Neue Einnahmemöglichkeiten gesucht: Landbusse werden zur Werbefläche

Verkehrsverbund prüft Werbemöglichkeiten auf den Bussen – und hat noch eine weitere sehr ungewöhnliche Einnahmemöglichkeit im Auge.
Schwarzach, Feldkirch Der öffentliche Nahverkehr in Vorarlberg ist in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut worden. Das Budget sprengt längst die 160-Millionen-Euro-Marke. So alt wie der öffentliche Verkehr ist die Frage dazu, wie sehr er sich selbst finanzieren muss. Muss jede Region erreichbar sein? Oder müssen sich öffentliche Bus- und Bahnunternehmen finanziell selbst tragen können? In Vorarlberg stemmen derzeit Land und Gemeinden einen ordentlichen Teil des öffentlichen Verkehrs. Deshalb wird nun auch beim Verkehrsverbund der Sparstift angesetzt. Man möchte alle Verbindungen überprüfen, sagt Landesstatthalter Christof Bitschi. Auch neue, ungewöhnliche Einnahmemöglichkeiten stehen im Raum.

97 Prozent aller Vorarlbergerinnen und Vorarlberger wohnen in Gebieten, die zumindest über eine Basiserschließung verfügen. Diese Werte könnten in Zukunft wieder etwas zurückgehen. “Wir prüfen flächendeckend die Effizienz der Linien”, sagt Bitschi im Gespräch mit den VN. Das Ziel: Verbindungen, die kaum etwas bringen, einzusparen. “Es gab zum Beispiel eine Buslinie durchs Lustenauer Ried. Die Analyse hat gezeigt, dass sie sich nicht rentiert.” Die Untersuchung soll auch Zugverbindungen mit einschließen – etwa den Nachtverkehr am Wochenende. “Auch bei Railjets, die um 22 Uhr oder in der Nacht noch fahren, sehen wir uns an, wie sie frequentiert sind.” Die Hauptverkehrszeiten seien nicht betroffen. Christian Hillbrand, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Vorarlberg (VVV), betont: “Unser Ziel ist es, die hohe Qualität aufrechtzuerhalten und mit effizienzsteigernden Maßnahmen das Öffi-Angebot abzusichern.”

Rund ein Drittel des Budgets im Verkehrsverbund stammt aus Einnahmen. Dieser Anteil soll sich erhöhen. Der Verkehrsverbund prüft, die Busfläche an Werbekunden zu vermieten. Was in anderen Bundesländern, in größeren Städten und in Liechtenstein längst normal ist, dürfte auch bald in Vorarlberg kommen. Im Landtag beschlossen die Regierungsparteien am Mittwoch, dass die Landesregierung und der Vorarlberger Verkehrsverbund (VVV) diese Möglichkeit prüfen sollen – in der Praxis ist dies längst im Gange, wie Hillbrand den VN bestätigt. “Die Detailprüfung eines möglichen Einsatzes von Werbung auf Vorarlbergs Bussen wurde bereits begonnen.” Laut Bitschi prüfe man Möglichkeiten auf der Heckscheibe, auf dem kompletten Bus, vorne – was am effektivsten sei. Es habe auch schon Anfragen von Vorarlberger Unternehmen gegeben. “Ich rechne mit einigen 100.000 Euro.”

Der Landesstatthalter bringt eine weitere Einnahmemöglichkeit ins Spiel: “Wir haben beschlossen, aufgrund der hohen Anzahl an Elektrobussen in den Emissionshandel einzusteigen. Dort sind relativ große Einnahmen zu erwarten, die Land und Gemeinden entlasten.” In Zahlen? “Wir rechnen für nächstes Jahr mit einem Betrag, der sicherlich an der Millionengrenze liegt.”
Millionen muss das Land auch aufgrund der versprochenen Entlastung für die Gemeinden finden. Im Zuge des kürzlich präsentierten Gemeindehilfspakets sagte das Land eine Entlastung von 35 Millionen Euro jährlich zu, fünf Millionen davon beim öffentlichen Verkehr. “Wir diskutieren gerade, wie wir das Geld aufstellen können”, erläutert Bitschi. Also mehr Einnahmen, stärker sparen oder Geld aus dem Landesbudget? “Es wird eine Kombination sein.” Eines ist fix: Der teilweise sehr komplizierten Finanzierungsstruktur im öffentlichen Verkehr geht es an den Kragen, betont der Landesstatthalter. “Wir werden sie deutlich vereinfachen und das Ergebnis in nächster Zeit präsentieren.”