Aufregung um Polizei-Schießen: Neue Fotos zeigen beispiellose Geschmacklosigkeit

Schieß-Event von Polizisten sorgt für eine Welle der Empörung und bringt Landesregierung sowie Polizeidirektion in Erklärungsnot.
Kennelbach Nach einem exklusiven VN-Bericht über eine Schießveranstaltung von Exekutiv- und Militärkräften im April 2023 in Kennelbach gehen die Wogen hoch. Die frühere SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner wurde in der Kulisse eines Schießkellers des Schindlersaals als leicht bekleidete Puppe mit Sexspielzeug auf dem Schoß des ehemaligen FPÖ-Parteichefs Heinz-Christian Strache dargestellt. Die Politik verurteilt die sexualisierten und frauenverachtenden Darstellungen übereinstimmend auf das Schärfste. Kritik hagelt es unterdessen für Landesrat Christian Gantner (ÖVP), der den Ehrenschutz des Polizei-Schießens übernommen hatte. Gantner geht auf Distanz und beschreibt die Szenerie selbst als “inakzeptabel”. Er habe nichts davon gewusst, sei selbst nicht anwesend gewesen. Mit den Vorgängen in Kennelbach wird sich auch Innenminister Gerhard Karner befassen müssen. Eine parlamentarische Anfrage liegt bereits vor.

Neue Fotos der Veranstaltung vom 27. April 2023, die den VN vorliegen, zeigen die Geschmacklosigkeit im Detail. Was im Schießkeller vom Organisationsteam mit einer großen Zahl an Helfern – viele davon aus Polizeikreisen – aufgebaut wurde, lässt Beobachter sprachlos zurück. Die VN hatten den Organisator des regelmäßig stattfindenden Schieß-Events bereits am Montag auf die verstörenden Darstellungen angesprochen. “Bisher hat sich niemand darüber aufgeregt”, zeigte sich der ehemalige Polizist verwundert. Ähnliche Darstellungen – etwa mit Russlands Präsident Wladimir Putin oder dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton und Monica Lewinsky – habe es schon in früheren Jahren gegeben, erzählte er freimütig. Demnach musste den Teilnehmern – allesamt behördliche Waffenträger – bekannt gewesen sein, was sie in Kennelbach erwartet. Gestört hatte das offenbar niemand.

Unklar ist unterdessen die Rolle der Landespolizeidirektion Vorarlberg (LPD). Auf eine schriftliche VN-Anfrage hieß es noch am gestrigen Dienstag, man habe in keiner Weise an den dortigen Veranstaltungen mitgewirkt. Das Einladungsschreiben zur Veranstaltung lässt unterdessen den Schluss zu, dass der damalige Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher in offizieller Funktion neben Landesrat Gantner den Ehrenschutz übernommen hatte und eine Mitwirkung damit sehr wohl gegeben war. Eine neuerliche Anfrage blieb vorerst unbeantwortet. Eine klare Antwort kommt hingegen von Gantner selbst. Er habe erst aus den VN von den inakzeptablen Darstellungen erfahren und erst später davon, dass er für diese Veranstaltung überhaupt den Ehrenschutz übernommen hatte. Heute sei er jedenfalls froh, der Einladung nicht gefolgt zu sein. Er werde zukünftig auch vorsichtiger prüfen.
Gerpüft werden die Vorgänge auch innerhalb der Landespolizeidirektion Vorarlberg, wie Direktorin Uta Bachmann gestern in einer Aussendung mitteilte. Demnach sind bereits Schritte zur dienstrechtlichen Überprüfung eingeleitet worden. Zudem würden Maßnahmen zur Sensibilisierung von allen Polizistinnen und Polizisten ergriffen.

Politisch dürfte es damit aber nicht getan sein. “Dass ein Mitglied der Landesregierung seinen Namen für eine Veranstaltung hergegeben hat, bei der eine Frau auf diese Weise herabgewürdigt wurde, wirft Fragen auf, für die Landesrat Gantner nun Rede und Antwort zu stehen hat”, sagt SPÖ-Landtagsabgeordnete Manuela Auer. Sie will auch wissen, ob beteiligte Vereine oder die Veranstaltung finanziell unterstützt wurden. In der Sache selbst gibt es unterdessen einen politischen Schulterschluss. Die Grünen verurteilen “solche Herabwürdigungen auf das Schärfste”. “Ich erwarte mir das auch von unserer Landesregierung und fordere sie auf, sich geschlossen von dieser Geschmacklosigkeit zu distanzieren”, so Frauensprecherin Eva Hammerer. “Eine Politikerin auf diese Weise darzustellen, überschreitet eine klare Grenze”, findet ÖVP-Landesrätin Martina Rüscher und setzt sich für Solidarität über die Parteigrenzen hinweg ein.