Erna Bechter: Die reiselustige Schneiderin mit Pioniergeist und scharfem Verstand

Es war ihr unermüdlicher Wissensdrang, ihr geschickter Umgang mit Nadel und Faden und ihre Weltoffenheit, mit der Erna Bechter beeindruckte.
Von Alexandra Pinter
Meiningen Erna war die Älteste im Kindersegen der Familie Zimmermann. Geboren im Mai 1937, wuchs sie gemeinsam mit ihren drei Geschwistern Karl, Ida und Armin in Feldkirch auf. Ihr Elternhaus in der Torkelgasse war bekannt für Gastfreundschaft, offene Türen und ebenso offene Herzen. Mama Regina hatte sich als Modistin mit eigenem Geschäft bereits einen Namen gemacht. Diese neuzeitlichen Lebensumstände prägten Erna von Anfang an.

Ihr ursprünglicher Berufswunsch, Kindergärtnerin zu werden, nahm durch eine besondere Fügung eine Wende, und sie bekam die Möglichkeit, eine Schneiderlehre zu machen. Es zeigte sich schnell, dass dies wohl ihre Berufung war. Gesegnet mit außergewöhnlichem Geschick fertigte Erna in den folgenden achtzehn Jahren zahlreiche hochwertige Kleidungsstücke.

Mit ihrer Motivation, ständig Neues zu entdecken und auch andere Kulturen kennenzulernen, begann sie bereits als Zwölfjährige eine Brieffreundschaft mit einem türkischen Mädchen in Istanbul. Eine besondere Verbindung entstand, und so machte sich Erna bereits sechs Jahre später mit ihrem eigenen Auto auf den Weg zu ihrer Brieffreundin am Bosporus. Ihre Reiselust war somit geweckt, und es sollten noch weitere Reisen in die Türkei folgen.

Nach einer spannenden Stubate-Zeit heiratete Erna 1965 ihren Konrad, und schon ein Jahr später kam Stammhalter Jürgen auf die Welt. Andrea vervollständigte dann drei Jahre später das Geschwisterpärle. Erna ging in ihren Rollen als Ehefrau und Mama vollends auf. Liebevoll kümmerte sie sich um ihre Familie, und auch die Nachbarskinder Heidrun und Jochen kamen in den Genuss von Ernas Fürsorge. Dazu gehörte auch ihre umsichtige Betreuung, wenn es um die Bildung und schulische Belange ging. Mit Probeschularbeiten unterstützte Erna, die liebevoll auch “Frau Bechter” genannt wurde, die Schulkinder in ihrem Umfeld und verhalf ihnen dadurch zu positiven Schulnoten.

Nach 20 gemeinsamen Ehejahren verstarb Konrad. Ein herber Verlust für Erna. Mit Roland fand sie nach 22-jährigem Witwendasein noch eine reife und tiefe Liebe. Beide betrachteten die folgenden 16 Jahre als eine geschenkte Zeit mit wertvollen Momenten der Innigkeit und des Zusammenwirkens beider Familien.
Auch wenn Erna im vergangenen Jahr krankheitsbedingt müde wirkte, war es ihr zeitlebens wichtig, bis ins hohe Alter aktiv und selbstständig zu sein. Um ihren Geist wach zu halten, löste sie daher liebend gerne Sudoku-Rätsel. Und nur zwei Tage vor ihrem Heimgang brachte sie noch ihren Lebenslauf zu Papier. Ein Dokument, das ihren spannenden Lebensweg über 88 Jahre in allen Einzelheiten beschreibt. So können sich die Enkel und Urenkel an eine herzensgute Oma erinnern, die sie auf ihre besondere Art mit Fürsorge, Offenheit und Liebe ein Stück auf ihrem Lebensweg begleitet hat. Ihre letzten Tage verbrachte Erna im Hospiz am See. Hier konnte sie sich gut versorgt auf ihre letzte Reise vorbereiten, die sie dann am 6. Mai antrat.
Begleitet durch: Bestattung Nuck
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