Ein Kirchenrebell ging für immer

31.03.2026 • 14:58 Uhr
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Pfarrer Helmut Rohner hielt sich gerne in der Natur auf. Bäume und Blumen faszinierten ihn.

Pfarrer Helmut Teodoro Rohner, der sich für die Erneuerung der Kirche und soziale Gerechtigkeit einsetzte, starb im Alter von 92 Jahren.

Dornbirn Pfarrer Helmut Teodoro Rohner starb friedvoll. Der 92-Jährige schlief am 18. März im SeneCura Sozialzentrum in Dornbirn sanft ein. Damit ging ein engagiertes Leben zu Ende. Der Sohn eines Bergbauern am Bürgle (Dornbirn) wollte schon als Kind Priester werden. “Ich glaube, ich bin mit diesem Gedanken schon auf die Welt gekommen”, sagte er im Jahr 2019 anlässlich seines 60-jährigen Priesterjubiläums zu den VN.

Der Beruf führte den Dornbirner in die weite Welt hinaus. Die Priesterausbildung absolvierte Rohner in Rom. Die italienische Hauptstadt wurde für sieben Jahre seine Heimat. Danach ging der Geistliche nach Paris, um weiter zu studieren.

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Da war Helmut Rohner noch Student in Rom.

Ein Jahr später schickte ihn Rom nach Finnland. Dort baute Rohner zusammen mit anderen Geistlichen ein ökumenisches Zentrum auf. Der Dialog und die Zusammenarbeit der verschiedenen Konfessionen standen im Vordergrund. Der zehnjährige Finnland-Aufenthalt öffnete seinen Blick für die Vielfalt der Religionen, aber auch für die Einheit zwischen den Kirchen.

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Im Jahre 1960 hielt der frisch gebackene Priester zum ersten Mal einen Gottesdienst. Viele Menschen feierten mit ihm die Primiz im Dornbirner Hatlerdorf.

Sein Interesse für Entwicklungshilfe und die Befreiungstheologie führte ihn dann aber schließlich nach Brasilien. Der Idee, Menschen aus Armut und Ungerechtigkeit zu befreien, konnte er viel abgewinnen. In Südamerika arbeitete der Pfarrer aus Vorarlberg mit dem einfachen Volk. Dort baute er Basisgemeinden auf. Neben seinen priesterlichen Tätigkeiten setzte sich “Padre Teodoro” für Menschen am Rande der Gesellschaft ein. Unter anderem kämpfte er für mehr Akzeptanz für Prostituierte.

Nirgendwo war der Seelsorger mehr mit dem prallen Leben konfrontiert als in Brasilien. Das machte ihn zu einem modernen Pfarrer, ohne dass er es wollte. Modern hieß für ihn: kein Zwang zum Zölibat, Frauen zu Priesterinnen weihen, Geschiedene wiederverheiraten, Homosexuelle und andere an den Rand Gedrängte in die Mitte holen.

Ein Kirchenrebell ging für immer
In Brasilien stand “Padre Teodoro” in engem Kontakt mit der Bevölkerung.

1987 kehrte Rohner in seine Heimat zurück mit dem Wunsch, die Kirche demokratischer zu machen und stärker nach den ursprünglichen Lehren Jesu auszurichten. Aber dass durch seine Initiative Basisgruppen entstanden, die die Kirche von unten nach oben erneuern wollten, fand bei den Kirchenoberen wenig Anklang. Rohner wurde frühzeitig in Pension geschickt.

Ein Kirchenrebell ging für immer
Der Priester im Jahre 1964.

In der Rente begann der Kirchenrebell regelmäßig Leserbriefe zu seinem Herzensthema – Erneuerung der Kirche – zu schreiben. Sein letzter Leserbrief erschien auf seine Bitte hin kurz nach seinem Tod. Darin beschrieb er, wofür er gelebt und wofür er sich angestrengt hatte – einerseits für die Ökumene, eine Einheit zwischen den Kirchen, andererseits für eine dem Geiste Jesu entsprechende Basiskirche. “Ich bin überzeugt, meine geliebte Kirche wird eines Tages ihre schädlichen und Jesu Geist widersprechenden Traditionen überwinden”, meinte er in seinem letzten Leserbrief. Darin äußerte er auch den Wunsch, von Frauen beerdigt zu werden. Es sollte kein Priester am Altar stehen. Seine Verwandten erfüllten ihm seinen letzten Wunsch. Die Beerdigung war ein Wortgottesdienst, der ausschließlich von Frauen gestaltet wurde.

Ein Kirchenrebell ging für immer
Ein Kirchenrebell ging für immer
Ausschließlich Frauen gestalteten die Beerdigung. Philipp Steurer

Unter den Trauergästen in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn war auch das Ehepaar Edith und Johannes Okoro. Der ehemalige altkatholische Bischof Österreichs und seine Frau waren mit Helmut eng befreundet. “Ich habe fünf Jahre mit ihm unter einem Dach gelebt. Das war eine gute Zeit. Das Christentum und seine Werte wie Liebe, Offenheit und Akzeptanz haben uns verbunden”, berichtet der Geistliche. Seine Frau Edith, eine Krankenschwester, pflegte und versorgte den betagten Freund zwei Jahre. “Helmut war der gütigste Mensch, den ich je kannte”, sagt sie über ihn.

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Johannes und Edith Okoro waren unter den Trauergästen. Das Ehepaar war mit Helmut Rohner eng befreundet.