Hunderttausende Überstunden durch Lehrermangel

Politik / 13.02.2020 • 22:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Die Lehrer in Vorarlberg müssen deutlich mehr Überstunden leisten als ihre Kollegen in Wien.<span class="copyright"> APA/DPA</span>
Die Lehrer in Vorarlberg müssen deutlich mehr Überstunden leisten als ihre Kollegen in Wien. APA/DPA

Vorarlberger Pflichtschullehrer sind Spitzenreiter. Gewerkschaft sieht darin ein Warnsignal.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Die Vorarlberger Pflichtschullehrer leisten mit Abstand die meisten Überstunden. 92.198 Stunden haben sie im vergangenen Schuljahr in den Volksschulen über ihre Normalarbeitszeit hinaus gearbeitet. In keinem anderen Bundesland ist die Zahl so hoch. In den Mittelschulen rangieren die Vorarlberger Lehrer mit 165.765 Überstunden auf dem zweiten Platz. Nur in Niederösterreich sind es mehr. Für Pflichtschulgewerkschafter Gerhard Unterkofler sind diese Zahlen ein Alarmsignal. „In Vorarlberg herrscht österreichweit der größte Lehrermangel. Darauf weisen wir seit Jahren hin.“ Ohne Überstunden könnte das Werk nicht mehr am Laufen gehalten werden.

In Vorarlberg herrscht der größte Lehrermangel. Darauf weisen wir seit Jahren hin.

Gerhard Unterkofler, Lehrergewerkschafter

Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) erklärt, dass die hohen Überstunden auch aufgrund der vielen Teilzeitbeschäftigungen anfallen. Außerdem erwähnt sie, „dass wir in den letzten Jahren immer mehr Lehrpersonen angelobt, als in Pension verabschiedet haben. Das heißt, die Kopfzahl der Lehrpersonen steigt kontinuierlich, die Schülerzahl bleibt hingegen konstant.“

300 Millionen für Überstunden

Österreichweit leisteten die Lehrer 5,1 Millionen bezahlte Überstunden, wie eine Anfragebeantwortung von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) an die Neos zeigt. Dafür wurden knapp 300 Millionen Euro bezahlt. Im Pflichtschulbereich steht Vorarlberg deutlich an der Spitze. Die 340.698 Überstunden an den Volks-, Mittel, Sonder-, Berufs- und polytechnischen Schulen im Land kosteten 2018/19 knapp 15,6 Millionen Euro.

Überstunden zu leisten, ist laut Lehrergewerkschafter Unterkofler nicht zwingend schlecht. „Es gibt Lehrer, die machen das gern. Sie verdienen damit ja auch mehr Geld. Vor allem Junglehrer sind oft froh darüber.“ Teilweise sei der Druck aber so groß, dass sie die Belastung nicht mehr stemmen könnten. „Lehrer müssen ja nicht nur unterrichten, vorbereiten und nachbereiten“, sagt Unterkofler. Sie seien auch mit viel Administrativem konfrontiert. Die Arbeit neben den Schulstunden habe sich im Vergleich zu früher verdoppelt. „Zur Entlastung wären nicht nur zusätzliche Sekretariatskräfte notwendig, sondern auch mehr Beratungslehrer, Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen und Fachleute für Integration und Elternarbeit.“

„Um Nachwuchs werben“

Unterkofler hat einige Vorschläge. „Wir müssen mehr Maturanten in die Lehrerausbildung bekommen.“ Die Pädagogische Hochschule habe bereits damit begonnen in den Schulen um künftige Studenten zu werben. Außerdem brauche es stärkere Bemühungen, Lehrer aus anderen Bundesländern nach Vorarlberg zu holen. Quereinsteigern müsse nicht nur die pädagogische Ausbildung schmackhaft gemacht werden. Auch ihre Vordienstzeiten in der Privatwirtschaft gehörten angerechnet.

Positiv beurteilt Unterkofler die Planstellenüberschreitung im Land. Auch hier ist Vorarlberg Spitzenreiter. Für das Schuljahr 2018/19 hat der Bund dem Land 3394 Stellen genehmigt. Am Ende waren es in Vorarlberg aber 537 mehr. Bildungslandesrätin Schöbi-Fink erklärt: „Die vom Bund genehmigten Planstellen sind zu wenig.“ So berechne dieser die Lehrerstellen auf Basis der Schülerzahl. Das Land orientiere sich hingegen an der Anzahl der Klassen. In der Planstellenstatistik schlagen sich auch die von den Lehrern geleisteten Überstunden nieder. Insgesamt kostet die Planstellenüberschreitung 35,9 Millionen Euro, 15,6 Millionen davon machten die Mehrstunden aus.