Nach Diskriminierung im LKH: Was jetzt nachgeschärft wird

08.07.2026 • 16:00 Uhr
Nach Diskriminierung im LKH: Was jetzt nachgeschärft wird
Im Spitalsbereich soll ein neues Karrieremodell für gleiche Chancen für alle sorgen. VLKH/Mathis

Drei Ärztinnen wehrten sich gegen ihre berufliche Schlechterstellung. Was der betroffenen Abteilung verordnet wurde.

Feldkirch Die unlängst bekannt gewordene berufliche Diskriminierung von drei Ärztinnen eines Landeskrankenhauses schlug hohe Wellen, beschäftigte den Landesvolksanwalt und nötigte die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) zu Maßnahmen, die auch die betroffene Abteilung nicht unberührt ließen. Ihr wurden Team-Coachings sowie regelmäßige Teamsitzungen verordnet. “Die Situation hat sich stabilisiert”, erklärte die KHBG in einer Stellungnahme an die VN. Zudem hätten die Personalabteilungen aller Landeskrankenhäuser die Gehaltseinstufungen geprüft. Wie berichtet, erfolgte rückwirkend eine Aufstufung der Ärztinnen, verbunden mit den entsprechenden Nachzahlungen. Die Frage nach der Höhe ließ die KHBG unbeantwortet.

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Gespräche und Information

An die Öffentlichkeit kam der Fall, nachdem Landesvolksanwalt Klaus Feurstein im Volksanwaltsausschuss seinen obligaten Zwischenbericht vortrug. Die drei Frauen hatten sich bei der Antidiskriminierungsstelle der Volksanwaltschaft gegen die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigte Schlechterbehandlung gewehrt. Feurstein erkannte eine Diskriminierung und strengte für zwei Frauen ein Prüfverfahren an. Er kam unter anderem zum Schluss: “Es zeigte sich, dass die männlichen Kollegen stets gehaltlich hochgestuft wurden und – aufgrund der Zustimmung des Abteilungsleiters – teilweise zu bereichsleitenden und geschäftsführenden Oberärzten ernannt wurden.” Intern poppten die Fälle laut KHBG 2024 auf. Man habe damals umgehend reagiert: “Es gab Gespräche mit den betroffenen Mitarbeiterinnen, auf deren Wunsch unter Einbeziehung von Vertrauenspersonen. Es wurden die betroffenen Teams sowie der Betriebsrat und der Mittelbau zeitnah informiert und in die weiteren Schritte eingebunden, um größtmögliche Transparenz sicherzustellen.”

Nach Diskriminierung im LKH: Was jetzt nachgeschärft wird
Der Zwischenbericht von Klaus Feurstein brachte den Fall ins Rollen. VN/Paulitsch

Seit 2021 gibt es im LKH Bregenz eine zentrale Gleichbehandlungsstelle. Danach sei das Team intern erweitert worden, sodass es für jeden Standort nun eigene Ansprechpersonen gebe. Anfang 2026 nahm ein aus sieben Personen bestehendes Gleichbehandlungsteam seine Arbeit auf. Dessen Mitglieder sollen das Thema Gleichbehandlung der KHBG zufolge noch stärker in den Fokus rücken, die Sensibilisierung fördern und eine niederschwellige Anlaufstelle bieten. Die Kommunikationsabteilung verwies zudem auf die Anpassung des Karrieremodells in Zusammenarbeit mit Betriebsrat und Ärztekammer, das die Voraussetzungen für die berufliche Weiterentwicklung neu regelt. Die Höherstufung bis zur Gehaltsklasse 23 ist nicht mehr von der Zustimmung der Abteilungsleitung abhängig. Sie erfolgt jetzt nach klaren Kriterien.

“Anwendung einhalten”

Die Ärztekammer nahm die offiziell festgestellte Geschlechterdiskriminierung ebenfalls zum Anlass, die Bedeutung transparenter und objektiver Karriere- und Gehaltsstrukturen zu unterstreichen. “Der vorliegende Fall zeigt, wie wichtig es ist, gemeinsam beschlossene Regelungen konsequent anzuwenden und Chancengleichheit im Arbeitsalltag sicherzustellen”, mahnte Alexander Loibnegger, Kurienobmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte, deren Einhaltung ein. Dem Fach und der Abteilung scheint die Aufdeckung indes nicht geschadet zu haben. “Das Interesse ist groß. Es gibt ausreichend und sehr qualifizierte Bewerber für die Ausbildungsstellen. Auch Fachärzte haben sich beworben”, liest es sich positiv verbrämt in der Stellungnahme. Derzeit sind etwa 23 ärztliche Dienststellen besetzt.