Kommentar: Ordentlich ist ein Hilfsausdruck
Mein Nachbar hat mir eine Nachricht geschickt: Holz ist geschnitten. Danke, Alfred, bin bereit! Ich habe das Holz schon vor ein paar Wochen bestellt, während Alfred noch auf den Feldern beschäftigt war und Heu von den Wiesen einbrachte; wird heuer knapp, sagte er. Habs nicht eilig, sagte ich, für ein paar Tage Feuer im Ofen reichts noch.
“Holz”, das heißt zwischen Alfred und mir: einen Anhänger voller Holzscheite, zwei Kubikmeter. Ich muss nicht fällen, ich muss nicht schneiden, ich muss nicht scheiten, das macht alles Alfred, und dann stellt er mir den Anhänger direkt in meinen Innenhof vor den Schuppen. Ich muss das Holz nur mit dem Schubkarren ein paar Meter hineinrollen und dann aufschlichten.
So ein Wagen mit zwei Meter Holz schaut fürs Erste einmal ziemlich gewaltig aus, wenn man in festen Stiefeln und mit Arbeitshandschuhen davor steht. Aber ich weiß schon: In zwei Stunden ist das erledigt.
Manchmal bestelle ich die Holzlieferungen so, dass ganz zufällig gerade Freunde auf Besuch sind, wenn der große Wagen kommt. Wie letztes Mal, als die Fini da war. Ich habe patente Freundinnen und Freunde, und für gewöhnlich brauchen wir dann nur die halbe Zeit. Diesmal nicht.
“Ich übernehme das Schlichten!”, sagte die Fini. Ich kenne Finis Wohnung, ordentlich ist ein Hilfsausdruck. Alles ist pedantisch picobello dort, nichts steht an einem Ort, an dem es nicht hingehört. Wenig verwunderlich also, dass die Fini auch eine, Hilfsausdruck, sehr sorgfältige Schlichterin ist.
Jetzt kommen die Holzscheite vom Alfred in ziemlich unterschiedlichen Formen daher, eckig und rund, dick und dünn, kürzer oder länger. Wenn also die Fini zwei Meter davon einschlichtet, dann ist es ungefähr so, wie wenn andere ein 1000-Teile-Puzzle machen. Es dauert auch ungefähr so lang. Ich hatte viel Gelegenheit, der Fini beim Puzzeln zuzuschauen, weil sie mir nicht erlaubt hat, ihr beim Schlichten zu helfen. “Du kannst das nicht”, hat die Fini gesagt, “du machst das nicht gescheit, das schaut furchtbar aus, und wie soll das halten, das fällt doch um.” Ich hab eingewendet, dass ich das doch schon ein paar Mal gemacht habe, in den letzten siebzehn, nein, achtzehn Wintern und dass es nie umgefallen ist. “Papperlapapp”, hat die Fini gesagt. Es hat sehr kunstvoll ausgesehen, als die Fini fertig war. So schön war es wirklich noch nie.
Leider wurde auch Finis Holz-Puzzle, trotz ihrer Proteste, Stück für Stück im Ofen verheizt. Ich time die Holzlieferung jetzt immer so, dass die Fini fix nicht da ist, wenn sie kommt. So wie heute. Der Wagen steht schon draußen. Kunstvoll wird’s nicht, aber in zwei Stunden ist es erledigt.
Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.
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