Anny Wagner: Wo die Gitarre erklang, war sie mittendrin

26.06.2026 • 11:28 Uhr
Nachruf Anny Wagner
Anny Wagner.privat

Bis zuletzt blieb Anny Wagner eine Frau, die ihren eigenen Takt vorgab, gerne sang und das Leben in vollen Zügen genoss.

Von Hartmut Hofer

Bregenz Als Anny Wagner, geb. Fortin, Ende November 1939 in Meran geboren wurde, hatte der Zweite Weltkrieg gerade begonnen. Nach der Übersiedlung nach Innsbruck erlitt sie infolge eines Bombenangriffs einen schweren Gehörschaden. Wenig später wuchs sie mit ihren vier Schwestern in Dornbirn auf.

    Gemeinsames Musizieren brachte Anny Wagner zahlreiche Freundschaften
Gemeinsames Musizieren brachte Anny Wagner zahlreiche Freundschaften

Die Liebe zur Musik wurde ihr schon früh mitgegeben. Ihr Vater spielte leidenschaftlich auf der Steirischen und war Tubist bei der Stadtkapelle Bregenz-Vorkloster. Obwohl er viel zu früh verstarb, blieb seine Begeisterung für die Musik in der Familie lebendig. Mit Fleiß und Kreativität widmete sich Anny ihrem Beruf. Stoffe und Näharbeiten waren ihre Welt, zunächst in Heimarbeit, später viele Jahre in einer Stoffdruckerei. Auch in ihrer Freizeit zeigte sie Ehrgeiz und Ausdauer. Beim Tischtennis konnten ihr nur wenige das Wasser reichen, und beim Kartenspiel war sie dank ihres schnellen Kopfrechnens oft im Vorteil.

Ein frühes Erinnerungsfoto einer Frau, die ihren eigenen Weg ging
Ein frühes Erinnerungsfoto einer Frau, die ihren eigenen Weg ging

Im Mittelpunkt ihres Lebens stand ihre Familie. Besonders ihren Söhnen Christian und Alexander galt ihre ganze Liebe. Große Freude bereiteten ihr auch die Enkelkinder Nadine, Mathias, Adrian, Jasmin und Monia, deren Wege sie mit Stolz verfolgte. Wer Anny begegnete, lernte eine offene, gesellige und zugleich sehr willensstarke Frau kennen. Schwere Schicksalsschläge, darunter der Tod ihres Mannes Walter im Jahr 1987, trafen sie tief. Dennoch fand sie immer wieder die Kraft, nach vorne zu blicken und dem Leben neue Seiten abzugewinnen.

Ein Sommertag, die Berge im Hintergrund und die Gitarre stets griffbereit.
Ein Sommertag, die Berge im Hintergrund und die Gitarre stets griffbereit.

Mit 50 Jahren entdeckte sie die Gitarre. Mit viel Ehrgeiz brachte sie sich das Spielen bei und begleitete schon bald ihren Gesang selbst. Die Musik brachte sie mit vielen Menschen zusammen. Es entstanden Freundschaften, die von gemeinsamen Nachmittagen, Feiern, Liedern und viel Lachen geprägt waren. Mit ihrer Musikpartnerin gründete sie das Duo “Die zwei Omis”, später kam die Zither dazu und es wurde die Gruppe “Teenager Spätlese”, mit der sie auch eine CD einspielten. Die Musik schenkte ihr Gemeinschaft, Freude und schöne Begegnungen, weshalb sie liebevoll als “Musikmama” bezeichnet wurde.

”A Zigarettle und a Glas Wasser

Auch im Sozialzentrum Bregenz-Weidach, in das sie 2020 zog, war sie bei Musiknachmittagen und Feiern gerne dabei. Als ausgesprochene Nachteule genoss sie die geselligen Stunden mit anderen Menschen. Gesundheitliche Probleme begleiteten sie über viele Jahre, doch Anny ließ sich davon kaum bestimmen. Sie blieb bis zuletzt eigensinnig, humorvoll und voller Lebensfreude. Noch am letzten Muttertag soll sie gesagt haben: “A Zigarettle und a Glas Wasser und i bin zfrieda.”

In ihren letzten Lebensstunden saß ihr Sohn Christian an ihrem Bett und spielte Gitarre. Musik, die sie ihr ganzes Leben begleitet hatte, war auch in diesem Moment gegenwärtig. Am 22. Mai, in den frühen Morgenstunden, schloss sich Annys Lebenskreis. Zurück bleiben viele Erinnerungen an eine Frau, die das Leben auf ihre ganz eigene Weise gelebt hat. Und wer sie gekannt hat, kann sich gut vorstellen, dass sie auch jetzt irgendwo in einer himmlischen Musikrunde sitzt, den Takt vorgibt und dafür sorgt, dass die Stimmung nicht zu kurz kommt.

Begleitet durch: Bestattung Nuck

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