Versprochen und gehalten

VN-Kommentar von Walter Fink.
Die Gedichte von Johann Wolfgang Goethe sind mir sehr lieb. Eines seiner schönsten ist „Gefunden“, die ersten Zeilen lauten: „Ich ging im Walde so für mich hin / und nichts zu suchen, das war mein Sinn.“ Vor einigen Tagen ging es mir ganz ähnlich, ich machte mich vom Kloster Wettingen-Mehrerau auf, um am See entlang Richtung Stadt zu gehen. Ganz ohne Anlass, ganz ohne besonderes Ziel, einfach der Schönheit des Weges, der angesichts der derzeitigen Temperaturen weitgehend im Schatten großer, alter Bäume verläuft, folgend. Ich kam vorbei am Badehäuschen des Klosters, das derzeit nicht im Wasser, sondern auf Pfeilern an Land steht, dann zum Yachthafen, dort hinaus auf die Mole, die vor allem am Vormittag zu einem bevorzugten Badeplatz der Bregenzerinnen und Bregenzer geworden ist, weiter zum Segelhafen, auch dort auf die Mole. Schließlich näherte ich mich dem Freibad am See, folgte dem neuen Strandweg und ein Stück vor mir blinkte durch die Büsche etwas Weißes, Rotes, bemalte Keramik zeigte sich auf einer Wand.
Jetzt muss ich einen Rückgriff machen. Es war vor gut fünf Jahren, als ich in einem Kommentar an dieser Stelle beklagte, dass die öffentlichen Arbeiten des Bregenzer Künstlers Hubert Berchtold immer mehr verschwinden. Die Installation, die mit dem Neubau des Krankenhauses in Bregenz verräumt wurde, dann werden die Glasfenster beim Seniorenheim Tschermakgarten, das abgebrochen werden soll, wohl in ein Depot gebracht werden, und dann beklagte ich den Abbruch des alten Hallenbades mit der riesigen Wandmalerei von Hubert Berchtold. In der Folge gab es eine Sitzung bei der Stadt Bregenz, in der versprochen wurde, dass zumindest ein Teil der Malerei von Berchtold erhalten werden und auch öffentlich gemacht werden soll.
Das Hallenbad war eine besondere, die ganze Wand füllende Arbeit, jede einzelne Kachel hat Hubert Berchtold – wesentlich beeinflusst durch seine spanischen Aufenthalte – selbst bemalt. „Die Dimension des Kunstwerks ist auch Jahrzehnte nach seiner Entstehung in weitem Umkreis einmalig“, steht im Lexikon „Kunst und Bau in Vorarlberg nach 1945“. Das war alles in Gefahr, bis Judith Reichart und Bauamtsleiter Bernhard Fink bei besagter Sitzung die Zusicherung gaben, dass zumindest die Malerei der Stirnseite – ein für sich bestehendes Bild, das selbst in der Keramik den Duktus der Malerei von Hubert Berchtold wiedergibt – erhalten werden soll. Und zwar an einer Mauer am Beginn des Strandwegs gleich beim Festspielhaus.
Und, ich mach es kurz: Das war das, was mir bei meinem Spaziergang in die Stadt von weit her ins Auge fiel. Ich war überrascht, denn ich wusste nicht, dass die Restauration schon so weit war, ich war erfreut, das wunderbare Bild von Hubert Berchtold hier zu sehen. Nicht mehr im Hallenbad, wo das nur jene sehen, die Eintritt bezahlen. Nun ist die besondere Arbeit von Hubert Berchtold für jeden, der sie sehen will, zu finden. Das finde ich großartig – und dafür bedanke ich mich bei den Verantwortlichen der Stadt Bregenz. Sie haben versprochen – und gehalten. Das ist leider heute nicht mehr selbstverständlich.