Sie kämpfte wie eine Löwin ums Überleben

Karin Hämmerle erkrankte 2017 an Brustkrebs. Nach einer OP war sie krebsfrei. Aber nach vier Jahren kam der Krebs zurück.
Brand Karin Hämmerle (heute 45) aus Brand wurde mit 36 Jahren schwer krank. “Aus meiner linken Brustwarze trat Flüssigkeit aus. Ich habe deshalb meine Frauenärztin kontaktiert. Ihre Assistentin riet mir, sofort ins Spital zu gehen.” Die Ärzte hatten nach verschiedenen Untersuchungen keine gute Nachricht für die Mutter zweier kleiner Kinder. Sie teilten ihr mit, dass sie an Brustkrebs leidet. “Sie rieten mir dazu, vorsorglich beide Brüste entfernen zu lassen.” Doch das war für Hämmerle keine Option. “Mir fehlte der Mut zu diesem radikalen Schritt.” In der linken Brust hatte man einzelne Tumorzellen entdeckt. “Aber ich hatte noch keinen Tumor.” Ein Arzt in Schwaz operierte sie im Jahr 2018 brusterhaltend.
Die Diagnose Brustkrebs erlebte Hämmerle als tiefen Fall. “Du weißt nicht, wie es endet.” Hämmerle kämpfte ums Überleben. “Ich musste kämpfen, schon wegen meiner zwei Kinder. Die waren damals erst vier und sechs Jahre alt.” Der Gedanke, die Kinder nicht mehr aufwachsen zu sehen, war unerträglich für sie. Nach der Operation war die zweifache Mutter krebsfrei.

Die Restaurantfachfrau kehrte in ihren Familienalltag zurück und ging wieder arbeiten im Hotel Zimba in Brand. “Vier Jahre lang war alles gut. Dann habe ich an Silvester 2021 beim Duschen einen Knoten unter meiner Achsel entdeckt.” Hämmerle rief ihren Arzt in Schwaz an. Dieser operierte sie im Februar 2022. “Mir wurden Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Die Metastasen im Brustbein hingegen waren inoperabel.” Nach der OP standen Chemotherapie und Bestrahlung an. Und wieder kämpfte die zweifache Mutter wie eine Löwin ums Überleben. Schließlich gab es Menschen in ihrem Leben, die sie noch dringend brauchten.

Die Chemo erstreckte sich über acht Monate. “Manchmal war ich so schwach, dass ich nicht aus dem Bett kam.” Sie vergleicht die Chemo mit einer Bergtour auf einen 3000er. “Die 25 Bestrahlungen hingegen waren eine kleine Wanderung.” Vor vier Jahren schloss Hämmerle die Akuttherapie ab. Aber noch heute muss sie sich einer antihormonellen Therapie unterziehen. “Mein Körper darf keine weiblichen Hormone produzieren. Die tägliche Pille ist für mich eine Art Lebensversicherung.”

Die schwere Krankheit hat die Brandnerin verändert. “Ich bin demütiger und gläubiger geworden.” Hämmerle lebt heute achtsamer: “Ich schaue den vorbeiziehenden Wolken am Himmel zu und bewundere die Blumen am Straßenrand.” Ihre Dankbarkeit ist groß. “Mir wurde ein zweites Leben geschenkt.” Sie hofft, dass der Krebs nicht zurückkommt und sie noch lange leben darf. “Mein Gottvertrauen ist groß.” Weil sie aus Dankbarkeit dem Leben etwas zurückgeben möchte, engagiert sie sich für die Frauenselbsthilfe nach Krebs in Vorarlberg. Der Verein bietet Betroffenen Raum zum Erfahrungsaustausch, gegenseitige Unterstützung sowie verschiedene regionale Gruppenangebote und Aktivitäten. “Seit einem Jahr leite ich die Selbsthilfegruppe.” Diese war auch Hämmerle eine Stütze, als sie krank war.