„Die Menschen möchten etwas Neues“, sagt der in Vorarlberg lebende Ukrainer Andriy Kuzo über den Wahltriumph von Selenskyj

Politik / 24.04.2019 • 13:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Lebensbedingungen in seinem früheren Heimatland seien derzeit schwierig, sagt Handballcoach und Kaffeehausbetreiber Kuzo. VN/STIPLOVSEK

Ergebnis der ukrainischen Präsidentschaftswahl sei keine Überraschung gewesen.

Kiew, Hard Die Präsidentschaftswahl in der Ukraine ist geschlagen. Mit einem Erdrutschsieg triumphierte der Komiker und Politikneuling Wolodymyr Selenskyj bei der Stichwahl am vergangenen Sonntag über Amtsinhaber Petro Poroschenko. Dieser will aber noch längst nicht aufgeben, erklärte er doch kürzlich, eine Rückkehr ins höchste Staatsamt anzustreben. Selenskyj steht ebenso wie Poroschenko für einen prowestlichen Kurs des Landes. Im Wahlkampf versprach der Fernsehstar, die korrupten Machtstrukturen in der Ex-Sowjetrepublik zerstören zu wollen. Außerdem kündigte er neue Friedensgespräche für die kriegsgeschüttelte Ostukraine an. Die Amtseinführung des mit 41 Jahren bislang jüngsten Präsidenten der Ukraine muss bis zum 3. Juni erfolgen.

Für den in Vorarlberg lebenden Handballtrainer und Kaffeehausbetreiber Andriy Kuzo, der ursprünglich aus der ukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg) stammt, war das Wahlergebnis keine Überraschung. Und das, obwohl die Ukrainer in Österreich mehrheitlich für Poroschenko gestimmt haben. „Die Menschen möchten etwas Neues. Insbesondere die Jungen“, erläutert der 40-Jährige, der in Hard das Café am Dorfbach betreibt und früher als Spieler zunächst bei Bregenz und anschließend beim Alpla HC Hard aktiv war.

 Selenskyj fuhr in der Stichwahl einen Erdrutschsieg gegen Poroschenko ein. AP
Selenskyj fuhr in der Stichwahl einen Erdrutschsieg gegen Poroschenko ein. AP

Die Bedingungen in der Ukraine seien schwierig, schildert Kuzo weiter. Seine Mutter verfüge beispielsweise über eine Pension von gerade einmal knapp 80 Euro im Monat, ein Großteil davon, nämlich 60 Euro, muss sie für die Miete ausgeben. Sein Vater ist verstorben. „Wie soll man denn von 20 Euro leben?“, fragt der Gastronom. Wegen seiner Familie reist der 40-Jährige regelmäßig in sein Geburtsland. Bereits seit zehn Jahren wohnt Kuzo in Vorarlberg, davor war er knapp zehn Jahre in Tschechien. „Ich kenne in der Ukraine aber viele Leute. Mit ihnen stehe ich in Kontakt.“

Nun gelte es abzuwarten, ob sich der künftige Präsident auch an seine Versprechen aus dem Wahlkampf halte, sagt Kuzo. Da Selenskyj noch neu auf der politischen Bühne ist, eröffne das vielleicht auch neue Chancen, etwa mit Blick auf die Gespräche mit Russland. „Als Komiker ist er ziemlich bekannt. Ob er auch ein guter Politiker ist oder nicht, muss man erst sehen.“