Harder Hafenprojekt erhitzt die Gemüter

Politik / 18.09.2019 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Das Gemeindeoberhaupt will das Volk in Sachen Hafenpläne befragen, große Teile der Opposition im Rathaus fordern eine Volksabstimmung.

Hard Wie viele Millionen Euro das Ganze schlussendlich verschlingen wird und wann gebaut werden soll, steht freilich noch in den Sternen. Faktum ist, dass am Harder Seeufer große Pläne gewälzt werden. Im Rathaus von Gemeindechef Harald Köhlmeier hat das Großprojekt jedenfalls nicht nur Freunde. Während die Volkspartei des Bürgermeisters hinter dem Vorhaben steht und mit 17 der 33 Stimmen in der Gemeindevertretung die Mehrheit besitzt, lehnen die drei Listen Grünes Hard sowie Sozialdemokraten und die Harder Liste massive Eingriffe in die Hafen- und Uferlandschaft strikt ab und fordern eine Volksabstimmung. Ein Antrag dafür wurde am 4. September eingebracht. DieHarder haben sich 2017 mit einer überwältigenden Mehrheit von 93 Prozent gegen die Pläne des Bürgermeisters ausgesprochen, die Hohentwiel oder andere große Schiffe ins Harder Binnenbecken einfahren zu lassen. „Trotz dieses Signals sind die Großschiffe wieder zentrales Gestaltungselement der neuen Hafenplanung“, kritisiert die grüne Gemeinderätin Eva Hammerer im Vorfeld der Gemeindesitzung am Donnerstag, 19. September.

Volksbefragung politischer Schachzug?

Um nämlich die Einfahrt großer Schiffe überhaupt ermöglichen zu können, müsse unter dem Titel „Durchstich“ eine 9000 Quadratmeter große Fläche abgegraben werden. „Hier wird der Wille der Bevölkerung nicht ernst genommen. Deshalb ist eine weitere Abstimmung unumgänglich. Es braucht eine Sanierung von Hafen und Strandbad. Die geplante Umgestaltung schießt aber weit über das Ziel hinaus und entbehrt im wahrsten Sinne des Wortes jeglicher Bodenhaftung“, sagt Hammerer und erhält dabei Zustimmung von Anton Weber (Harder Liste) und Björn Riedmann (SP). Bei der Abstimmung sollen die Bürger die Frage „Soll im Zuge einer Neugestaltung des Seeufers die Landfläche zwischen Zoll- und Sporthafen erhalten bleiben?“ beantworten. In der Volksbefragung zum Thema Ausbau, die Bürgermeister Köhlmeier bei der Gemeindesitzung beschließen lassen will, sieht Hammerer einen politischen Schachzug. Von diesem erhoffe sich der Gemeindechef, sich eine Debatte über die Umgestaltung der Hafen- und Uferlandschaft im Wahlkampf im Frühjahr 2020 ersparen zu können.

Harder wegen Leitbild befragen

„Eine Volksabstimmung greift zu kurz, würden die Bürger doch nur über eine einzelne Idee des Vorhabens abstimmen.“

Harald Köhlmeier, Bürgermeister, VP

„Mit der Entwicklung des Hafenareals bietet sich uns die einmalige Chance, ein für alle Harder bedeutendes Areal für kommende Generationen zu gestalten und zu attraktivieren“, betont der Bürgermeister. Aus dem bisherigen Prozess zur Entwicklung des Quartiers, der von Experten begleitet wurde „und bei dem die Bevölkerung im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses von Beginn an miteingebunden war“, resultierten verschiedene Ideen, die in einem Entwurf eines Leitbildes zusammengefasst und der Bevölkerung im März 2019 präsentiert wurden. „Diese Beiträge dieser Veranstaltung wurden anschließend eingearbeitet.“ Teil dieses Leitbildes sei auch die Idee der Schaffung einer neuen Wasserfläche zwischen dem Sport- und dem Zollhafen. Diese Erwägung stoße bei Teilen der Opposition auf Kritik. Für Köhlmeier steht fest: „Eine Volksabstimmung greift zu kurz, würden die Bürger doch lediglich über eine einzelne Idee entscheiden. Angesichts der Komplexität der Hafenentwicklung sollte aber der Blick auf das Gesamte nicht außer Acht gelassen werden.“ Eine Volksbefragung sei daher das weitaus bessere Mittel. „Denn damit haben die Harder die Möglichkeit, darüber zu entscheiden, ob das entwickelte Leitbild, das derzeit nur aus Ideen aber noch keine entscheidungsreifen Projekte enthält, weiterverfolgt werden soll“, schloss Köhlmeier, der vorbehaltlich des Beschlusses „noch heuer das Volk befragen will.“

„Die geplante Umgestaltung schießt weit übers Ziel hinaus und entbehrt im wahrsten Sinne des Wortes jeglicher Bodenhaftung.“

Eva Hammerer, Grünes Hard