Egon Michler: Apotheker und Sänger, der nach der letzten Note noch lange nicht fertig war

19.06.2026 • 11:03 Uhr
Nachruf Egon Michler
Nachruf Egon Michler.

Nicht nur Chöre dirigierte Egon Michler, sondern oft auch die gute Stimmung bei Proben, Gartenfesten und geselligen Runden.

Von Hartmut Hofer

Bregenz Dass Egon Michler singen konnte, fiel früh auf. Geboren am 2. März 1931 in Wolfurt, aufgewachsen in Bregenz, erkannte Katechet Kaulfuß in der Pfarre St. Gallus als einer der Ersten dieses besondere Talent. Ob im Bubenchor, später im Kirchenchor, im Männerchor Bregenz oder bei den Bregenzer Festspielen: Das Singen war für ihn weit mehr als ein Hobby. Die Kriegsjahre prägten ihn tief. Während des Krieges war er oft mit seiner Mutter im Bregenzerwald. Die Liebe zu den Bergen und zum Wandern gab er später an seine drei Kinder weiter. Im Alter von 16 Jahren musste Egon seinen ersten großen Schicksalsschlag hinnehmen, als seine Mutter Paula im Alter von 53 Jahren verstarb, ein Verlust, der ihn früh erwachsen werden ließ.

So wie ihn viele kannten, Egon Michler in der Apotheke
So wie ihn viele kannten: Egon Michler in der Apotheke privat

Eigentlich dachte Egon daran, Theologie zu studieren. Aber sein Weg führte ihn nach Wien zum Pharmaziestudium. Dort lernte er Elisabeth kennen. Aus gemeinsamem Lernen wurde Liebe. Selbst die Verlobung verlief nicht ganz ohne Aufregung: Kurz vor Elisabeths Haus landete Egon mitsamt Roller und Verlobungsstrauß nach einer Kollision im Straßengraben. Geheiratet wurde trotzdem, und gemeinsam gingen die beiden viele Jahrzehnte durchs Leben. Beruflich arbeitete Egon zunächst als Universitätsassistent und Analytiker in Wien. Er war bei der Analyse des neuen Arzneistoffs Diazepam beteiligt, der bis heute weltbekannt ist. 1966 kehrte das Paar nach Vorarlberg zurück und baute die Martin-Apotheke in Lochau auf.

Kein gemütlicher Ausklang ohne Egon
Kein gemütlicher Ausklang ohne Egon.

Neben Familie und Beruf engagierte sich Egon mit unglaublicher Energie für die Gemeinschaft. Er war Vizebürgermeister von Lochau, gründete den Lochauer Kinderchor und war u. a. auch viele Jahre Vorstand des Bregenzer Männerchores sowie Vizepräsident der Bregenzer Festspiele. Vom Österreichischen und Vorarlberger Chorverband wurde er mehrfach ausgezeichnet. Das wäre nicht ohne Elisabeth gegangen, die ihm dabei oft liebevoll den Rücken frei hielt.

Mit der Lambretta begann einst die große Freiheit
Mit der Lambretta begann einst die große Freiheit

Mit seinen drei Kindern und acht Enkelkindern verbrachte er voller Stolz viele glückliche Stunden. Als Sohn Klaus die Apotheke übernahm, zog es Egon zurück nach Bregenz ins Elternhaus. Es begann eine neue Zeit voller Reisen, Kultur und geschichtlicher Entdeckungen quer durch Europa und den Nahen Osten. Auch im Ruhestand dachte Egon nicht ans Aufhören. Fast täglich schaute er noch in der Apotheke vorbei. Erst mit 89 Jahren ließ er sich langsam überzeugen, etwas kürzerzutreten. Der Verlust seiner geliebten Elisabeth im Jahr 2019 traf ihn tief. Während ihrer langen Krankheit war er täglich an ihrer Seite. Später fand er mit Paula nochmals eine liebevolle Begleiterin.

Ein selten eingefangener Augenblick, Egon mit all seinen Enkeln
Ein selten eingefangener Augenblick: Egon mit all seinen Enkeln.

Bis zuletzt blieb Egon der Musik treu. Noch kurz vor seinem Tod dirigierte er “seinen” Männerchor ein letztes Mal. Das Lied dazu hätte passender kaum sein können: “Seid uns gegrüßt, ihr lieben Freunde alle …” So bleibt Egon Michler vielen Menschen in Erinnerung: als herzlicher Mensch, begeisterter Sänger, humorvoller Wegbegleiter und jemand, der das Leben, die Gemeinschaft und die Musik von Herzen liebte.

Begleitet durch: Bestattung Petschenig

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