Martin Summer: Einer, der seinen eigenen Weg ging

Klar und korrekt, ohne sich verbiegen zu lassen, lebte Martin Summer aus St. Gerold sein Leben auf seine eigene Weise.
Von Ulrike Müller
St. Gerold Martin wurde am 18. Januar 1960 als zweites von fünf Kindern in St. Gerold geboren – mitten im Leben einer Wirtsfamilie, die viel Arbeit und wenig Ruhe kannte. Während der Erstgeborene Ernst oft als der Vernünftige galt, war Martin schon früh der Fordernde. Er stellte Fragen, forderte Aufmerksamkeit und suchte Reibung – darin blieb er sich sein ganzes Leben treu.
Da er in der Schule leicht lernte, besuchte Martin, wie sein älterer Bruder, das Marianum in Bregenz. Doch Martin verließ die Schule bereits in der fünften oder sechsten Klasse. Nicht weil es ihm an Klugheit fehlte – im Gegenteil. Er war ein sehr intelligenter Mensch mit scharfem Verstand, der wusste was er wollte und selten bereit war, sich anzupassen.
Nach verschiedenen Gelegenheitsarbeiten fand er im Alter von 19 Jahren bei der Firma Liebherr in Nenzing die passende Stelle. In den folgenden fast zwei Jahrzehnten arbeitete er sich zu einer wichtigen Persönlichkeit in seiner Abteilung hoch – ohne formale Ausbildung, nur durch sein Können, seinen Fleiß und die hohe Auffassungsgabe. Egal wo er arbeitete, Martin hinterließ einen bleibenden Eindruck. Ebenso später bei der Hypobank, der Vorarlberger Landesversicherung, der Beamtenversicherung und zuletzt bei MSE in Liechtenstein. Er wechselte seine Arbeitgeber einige Male, denn Martin war ein Mensch, der Konflikten nicht auswich. Wenn es mit Vorgesetzten unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten gab, zog er seine Konsequenzen und suchte sich etwas Neues.

Engagiert im Dorf
In St. Gerold war Martin tief verwurzelt. Über viele Jahre hinweg engagierte er sich mit großer Leidenschaft beim Sportverein, er war ein guter Fußballer und auch organisatorisch eine treibende Kraft. Martin legte viel Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild: Er war stets gepflegt, gut gekleidet und hatte Präsenz. Mit 19 Jahren wurde Martin Vater einer Tochter. Leider erschwerten die Umstände den Kontakt über viele Jahre, diesen Schmerz konnte er nie ganz überwinden.
Wer Martin kannte, wusste immer, woran er war. Er sagte, was er dachte – direkt und ehrlich, aber nicht immer bequem für das Gegenüber. Sein Bruder Ernst nannte ihn einen „Reibebaum“. Mit Martin konnte man streiten, diskutieren und ringen. Er mochte kein Geschwätz und keine Oberflächlichkeit. Hinter seiner oft harten Schale lag jedoch ein Mensch mit ehrlichen Kern. Er hatte Humor, war sehr großzügig, mochte kein überflüssiges Gehabe, war aber für jeden Blödsinn zu haben. Er bevorzugte den deutschen Fußball, weil ihm die Österreicher zu langweilig waren, und er war ein leidenschaftlicher Jasser, dem man kaum einen Stich abnehmen konnte.
Die Corona-Zeit setzte Martin schwer zu. Er zog sich immer mehr zurück und wurde einsamer. Nach dem Tod seiner Mutter verlor er zunehmend seine Lebensfreude und nur neun Monate nach ihr verstarb Martin am 2. Februar 2026 viel zu früh an Nierenversagen. Zurück bleiben Erinnerungen an Martin – an seine direkte Art, seinen scharfen Verstand und seinen besonderen Humor. Er war kein angepasster Mensch, aber immer ehrlich. Gerade deshalb wird er denen, die ihn schätzten, fehlen.
Begleitet durch: Bestattung Stuchly
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