Cyber-Mobbing kennt keinen Schulschluss

Eine neue Fachstelle der Kinder- und Jugendanwaltschaft soll Mobbing-Betroffene auch außerhalb der Schule unterstützen.
Schwarzach Wenn nach Schulschluss Beleidigungen und Abwertungen im Klassenchat weitergehen, finden Betroffene oft keine Ruhe. Mobbing verlagert sich zunehmend in die Freizeit und ins Internet. Daher nimmt nun eine neue Fachstelle bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft (KiJa) Vorarlberg ihre Arbeit auf. “Wir wollen die Lücke zum Bildungssystem schließen”, sagt Christian Netzer, Vorarlbergs Kinder- und Jugendanwalt.
Die Grenzen verschwimmen, sagt Netzer: “Wir erleben immer mehr, dass sich Mobbing in den Freizeitbereich verlagert und durch den Cyberbereich 24 Stunden am Tag auf die jungen Menschen auswirkt.” Im Oktober wurde eine repräsentative Umfrage des deutschen Bündnisses gegen Cyber-Mobbing veröffentlicht, die Einblick in die Situation im Nachbarland gibt. Demnach gaben 20,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler zwischen sieben und 20 Jahren (2024 waren es 18,5 Prozent) an, Ziel eines Cybermobbing-Angriffs gewesen zu sein.

Gerade online stellen sich dadurch zusätzliche Fragen. Wer kann beleidigende Inhalte löschen lassen? Wie lassen sich bestimmte Personen oder Inhalte sperren? Dafür brauche es Wissen, das über den schulischen Bereich hinausgehe, erklärt Netzer. Die neue Fachstelle soll Betroffene begleiten, Zuständigkeiten klären und dort koordinieren, wo mehrere Stellen zusammenarbeiten müssen. Für Mobbingfälle innerhalb der Schulen bleiben weiterhin die Schulleitungen und die Bildungsdirektion verantwortlich.
So erreicht man die Fachstelle Mobbing
Kinder- und Jugendanwaltschaft Vorarlberg
Schießstätte 12, 6800 Feldkirch
Telefon: 05522 84900
WhatsApp: 0664 8898 6890
E-Mail: kija@vorarlberg.at
Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym, telefonisch, per E-Mail, per Messenger oder persönlich.
Bedarf wird erhoben
Wie viele Fälle künftig bei der KiJa landen werden, lässt sich noch nicht abschätzen, berichtet Netzer. Derzeit begleitet sie fünf bis sechs Mobbingfälle. Eines der Hauptziele im ersten Pilotjahr sei deshalb, herauszufinden, wie groß der Bedarf in Vorarlberg tatsächlich ist.
Zusätzliches Personal gibt es vorerst nicht. Drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich für den Bereich speziell fortgebildet, die KiJa verteilt ihre vorhandenen Ressourcen intern neu. Sollte sich zeigen, dass diese nicht ausreichen, werde man das der Landesregierung rückmelden, sagt Netzer. Er wolle zunächst erheben, was gebraucht werde und wie sich die Situation entwickle, statt sofort zusätzliche Kosten zu fordern.
Nicht jeder Streit ist Mobbing
Netzer beobachtet sowohl eine stärkere Sensibilisierung als auch eine tatsächliche Zunahme in bestimmten Bereichen. Der digitale Raum eröffne neue Möglichkeiten für Angriffe, die Betroffene auch nach Schulschluss erreichen. Eine genaue Abgrenzung sei aber wichtig, sagt er: “Nicht jeder Streit ist Mobbing.” Entscheidend seien unter anderem der Leidensdruck, ein Machtgefälle und die Dynamik einer Situation. Starre zeitliche Grenzen gebe es bei der Einschätzung nicht. “Mobbing lässt sich nicht allein daran festmachen, wie lange eine Situation bereits andauert”, betont Netzer. Konflikte dürften dennoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Auseinandersetzungen gehörten zwar zur Entwicklung junger Menschen, sie müssten dabei aber begleitet werden.
Auch die Neos begrüßen die Einrichtung und verweisen auf ihre Initiativen im Landtag für eine Ausweitung der KiJa-Zuständigkeit und niederschwellige Meldewege. Entscheidend wird nun sein, ob die Fachstelle die Betroffenen erreicht und die vorhandenen Ressourcen ausreichen.
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Beratung über WhatsApp möglich
Die neue Fachstelle bietet Beratung telefonisch, per E-Mail, über Messenger-Dienste oder persönlich an. Die Angebote sind kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Auch Eltern, pädagogische Fachkräfte und Vereinsverantwortliche können sich an die KiJa wenden. Neben der Bearbeitung konkreter Fälle gehören Prävention und die Vernetzung mit anderen Einrichtungen zu den Aufgaben.