Die Balkanroute unter Beobachtung

Politik / 25.10.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Griechenland kämpft mit steigenden Flüchtlingszahlen. Heuer kamen dort bereits fast 53.500 Menschen an. REUTERS

Die Asylzahlen in Österreich gehen zurück, während die Flüchtlingsankünfte in Griechenland wieder steigen.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Mit dem positiven Asylantrag beginnt eigentlich erst die Arbeit. Laut UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) ist in Österreich die Integration die größere Herausforderung als neue Asylverfahren. Es gibt immer weniger Anträge, wie die jüngste Statistik des Innenministeriums zeigt. Von Jänner bis September 2019 wurden demnach 9155 Asylanträge gestellt. 2018 waren es im gleichen Zeitraum 10.666.

Seit 2015 haben mehr als 90.000 Menschen in Österreich Schutz erhalten, sagt Christoph Pinter, Leiter von UNHCR Österreich. Für sie brauche es eine Integrationsoffensive, die auch der österreichischen Gesellschaft zugute komme. Der künftigen Regierung rät Pinter nicht nur Deutschkurse auszubauen und Ausbildungsmaßnahmen zu setzen. Es müsse auch die Sozialhilfe für Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte neu geregelt werden: „Sie kann ein wichtiger Integrationsmotor sein.“ Außerdem fordert Pinter eine unabhängige Rechtsberatung und von Österreich eine stärkere Rolle im europäischen und globalen Flüchtlingsschutz. Die Bundesregierung müsse sich für ein faires, solidarisches Asylsystem in Europa stark machen. Bisher ist eine europäische Lösung an Differenzen zwischen den Mitgliedsstaaten gescheitert.

An den österreichischen Grenzen ist es derzeit ruhig. Es seien um 13 Prozent weniger Flüchtlinge aufgegriffen worden als 2018, heißt es im Innenressort auf VN-Anfrage. Die Situation sei aber dynamisch. Man beobachte die Lage an der Balkanroute ganz genau.

Diese beginnt in Griechenland, wo die Ankünfte von Flüchtlingen dem Höchststand von 2016 wieder nahe kommen. Insgesamt erreichten heuer laut UNHCR bereits knapp 92.000 Flüchtlinge und Migranten den europäischen Mittelmeerraum. Fast 53.500 von ihnen kamen in Griechenland an. Laut Informationen der UNHCR ist die Zunahme der Ankunftszahlen teils saisonabhängig: „Zwischen Juli und November kommen regelmäßig mehr Flüchtlinge und Migranten an“, heißt es auf VN-Anfrage. Sie würden überwiegend aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien und Afghanistan stammen: „Einige der Neuankömmlinge haben unseren Teams vor Ort gesagt, dass sie die Überfahrt über das Mittelmeer wegen Kampfhandlungen oder der unsicheren Lage in ihren Heimatländern unternommen haben.“ Andere wiederum würden wegen der schwierigen Bedingungen in ihren Erstaufnahmeländern fliehen. Laut VN-Informationen sind etwa im wirtschaftlich angeschlagenen Iran vermehrt Fluchtbewegungen zu verzeichnen. Vor allem Afghanen seien dort betroffen. Wie sich die Situation entwickelt, ist laut UNHCR schwer vorhersehbar.