“Keiner kennt sich aus”: Bus-Chaos an Ersatzhaltestelle in Bregenz

Beim Kreisverkehr in Bregenz fuhren viele Busse vorbei, doch keiner nahm die Fahrgäste Richtung Lochau und Hörbranz mit.
Bregenz “Am Dienstag wartete ich eineinhalb und am Mittwoch zweieinhalb Stunden auf den Bus”, sagt Brunhilde Hammerer (78). “Dann musste ich für jeweils zwanzig Euro mit dem Taxi nach Tannenbach nach Hause fahren.” Sie stand beide Tage an einer Ersatzhaltestelle beim Kreisverkehr Bregenz, gegenüber von “Bregenz Hafen”. Zeitweise warteten dort mehr als 20 Personen, die sich wunderten, dass keine der drei Buslinien stadtauswärts fährt. Alle Busse, die vorbeikamen, nutzten den Kreisverkehr zum Wenden und fuhren zum Bahnhof zurück.

Viele Betroffene
Die Ersatzhaltestelle übernimmt die Funktion der Haltestelle vor der HTL Bregenz, die wegen Bauarbeiten in der Reichsstraße derzeit nicht angefahren wird. Von dort verkehren normalerweise die Landbusse 120 und 125 nach Hörbranz sowie der Stadtbus 101 eine Runde über Tannenbach.


Ohne am Bahnhof Bregenz über die Fahrplanabweichungen informiert worden zu sein, wurden viele Fahrgäste in den drei Buslinien bis zum Kreisverkehr mitgenommen und dort zum Aussteigen aufgefordert. “Keiner kannte sich aus”, schildert Hammerer. “Circa alle Viertelstunde kam ein Bus, aber keiner nahm uns mit.”

Simon Beauvais wartete am Mittwochabend ebenfalls dort. Er überprüfte die aktuellen Busverbindungen über die CleVVVer-mobil-App. Doch obwohl einige Busse regulär angezeigt wurden, kamen sie nicht oder nahmen keine Fahrgäste mit. Schließlich nahm er den nächsten Zug nach Lochau-Hörbranz, wo er dann nochmals umsteigen musste. “Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht in Bregenz ausgestiegen, sondern gleich mit dem Zug weitergefahren”, sagt der 47-Jährige.


Für Brunhilde Hammerer war der Zug jedoch keine Alternative. “Tannenbach ist nicht so weit weg, aber ich habe körperliche Beschwerden und kann nicht so weit gehen”, erklärt sie. Bei einer weiteren Betroffenen, Christine Konstatzky, war das Gegenteil der Fall: “Als ich merkte, dass die Busse niemanden mitnahmen, nutzte ich die Zeit und ging zu Fuß zum Bahnhof Lochau-Hörbranz.” Die 55-jährige Hörbranzerin besitzt eine Jahreskarte und empfindet solche Vorfälle als Ausnahme.

Starke Verspätungen
Einem Sprecher der Leitstelle Landbus Unterland und Michael Hußendörfer, Betriebsleiter der Stadtbusse Bregenz, tun die Vorfälle sehr leid. Doch die äußeren Umstände seien in den vergangenen Tagen schwierig gewesen: Unfälle und vor allem die Baustelle in der Bregenzer Reichsstraße brächten viel Stau und Verzögerung mit sich.

“Manche Busse konnten am Mittwoch vier bis fünf Grünphasen lang den Bahnhof nicht verlassen”, schildert Hußendörfer. Auch wenn sich der Verkehr Stunden später beruhigt, können die Busse aufgrund des Dominoeffekts noch immer stark verspätet sein. “Es passiert nur ungefähr einmal im Quartal, dass wir eine Buslinie ganz ausfallen lassen müssen. Das ist keine leichte Entscheidung. Doch wir hatten bis zu 25 Minuten Verspätung.” Beim Landbus Unterland seien es sogar 50 Minuten gewesen. Erschwerend kämen die nötigen Pausen und gesetzlich begrenzten Lenkzeiten der Busfahrer hinzu.

Der Sprecher der Leitstelle Landbus Unterland erwähnt, dass die Anzeige von Fahrplanabweichungen in der App und die Kommunikation mit den Fahrgästen besser sein könnten und man daran arbeiten wolle. Die Baustelle könnte bei Schönwetter schon frühzeitig diesen Samstag abgeschlossen sein. Bis dahin sollten Betroffene gleich den Zug in Erwägung ziehen. Für die Personen, denen diese Strecke nicht hilft, wolle man versuchen, bei Bedarf einen Reservebus zu organisieren.