Charles Ritterband

Kommentar

Charles Ritterband

Harte Zeiten für die Royals

Politik / 28.11.2019 • 07:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Prinz Philip, Duke of Edinburgh, der 98-jährige Gatte von Königin Elizabeth II, nennt die englische Königsfamilie „the Firm“. Bisher hatte er die Familienfirma mit eisernem Griff und Disziplin geführt. Doch diese „Firma“ befindet sich, knapp mehr als zwei Wochen vor den schicksalshaften Parlamentswahlen, in ernsten Schwierigkeiten. Mindestens so arg wie im Jahr 1989 als ich meinen langjährigen Posten als England-Korrespondent der NZZ antrat. Damals brach der „Camillagate“-Skandal los, das vermutlich vom Geheimdienst mitgeschnittene Bettgeflüster zwischen Prinz Charles und seiner geheimen Geliebten Camilla. Der Rest ist bekannt: Das viel zitierte TV-Interview Dianas („wir sind zu dritt in dieser Ehe“), Scheidung und schließlich der dramatische Unfalltod der Prinzessin in Paris; eine trauernde Nation und bittere Vorwürfe an die „eiskalte“ Queen, welche die sentimentgeladene Stimmung im Volk verkannt hatte – ein schwerer Fehler.

Der 59-jährige Prinz Andrew, Duke of York, drittes Kind und zweiter Sohn der Queen – bei seiner Geburt immerhin noch Nummer zwei in der britischen Thronfolge – personifiziert all das, was längst nicht mehr stimmt am Mythos der Royal Family. Sein Verhältnis zum pädophilen Financier Jeffrey Epstein wollte Andrew in einem BBC-Fernsehinterview verharmlosen. Dieses erwies sich als katastrophal – man spricht hier nur noch vom „car crash interview“. Der Thronfolger, Prinz Charles, hatte sich am Dienstag nach Sandringham zu Papa Philip zwecks einer Krisensitzung über die Zukunft des problematischen Andrew begeben. Dieser erklärte reumütig, er habe aus Einsicht in seine Fehler die Queen „gebeten“, ihn von seinen öffentlichen Verpflichtungen „auf absehbare Zeit“ zu dispensieren. In Wahrheit war es genau umgekehrt – die Queen hat Andrew ultimativ zum Rücktritt genötigt und ihm damit die Privilegien der „Royals“ genommen.

Die Hälfte der Befragten sieht eine Beschädigung der Monarchie.

Laut gut informierten Quellen war es aber nicht die Monarchin, sondern indirekt Prinz Charles, der dem jüngeren Bruder die Rute ins Fenster gestellt hatte. Bisher hielten sich hartnäckig Gerüchte, dass die Queen den inzwischen 71-jährigen und nicht rasend beliebten Thronfolger übergehen und die Krone direkt ihrem deutlich populäreren Enkel Prinz Wiliam übergeben könnte. In der Tat hält nur ein Drittel Charles‘ Beitrag zur Königsfamilie für konstruktiv und lediglich 20 Prozent wollen Camilla als Königin. 58 Prozent finden, William würde den besseren König abgeben. Doch die Affäre um Andrew, der von Satirikern aus triftigen Gründen als „Randy Andy“ (der geile Andy) tituliert wird, könnte dies geändert haben: Charles wird wegen seines entschlossenen Vorgehens jetzt gar schon als „Schatten-König“ bezeichnet. Falls die Monarchie überlebt. Die Hälfte der befragten Briten meint, dass das Andrew-Interview die Monarchie beschädigt habe, nur sechs Prozent glauben seinen Erklärungen.