Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Politik / 17.01.2014 • 22:41 Uhr

Der Druck ist enorm. Der Druck, mit dem Wasser und chemische Zusätze ins Gestein gepresst werden, um das darin gebundene Schiefergas freizukriegen. Der Druck der Bürger, die irreparable Umweltschäden fürchten. Der Druck der Industrie, die Energie braucht. Günstige Energie. Sonst verliert sie im Wettbewerb. Und es wollen doch alle weiter konsumieren. Auch die Wutbürger, oder nicht?

Wir durchleben eine Zeit im Wandel. Noch hat die viel besprochene Energiewende nicht wirklich angefangen. Aber sie wird greifen müssen. Nicht nur, weil Atomkraft zu gefährlich ist. Auch deshalb, weil die herkömmlichen Energiequellen versiegen. Kohle und Erdöl sind als Energielieferanten nicht nur umweltschädlich. Sie sind auch endlich. Die Erdölvorräte der Welt reichen noch 40 Jahre. Wenn wir weniger verbrauchen, halten sie länger. Aber eines Tages wird es einfach kein Öl mehr geben. Was dann?

Deshalb also die Energiewende. Daher auch der entzückte Aufschrei, wenn es einem Land wie den USA gelingt, mit einer Fördermethode an Erdgas heranzukommen, das bislang nicht verfügbar war. Hurra! Es geht weiter. Und alle wollen mit. Das ist verständlich. Auch, wenn sich der Frackingboom in ein paar Jahren als Luftblase herausstellen wird, bleibt das Prinzip bestehen. Es lautet: Ausloten, was noch da ist. Und auf dem bestehenden Niveau weiterleben, produzieren, konsumieren.

Da sagen jetzt immer mehr Bürger „Nein“. Sie lassen sich auch nicht von Nachrichten wie dem „sauberen Fracking“ so ohne Weiteres beeindrucken. Natürlich geht es ohne Chemie. Aber dann schwindet die Ausbeute, und die Kosten steigen. Bis heute erfüllen die getesteten Verfahren ihren Zweck nicht, günstig Erdgas zu fördern.

Deshalb ertönt der Aufschrei am Bodensee zu Recht. Laut soll er sein, unüberhörbar. Er lautet: So nicht! Kein Erdgas, wenn dabei Trink- und Grundwasser in Gefahr geraten. Kein Erdgas, wenn niemand weiß, ob die Erdkruste sich nicht mit Beben rächen wird. Kein Erdgas, wenn wir dafür das Paradies Bodensee hergeben müssen.

Alle, die da unterschreiben, sind aber auch aufgerufen, ihren eigenen Energieverbrauch zu hinterfragen. Die Energiewende ist eine Lebenswende. Wir sollten sie freiwillig vollziehen, bevor wir dazu gezwungen werden. ##Thomas Matt##

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