SPÖ will temporäres Abfahrverbot in Bludenz

Politik / 11.11.2019 • 22:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wie in Tirol und Salzburg soll damit der Ausweichverkehr bekämpft werden.

Bludenz, Bregenz Der Schritt in Tirol sorgte für Aufsehen in den Nachbarstaaten. Weil zahlreiche Autofahrer versuchten, über die Dörfer möglichen Staus auf der Autobahn auszuweichen, stieg der Verkehr im Inntal auch auf Nebenstraßen an. So sehr, dass sich die Tiroler Landesregierung zu einem ungewöhnlichen Schritt gezwungen sah: An starken Reisetagen werden besonders betroffene Autobahnabfahrten für den Durchzugsverkehr gesperrt. Die Autos müssen auf der Autobahn bleiben, ob Stau oder nicht. Die Bludenzer SPÖ fordert, dieses Instrument auch in Vorarlberg einzusetzen. Ein Antrag wird am Donnerstag auf der Stadtvertretungssitzung eingebracht. Die Freude über Mario Leiters Vorschlag ist in Rat- und Landhaus verhalten.

Wie in Salzburg und Tirol

In Tirol und in Salzburg gibt es bereits Abfahrverbote. Die Polizei steht an der Autobahn, kontrolliert jedes Auto und leitet jene zurück, die nur durchfahren möchten. „Dort wurde eine Regelung erfolgreich eingeführt, warum nicht auch in Bludenz?“, fragt sich Mario Leiter. Und zwar sollen an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen temporäre Fahrverbote bei den Ausfahrten Nenzing-Bludesch, Bludenz-Nüziders und Bludenz-Bürs ermöglicht werden.

Dem Bludenzer Vizebürgermeister gehe es darum, ein Zeichen zu setzten und das Land in die Verantwortung zu nehmen. Seiner Meinung nach wäre eine solche Maßnahme eine „gute Botschaft für die Region“, wie er betont. Auslöser für seinen Vorstoß sei die aktuelle Großbaustelle beim Autobahnanschluss Bludenz-Bürs. Schon jetzt sei die Situation an Reisewochenenden unerträglich. Leiter befürchtet, dass sich der Verkehr durch die Baustelle noch stärker in die Innenstadt verlagert. Der Bevölkerung sei die Verkehrssituation seit vielen Jahren ein Dorn im Auge.

Bei Bürgermeister Mandi Katzenmayer (ÖVP) stößt der Vorstoß seines Vizes auf Unverständnis. Er, Katzenmayer, sei deshalb in der Vergangenheit bereits des Öfteren bei Bezirkshauptmannschaft (BH) und Land gewesen. Aus seiner Sicht sei der Verkehr in den letzten Jahren besser geworden. „Außerdem wurde uns von der Asfinag ausdrücklich zugesichert, dass die Autobahn während der Wintersaison im Baustellenbereich in beide Richtungen zweispurig befahrbar ist“, erläutert Katzenmayer.

Umfangreiche Prüfungen

Es gelte auch zu berücksichtigen, dass dieses Vorhaben mit einem nicht unerheblichen Mehraufwand des Personals verbunden sei. „Es muss zunächst abgeklärt werden, ob das in Bludenz überhaupt zu stemmen ist“, sagt der Stadtchef. Zudem bezweifelt er, dass ein solches Vorhaben in so kurzer Zeit umsetzbar ist. Selbstverständlich befürworte auch er den Verkehr nicht, aber: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir in einer sehr schönen Region leben.“

Der zuständige Landesrat Marco Tittler steht dem Ansinnen nicht ablehnend, jedoch abwartend gegenüber: „Ich kenne den Antrag nicht, kann mich also nicht konkret äußern.“ Sobald er eintreffe, werde er genau geprüft. So müsse zumindest eine Verkehrszählung veranlasst werden. Außerdem sollten mögliche Gefahrenstellen analysiert werden. „Wir haben in Vorarlberg ein sehr engmaschiges Netz an Autobahnauf- und -abfahrten“, begründet der Landesrat. „Es könnte sein, dass sich der Verkehr auf andere Abfahrten verlagert.“ In Tirol habe es vor dem Beschluss eine umfangreiche Studie dazu gegeben.

Zeit will die SPÖ allerdings keine verstreichen lassen. Das Fahrverbot soll schon ab 1. Dezember gelten und bis April beibehalten werden und zumindest so lange gelten, bis 2021 die Bauarbeiten bei der Auffahrt Bludenz-Bürs beendet sind.

„In Salzburg und Tirol wurde es erfolgreich eingeführt, warum nicht auch in Bludenz?“