Salzburger Festspiele trauern um Heinrich Wiesmüller

Präsident von 1991 bis 1995, Mitglied des Direktoriums sowie Mitglied des Kuratoriums.
Salzburg Die Salzburger Festspiele trauern um Heinrich Wiesmüller, der am Mittwoch nach kurzer Krankheit im 90. Lebensjahr verstorben ist. Mit dem Festival war er über Jahrzehnte eng verbunden, unter anderem als Mitglied des Direktoriums, als Konsulent, als Präsident von 1991 bis 1995 sowie später als Mitglied des Kuratoriums. Zugleich prägte er über ein halbes Jahrhundert das Bankhaus Spängler in leitenden Funktionen.
Das Direktorium der Festspiele würdigte Wiesmüller als eine Persönlichkeit, die „leise, klug und mit einer Selbstverständlichkeit, die heute selten geworden ist“ gewirkt habe. Seine Bedeutung für die Entwicklung der Salzburger Festspiele wird vor allem daran sichtbar, dass er mehrere prägende Epochen begleitete: von der Ära Herbert von Karajan über den tiefgreifenden Wandel unter Gerard Mortier bis in die Zeit von Peter Ruzicka und Jürgen Flimm.
Besonders nach dem Tod Karajans 1989 spielte Wiesmüller eine wichtige Rolle bei der Neuaufstellung des Festivals. Laut Festspiel-Direktorium unterstützte er Reformen auch dann, wenn sie unbequem waren, weil er erkannt habe, dass Stillstand keine Option sei. Gleichzeitig habe er Tradition nie als starres Erbe verstanden, sondern als lebendige Grundlage für Erneuerung. Gerade diese Verbindung von Bewahrung und Aufbruch machte sein Wirken für die Festspiele so bedeutend.
Auch seine Nachfolgerin als Präsidentin, Helga Rabl-Stadler, hob hervor, dass Wiesmüller den Festspielen ein neues Selbstverständnis geben wollte. Ihm sei es ein Anliegen gewesen, Salzburg vom Ruf einer bloßen Enklave der Reichen und Schönen zu befreien und zugleich mit Festspielgeldern eine lebendige Jugendszene zu fördern. Im Salzburger Establishment habe er Mut zu Experimenten bewiesen. Einer seiner Leitsätze lautete: „Wenn du willst, dass alles so bleibt wie es ist, musst du alles ändern.“ Sein Ziel sei stets gewesen, dass die Salzburger Festspiele im internationalen Wettbewerb die besten der Welt blieben.
Neben seinem Engagement für die Festspiele setzte sich Wiesmüller auch in vielen weiteren kulturellen Institutionen Salzburgs ein, darunter im Salzburger Kunstverein, in der Internationalen Stiftung Mozarteum sowie in mehreren Vereinigungen des Musik- und Kulturlebens. Damit hinterlässt er in Salzburg weit über die Festspiele hinaus deutliche Spuren.