Bund zieht sich bei Schulsozialarbeit zurück

Politik / 02.09.2019 • 20:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Mangel an Beratungslehrern, Schulsozialarbeitern und  -psychologen und administrativem Personal mache sich bemerkbar, heißt es in der Lehrergewerkschaft. APA
Der Mangel an Beratungslehrern, Schulsozialarbeitern und -psychologen und administrativem Personal mache sich bemerkbar, heißt es in der Lehrergewerkschaft. APA

Weniger Geld für die Länder. Lehrer fordern Hilfe.

Birgit Entner-Gerhold

Wien „Es wundert mich nicht, dass immer mehr Lehrer überfordert sind“, sagt der Vorarlberger Pflichtschulgewerkschafter Gerhard Unterkofler. Der Mangel an Beratungslehrern, Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen mache sich österreichweit bemerkbar. „Leider können wir uns nicht darauf verlassen, dass der Bund mehr zahlt, es bleibt nur noch das Land.“ 

Das pädagogische Unterstützungspersonal wird in der Regel an Brennpunktschulen aktiv, die mit Gewalt, Mobbing oder Schulschwänzen zu kämpfen haben. In Österreich kommt derzeit auf 19 Lehrer ein Posten für Sozialarbeiter, Psychologen und Co. Im EU-Schnitt beträgt das Verhältnis laut OECD acht zu eins.

Dennoch fährt der Bund das Geld für Schulsozialarbeiter zurück. 2017 hat er über den Integrationstopf 107 Posten zur Gänze bezahlt. Jetzt finanziert das Bildungsressort die Stellen nur noch zur Hälfte. Die Länder stutzen das Personal in der Folge auf 76 Posten zurück. Auch in Vorarlberg sinkt die Zahl, wie Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink den VN erklärt: „Durch den Integrationstopf wurden vier Jahre lang sechs zusätzliche Personen durch den Bund eingestellt. Zwei Stellen davon werden vorläufig weitergeführt.“ Dafür schießt der Bund 54.000 Euro bei. Weitere knapp neun Vollzeitstellen finanziere Vorarlberg alleine, sagt Schöbi-Fink. Das Land investiere 860.000 Euro in die Schulsozialarbeit, die Gemeinden steuern rund 170.000 Euro bei. Rund 25 Schulen würden in Vorarlberg mit Schulsozialarbeitern unterstützt.

Derzeit arbeite die Sozialabteilung des Landes mit der Bildungsdirektion an einer neuen Strategie. Dabei werde das ganze Unterstützungssystem beachtet: vom Beratungs- und Kriseninterventionslehrer bis zum Sozialarbeiter und Psychologen. „Schulsozialarbeit ist wichtig, um Schulstandorte mit erhöhten sozialen Herausforderungen zu unterstützen und zu entlasten“, sagt Schöbi-Fink. „Wir können nicht mehr lange warten“, warnt Gewerkschafter Unterkofler. „Es ist fünf vor zwölf. Wir brauchen die Hilfe jetzt.“ VN-ebi