Kodex für Wanderer, Ratgeber für Bauern

11.03.2019 • 21:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kohler:
Kohler: „Der Wanderer muss einfach wissen, was ihm passieren kann.“VN

Auf Kuhurteil folgen neue Spielregeln und eine Gesetzesänderung.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Attackiert eine Kuh einen Wanderer, tragen Landwirte künftig nicht mehr automatisch die gesamte Verantwortung für ihre Tiere. Auch das Verhalten der Geschädigten soll berücksichtigt werden. Eine entsprechende Gesetzesänderung sei in Arbeit, hat die Regierung nun angekündigt. Für Bauern wird ein Ratgeber erstellt, der zeigt, woran sie sich halten müssen. Für Wanderer soll ein Verhaltenskodex die Spielregeln festlegen. Gleichzeitig kündigen Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger an, bundesweit einheitliche Modelle zu Versicherungs- und Haftungsfragen für Bauern schaffen zu wollen. Gelten soll all das schon ab Mai. „Wir brauchen das Paket bereits für die bevorstehende Almsaison“, sagt Moosbrugger im VN-Gespräch.

Die Eile liegt in einem erstinstanzlichen Gerichtsurteil begründet, wonach ein Tiroler Bauer wegen einer tödlichen Kuhattacke 490.000 Euro Schadenersatz zahlen muss. Ein solcher Fall soll künftig verhindert werden. Hielten sich Almbewirtschafter an den neuen Ratgeber, seien sie von der Haftung befreit, erklärt Moosbrugger. Gleichzeitig würde von Wanderern mehr Eigenverantwortung verlangt. „Denn derzeit gibt es eine Art Vollkasko“, obwohl man beim Wandern fremdes Eigentum betrete. Künftig würde es Spielregeln geben. „Zum Beispiel, dass ich nicht quer durch eine Herde marschiere, sondern vielleicht ein paar Meter Umweg mache. Wenn ich mit dem Hund unterwegs bin, kann es auch sein, dass ein Durchqueren dieser Mutterkuhherden verboten wird“, hält der Landwirtschaftskammerpräsident fest. Ein generelles Hundeverbot auf Almen kommt für ihn grundsätzlich nicht infrage. 

Die Bauern werden die Wanderer in Zukunft aber auf ihre Eigenverantwortung aufmerksam machen müssen. Ob das zu einem Schilderwald auf den Almen führt? „Jein. Grundlegend wollen wir das nicht“, antwortet Moosbrugger. Es brauche aber einfache Formen von Hinweisen, die insbesondere zeigen: „Da ist ein Weidebetrieb, und deswegen herrscht für Besucher eine entsprechende Sorgfaltspflicht.“

Ein Tiroler Bauer muss laut erstinstanzlichem Urteil wegen einer tödlichen Kuh­attacke hohen Schadenersatz zahlen. Die Regierung kündigt Maßnahmen an.VN
Ein Tiroler Bauer muss laut erstinstanzlichem Urteil wegen einer tödlichen Kuh­attacke hohen Schadenersatz zahlen. Die Regierung kündigt Maßnahmen an.VN