„Sie war meine Rettung“ – Wie Pflegerin Daniela Gaßner Leben verändert

Verzweifelte Angehörige, Messiewohnungen und eine suchtkranke Frau: herausfordernde Pflegefälle aus Bludenzer Gemeinden.
Nenzing „Sie war meine Rettung“, sagt Sigrid Schneider (74), die Frau eines Klienten der diplomierten psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflegerin Daniela Gaßner. Schneiders Mann Werner (78) erkrankte von einem auf den anderen Tag, und Gaßner unterstützte das Paar besonders empathisch. In ihrem Beruf hat sie aber auch mit sehr herausfordernden Fällen zu tun, etwa mit suchterkrankten Menschen, die in einer Messiewohnung leben.

„Sie ist Gold wert“
Schon in jungen Jahren war Daniela Gaßner mehrere Jahre in der Rankweiler Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig. Und vor sieben Jahren begann die 48-Jährige in der ambulanten gerontopsychiatrischen Pflege (AGP) im Krankenpflegeverein Nenzing. Dabei arbeitet sie im Zuhause von älteren Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und ist gemeinsam mit zwei Kollegen für den Unteren Walgau, die Region Blumenegg und das Große Walsertal zuständig. „Daniela ist Gold wert. Ich bin ihr sehr dankbar für alles“, sagt Sigrid Schneider.

Als Werner Schneider plötzlich erkrankte, stand für seine Frau alles auf dem Kopf. Sie wusste nicht, was mit ihrem geliebten Menschen passierte und wie sie damit umgehen sollte. Gaßner hat ihr unter anderem das Krankheitsbild erklärt, ihr im Austausch mit den Ärzten geholfen und sie über den Urlaub für Pflegende informiert. „Nicht nur meinem Mann, sondern vor allem auch mir hat sie sehr gutgetan“, erzählt Sigrid Schneider. „Ich konnte ihr mein Leid klagen und sie war immer da, wenn ich sie brauchte.“

Angehörigenarbeit ist ein wichtiger Teil von Gaßners Tätigkeit. Mehrere Jahre lang begleitete sie die Schneiders. „Jetzt komme ich kaum mehr zu ihnen, nur wenn es Probleme gibt“, schildert die dreifache Mutter. „Sie sind ein Vorzeigebeispiel für gelungene Pflege.“ Denn Gaßners Unterstützung sollte zeitlich begrenzt sein und die Betroffenen wieder zur Eigenständigkeit befähigen beziehungsweise in die Regelversorgung eingliedern.

Schwierige Fälle
Gaßners Hauptaufgaben sind die Erstabklärung, Aufklärungsgespräche, die medikamentöse Einstellung durch einen Psychiater und das Schaffen einer Tages- und Wochenstruktur für die Betroffenen. „Es geht darum, die Lebensqualität der Klienten so lange wie möglich zu erhalten. Wie diese aussieht, hängt ganz von den Personen ab“, sagt die Nenzingerin, die AGP-Teamkoordinatorin für den Bezirk Bludenz ist. Doch in manchen herausfordernden Fällen nimmt ihre Arbeit ganz andere Formen an: Aktuell betreut sie zum Beispiel drei Klienten, die in einer Messiewohnung leben.

Eine davon ist eine suchtkranke Person, die zu Beginn keine Hilfe annehmen wollte und auf Distanz ging. Gaßner gab jedoch nicht auf. Trotz abgesagter Termine rief sie immer wieder an, bis ein Treffen zustande kam. Heute sucht die Klientin aktiv den Kontakt zu ihr.

Obwohl es eigentlich nicht zu Gaßners Aufgabenbereich gehört, organisierte sie für die Frau bereits eine erste Räumung, bei der eine Tonne Müll aus der Wohnung entfernt wurde. „Das ist aber noch längst nicht alles.“ Außerdem ermöglichte sie ihr ein wertvolles Ritual: Jede Woche kann sie nun im Sozialzentrum Nenzing ein entspannendes Vollbad mit Badesalz und Rosenblüten nehmen. Da die Klientin früher Frisörin war, besorgte ihr Gaßner auch ein hochwertiges Shampoo. „Es ist wichtig, den ganzen Menschen mit seiner Geschichte zu sehen und darauf einzugehen“, sagt sie und zeigt dabei, wie wichtig ihr ein würdevoller Umgang mit wirklich jedem Menschen ist.


Für Daniela Gaßners empathischen Einsatz wurde sie mit dem Vorarlberger Pflegeaward 2026 in der Kategorie „Mobiler Hilfsdienst und Hauskrankenpflege“ ausgezeichnet.