25 Jahre MQ, ein Kunstzentrum mit Herz und Seele 

17.05.2026 • 10:54 Uhr
25 Jahre MQ, ein Kunstzentrum mit Herz und Seele 

VN-Kommentar von Gerald Matt.

Das Wiener Museumsquartier (MQ) feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen. Viele Jahre war das Museumsquartier meine Heimstätte, mir wohl mehr Lebensraum als nur Arbeitsplatz, als Direktor der Kunsthalle Wien, als Vertreter der Stadt Wien in der Bau- und Planungsphase des Projektes und als Sprecher der im Museumsquartier befindlichen Institutionen. Nach jahrelangen Debatten und politischen und medialen Kontroversen und Intrigen um die Vereinbarkeit der zeitgenössischen Planung der international renommierten Architekten Ortner und Ortner und den historischen Hofstallungen des Barockstars Fischer von Erlach und dem angrenzenden Kaiserforum, wurde das Museumsquartier im Juni 2001 eröffnet.

Heute ist das Museumsquartier mit über 90000 m2 eines der zehn größten Kulturzentren der Welt. Einzigartig ist seine Lage im Herzen der Stadt. Entstanden ist nicht nur ein Kulturelles Biotop, sondern ein neuer attraktiver, von allen Generationen belebter, offener Stadtteil. Das Museumsquartier umfasst verschiedene Einrichtungen der Gegenwartskunst – 2 große Museen, 1 Kunsthalle, 2 Hallen für Theater- und Tanzveranstaltungen, ein Kindermuseum, 
ein Theaterhaus für junges Publikum, ein Architekturzentrum und andere Kulturinstitutionen, die gemeinsam aktiv an einem neuen Begriff zeitgemäßer Kultur arbeiten. 

Das MQ war und ist für mich bis heute mehr als nur ein besonderer Ort der Kunst. Das MQ manifestiert für mich auch eine Vision, die keinen Gegensatz zwischen Kunst und Leben sieht, die anstelle eines Ortes des Dogmatismus einer sich selbst bestätigenden Szene, ein offener Kunst- und Stadtraum für alle sich erträumt. Ich bin stolz, dass ich als Leiter der Kunsthalle Wien mit so großartigen Künstlerinnen wie Louise Bourgeois, Kusama oder Shirin ein breites Publikum für zeitgenössische Kunst begeistern konnte und zu dieser Vision beitragen konnte. Mit Projekten wie Cai Guo Changs Feuerdrachen, der ein faszinierendes Leuchtzeichen auf den Kränen über der Baustelle des Museumsquartiers setzte, Ferudin Zaimoglus türkischen Fahnen auf der Fassade der Kunsthalle, mit denen er eine heftige politische Debatte über den Umgang mit und der Sichtbarkeit von Immigration auslöste oder mit dem Jazzclub in der Ausstellung von Dianne Arbus, der die Lebenswelten der Künstlerin widerspiegelte und Kunst und Musik vereinte, konnten wir beweisen, dass Kunst mehr ist als ein Elitenprojekt für die Happy View der Kunstszene, wie der französische Soziologe Pierre Bourdieu die privilegierte Schicht der Kunstkenner nannte, „Snobs“, die ihren kulturellen Mehrwert nicht mit dem „Volk“ teilen wollen, sondern sich lieber mit Gleichgesinnten in ihrem Locus amoenus, ihrer behaglichen Festung des kritischen und selbstgerechten Bewusstseins verschanzen.

So wird es auch in Zukunft darum gehen, das Museumsquartier als ein „Centro di animazione culturale“ wie es der italienische Philosoph Gianni Vattimo seine Museumsvision einmal benannte, ein Ort mit anima, mit Seele, Herz, Begeisterung, Träumen und Mythen zu bewahren und weiterzuentwickeln. Das macht seine Einzigartigkeit und Attraktivität aus. Mit Bettina Leidl, meiner ehemaligen rechten Hand in der Kunsthalle, leitet das MQ auch eine dynamische Kulturmanagerin, die zielgerichtet die Balance zwischen Facility Management und Veranstalter, Dienstleister der Museen und Animation eines Stadtviertels herstellt. Mit der zukünftigen Ansiedlung des Hauses der Geschichte landete sie unlängst einen Museums-politischen Coup zugunsten des MQ. Als ich neulich nach meinem MQ-Moment gefragt wurde, musste ich an eine meiner wohl unauslöschlichen Gewohnheiten denken. Obwohl ich schon lange nicht mehr im MQ arbeite, lenken mich meine Schritte bei abwesendem Gedankentroll bisweilen immer noch in Richtung MQ.