Landesregierung beim Kindergartenpersonal, gefährdet sie die Chancen unserer Kinder“, kritisiert die Grünen-Bildungssprecherin Eva Hammerer. Schon vor längerem hat das Land bei den Förderungen für Dreijährige in privaten Betreuungseinrichtungen den Sparstift angesetzt. Ein Rückgang privater Angebote würde dazu führen, dass noch mehr Kinder, vor allem Dreijährige, in öffentliche Kindergärten wechseln. Davon geht, wie Auer auch Eva Hammerer (Grüne) aus: „Der Druck auf das System wird steigen. Gerade jetzt beim Personal zu kürzen, ist völlig verantwortungslos.“ Besonders unverständlich erscheint dieser Schritt vor dem Hintergrund der schlechten Ergebnisse beim bundesweiten Kompetenztests des Bildungsministeriums. Beide Oppositionsvertreterinnen fordern ein „Ende der Kürzungen auf Kosten der Kinder“.

