Warum Rauchen in Österreich vergleichsweise billig ist

Politik / 23.04.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Österreich sind Zigaretten relativ preiswert. APA

Steuerreform: IHS und Mediziner empfehlen eine Steuererhöhung.

Johannes Huber

Wien Das Wort Steuererhöhung ist grundsätzlich negativ besetzt“, weiß Hans Concin vom Vorarlberger „Arbeitskreis für Vorsorge und Sozialmedizin“ (aks): „Aber so simpel darf man die Dinge einfach nicht sehen. Steuererhöhungen können auch sehr sinnvoll sein.“ Zum Beispiel dann, wenn sie der Gesundheit dienen und gegen Alkohol und Zigaretten gerichtet sind.

Doch eines nach dem anderen: Die Regierung ist dabei, weitere Details zu den Steuerreformen zu fixieren, die in den kommenden Jahren etappenweise durchgeführt werden sollen. Erhöhungen sind dabei tabu. Ziel ist es, die Steuerbelastung insgesamt zu senken.

Kein Widerspruch

In einem Papier zur Reform machen Benjamin Bittschi und Martin Kocher vom Institut für Höhere Studien (IHS) jedoch klar, dass die Erhöhung einzelner Steuern und eine Senkung der gesamten Steuerbelastung kein Widerspruch sein muss. Im Gegenteil: Es könnte sogar sehr sinnvoll sein. Zumal Österreich eine etwas andere Verteilung hat als der EU-Durchschnitt: Vor allem der Faktor Arbeit (Löhne) ist sehr stark belastet. Und man könnte ihn nun eben noch stärker entlasten, wenn man im Gegenzug in ein paar anderen Bereichen, in denen man unter dem europäischen Schnitt liegt, nachziehen würde.

Wobei das Beste ist: Diese Steuererhöhungen könnten auch im Sinne von Klima- und Gesundheitsschutz sein. Umweltsteuern seien in Österreich wenig ergiebig, heißt es im IHS-Papier. Die Mineralölsteuer ist in 20 von 28 EU-Ländern höher. Ähnliches gilt für Tabak- und Alkoholsteuern. Europaweit machen sie zwei Prozent des gesamten Steueraufkommens aus. In Bulgarien sind es mit 9,1 Prozent am meisten. In Österreich handelt es sich nur um eineinhalb Prozent. Lediglich in Deutschland, Schweden, den Niederlanden und Dänemark sind es noch weniger. Auch gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist der Anteil in Österreich mit 0,6 Prozent vergleichsweise bescheiden; in diesem Zusammenhang beläuft sich der EU-Schnitt auf 0,8 Prozent.

Der österreichische Wert ist nicht etwa darauf zurückzuführen, dass hierzulande kaum getrunken und geraucht wird. Es ist vielmehr so, dass zum Beispiel Zigaretten dank günstiger Besteuerung relativ preiswert sind. Die Tabakpreise liegen um 16 Prozente unter dem gesamteuropäischen Durchschnitt.

Erhöhung zurückgenommen

In Frankreich, wo jeder Dritte raucht, hat sich die Regierung vorgenommen, den Preis für eine Schachtel Zigaretten im kommenden Jahr auf zehn Euro zu bringen. In Österreich, wo mehr als jeder Vierte raucht, liegt das Niveau nur gut bei der Hälfte; eine Schachtel Marlboro kostet 5,50 Euro. Eine Steuererhöhung, die für 2019 bereits fixiert war, ist von ÖVP und FPÖ zurückgenommen worden.

Das passe dazu, dass die beiden Parteien auch ein Rauchverbot in Lokalen verhindert haben, wie Hans Concin bestätigt.

Ob das jedoch vernünftig ist? „Wissenschaftlich ist es eindeutig nachgewiesen, dass Preiserhöhungen den Konsum reduzieren“, erklärt der Mediziner. JOH