“Der Gewinner ist immer der breite Markt”

15.10.2026 • 15:18 Uhr
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Nicht nur Aktien: Der Kaptialmarktstratege rät zu Fonds, die eine gute Kombination mehrerer Anlagemöglichkeiten bietet. AFP/Roland

Sparen wird schwieriger. Und schwierig ist für viele Menschen, welches Instrument sie wählen sollen, um eine Rendite zu erhalten. Großes Interesse an Ratschlägen von Kapitalmarkt-Experten.

Dornbirn Oktober ist der Monat, in dem Sparen und Zukunftsvorsorge von den Banken in den Mittelpunkt gestellt werden, Oktober ist natürlich auch der Monat der Ernte, der Bilanz. So viel steht fest. Der Wille zum Sparen ist ungebrochen – in Vorarlberg sowieso –, der finanzielle Spielraum wird jedoch enger, wie eine Studie der Erste Bank und der Sparkassen zeigt. Sparende Österreicherinnen und Österreicher legen im Schnitt 306 Euro pro Monat zur Seite, um 14 Euro weniger als noch vor einem Jahr. Es gibt auch einen ziemlich großen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Männer sparen im Schnitt 384 Euro im Monat, Frauen 227 Euro und damit rund 40 Prozent weniger. Rechnet man die Inflation heraus, liege der Sparbetrag real in etwa auf dem Niveau von 2016 (Schätzung auf Basis des Verbraucherpreisindex und der WIFO-Prognose für 2026), heißt es in der Studie. Nur noch 34 Prozent sind mit diesem Betrag zufrieden, nach 39 Prozent im Vorjahr. Das ist der niedrigste Wert seit 2014. Ein Drittel sagt, dass am Monatsende nichts mehr zum Sparen übrig bleibt. Mit 33 Prozent sind das um vier Prozentpunkte mehr als 2025.

Mehr Wertpapiere, weniger Bausparen

Gesamtwirtschaftlich sank die Sparquote der privaten Haushalte laut vorläufigen Daten von Statistik Austria 2025 von 11,7 auf 10,0 Prozent, für 2026 erwartet das WIFO 8,7 Prozent. Geändert hat sich, wie gespart wird. Laut der Sparkassen-Studie bleiben Sparbuch bzw. Sparkonto mit 79 Prozent die meistgenutzte Sparform. Der Anteil jener, die Wertpapiere nutzen, steigt von 38 auf 40 Prozent. Damit haben Wertpapiere das Bausparen überholt. Und genau deshalb ist das Interesse der Sparer an Fonds und Aktien auch in Vorarlberg sehr groß.

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Sparkasse-Dornbirn-Vorstand Martin Jäger (li.) und Flossbach-von-Storch-Kapitalmarktstratege Thomas Lerch: “Nicht jedem Hype an den Börsen folgen”.VN Scalet

Eine Informationsveranstaltung der Dornbirner Sparkasse mit Thomas Lerch, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch, einem der führenden unabhängigen Vermögensverwalter Europas, war binnen 24 Stunden ausgebucht, wie Sparkasse-Dornbirn-Vorstand Martin Jäger berichtet. Lerch ist seit Anfang 2017 als Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch tätig, seit 2026 zählt er auch zum Partnerkreis. Zuvor arbeitete er u. a. für die Credit Suisse sowie die Berenberg Bank und Deka Investment.

“Hohe Volatilität”

Kapitalmarkt-Insider Lerch rät zu dem, was er selbst tut und was der Philosophie von Flossbach von Storch und der Dornbirner Sparkasse entspricht: Nicht jedem Hype an den Börsen folgen, sondern auf zuverlässige Kombinationen aus Aktien, Anleihen und Gold setzen. Das sei eigentlich immer die bessere Option, verweist er auf langjährige Ertragskurven. “Bei den Erträgen am europäischen Aktienmarkt ist es über die letzten 16 Jahre durch Krisen übrigens zu keinem Einbruch gekommen. Die aktuellen Krisen spiegeln sich an den Börsen übrigens anders als erwartet wider. Inflation und Preissteigerungen sorgen dafür, dass auch die Kurse steigen. “Wenn nichts teurer wird, dann steigen auch die Unternehmenswerte nicht”, bringt es Lerch auf den Punkt.

Konservative Strategie

Der Finanzdienstleister setzt nicht auf Spekulation, sondern investiert konservativ, wie Lerch und Jäger hervorheben. Das Ergebnis dieser Strategie ist über die Jahre eine zuverlässige Performance, die Dividendenrendite liegt bei rund 4,5 Prozent. Den meisten Kunden gehe es auch nicht um schnelle Gewinne: “Die Mehrheit hat eine abgeschlossene Vermögensbildung und will so dieses Vermögen erhalten.” Dass sich Menschen mit geliehenem Geld, also mit Krediten, ins Aktiengeschäft begeben, halten weder Lerch noch Jäger für eine gute Idee. “Dafür müsste man außerdem zuerst eine Bank finden, die dafür Kredit gibt”, so Sparkassen-Vorstand Jäger. “Der Gewinner ist immer der breite Markt”, resümiert Lerch und gibt nochmals den Tipp, “sich nicht von Allzeithochs” mitreißen zu lassen.